Neugierig, geschickt und ab und zu auch bissig: Die Kap-Pelzrobbe hat viele Gesichter. Neben ihrem goldigen Aussehen steht sie derzeit aber auch unter Beobachtung – denn sie könnte eine fatale Krankheit übertragen.
Felsige Küsten, Inseln, Sandstrände – dort fühlt sich die Kap-Pelzrobbe wohl. Hier kommt sie mit anderen Exemplaren gerne zusammen und bildet große Kolonien. Das wissenschaftlich Arctocephalus pusillus genannte Tier gilt als einzige Robbenart, die auf dem südafrikanischen Festland wirklich heimisch ist. Man sieht die Unterart Arctocephalus pusillus in vielen Häfen und vor allem auf vielen Felsen entlang der Küsten, vor allem in Südafrika und Namibia. Dort leben geschätzt etwa zwei Millionen Kap-Pelzrobben, meist vereint in 25 bis 40 Kolonien. Einige Orte nutzen die relative Gemütlichkeit des Südafrikanischen Seebären, wie die Robbenart auch genannt wird, auch touristisch.
Im Robberg Nature Reserve in Südafrika beispielsweise können sich Schnorchel-Fans einen Schwimmgang mit Robben buchen. Mit laut Outdoor-Portal Manawa Preisen um die 50 Euro ist der Ausflug in dem Ort – etwa 500 Kilometer östlich von Kapstadt gelegen – auch gar nicht so teuer. Wer nicht schwimmen und/oder tauchen kann oder will, kann auch im Boot bleiben und sich die Kap-Pelzrobben von dort aus anschauen. Beim etwa anderthalbstündigen Trip von Plettenberg Bay aus wird dennoch darauf hingewiesen, dass die Anwesenheit von Wildtieren nie garantiert werden kann, da diese unberechenbar seien.
In Begleitung eines zertifizierten Tauchlehrers kann man dann 30 Minuten lang im Wasser mit den Robben spielen, während diese nach Nahrung suchen. Dabei, so wird das Abenteuer auf Manawa beworben, soll man sich von den überragenden Schwimmfähigkeiten der Robben hautnah überzeugen können, während diese in den Wellen herumtollen. Das Wasser in Küstennähe sei relativ flach, womit das Gebiet vor den Strömungen des Südatlantiks geschützt sei. Das Schwimmen dort biete „mit diesen neugierigen und verspielten Meeressäugern den ultimativen Kontakt zwischen Mensch und Tier“.
Ausgezeichnete Schwimmer
Die romantische Beschreibung sollte aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Südafrikanischen Seebären Wildtiere sind – und entgegen dem Namen auch nicht nur im südafrikanischen Raum anzutreffen sind. Neben Südafrika selbst ist die Kap-Pelzrobbe auch an der Atlantikküste von Namibia heimisch. Ist keine Paarungszeit, wandern einige Individuen bis in den Norden von Angola (nördlicher Anrainer von Namibia). Die Unterart Arctocephalus pusillus doriferus verteilt sich entlang der Küsten Australiens und Tasmaniens. Daneben kommen sie auch auf den Prinz-Edward-Inseln vor, eine unbewohnte Inselgruppe im Süden des Indischen Ozeans, etwa auf halber Strecke zwischen Südafrika und der Antarktis.
Sie gelten als ausgezeichnete Schwimmer und geschickte Jäger. Ihre Nahrung besteht hauptsächlich aus Fischen, Tintenfischen und Krebstieren, sie attackieren und erbeuten aber auch vereinzelt Pinguine und andere Meeresvögel. Sind sie auf Nahrungssuche, legen sie gerne mal Hunderte Kilometer zurück und tauchen dabei bis zu 200 Meter tief. Sie bevorzugen felsige Küstenabschnitte und Inseln, wo sie sich ausruhen, fortpflanzen und vor Raubtieren schützen können. Denn mit Gardemaßen von bis zu 2,50 Meter und bis zu 300 Kilogramm bei den Männchen sowie bis zu 1,80 Meter und bis zu 110 Kilo bei den Weibchen werden die Tiere auch selbst gerne als Nahrung genommen.
Jungtiere beispielsweise werden an Land von Schakalen und Hyänen erbeutet. Im Ozean gehören zu ihren Fressfeinden der Schwertwal und der Weiße Hai. Kein Wunder also, dass Forscher herausfanden, dass Robben ein hohes Stressniveau aufwiesen, wenn das Risiko eines Angriffs durch einen Weißen Hai hoch war. Das von der Rosenstiel School of Marine and Atmospheric Science der University of Miami (UM) geleitete Forschungsteam fand mit den Kolonien vor dem Westkap in Südafrika genau die richtige Forschungssituation, wie das Portal scienceaq.com berichtet, denn dort ist auch eine der dichtesten Populationen von Weißen Haien zu finden.
Die Kap-Pelzrobben sind seit einigen Monaten auch in einer weiteren Untersuchung in den Fokus der Wissenschaft geraten. Wie unter anderem „Der Standard“ berichtet, seien an Stränden rund um Kapstadt nach Angaben der Stadtverwaltung Menschen von tollwütigen Robben gebissen worden. Laut Gregg Oelofse, Manager für Küsten- und Umweltmanagement im Westkap, sei dies der weltweit erste nachgewiesene Ausbruch von Tollwut bei einer marinen Säugetierpopulation. Lediglich 1980 sei ein Fall bei einem einzelnen Tier in Norwegen registriert worden. Bis 2024 wurden mindestens 17 Fälle bestätigt, teils durch retrospektive Tests.
Finden Beute auch im dunklen Wasser
Einige Forscher vermuteten daraufhin, dass Schakale bei der Jagd auf Robbenbabys die Tollwut übertragen haben könnten, wie das Nachrichtenportal „newsworld.app“ berichtet. Zur Vorsicht hätten die Behörden in bestimmten Gebieten einige Tiere geimpft. Größte Sorge bei der Tollwut bei den Kap-Pelzrobben sei es, dass sich die Krankheit auf andere Robbenarten und schließlich weltweit übertrage. Auch wenn dies unwahrscheinlich sei, könnte es gravierende Folgen haben, wenn das Virus neue Gebiete und Spezies erreiche. Fachärzte raten ohnehin dazu, Abstand zu Robben halten und diese nicht zu berühren oder zu füttern.
Doch das ist gar nicht so einfach. Denn mit dem dichten, dunkelbraunen Fell, den großen Augen und ihrem lebhaften Verhalten scheint eine Annäherung sehr verlockend zu sein. Ihr dichtes Fell besteht aus einer weichen Unterwolle und längeren Deckhaaren, die sie hervorragend gegen kaltes Wasser isolieren. Das Meeressäugetier zeigt außerhalb der Paarungszeit ein verspieltes Verhalten, springt durch die Brandung, reitet auf Wellen, sonnt sich am Strand und interagiert manchmal sogar mit Tauchern.
Doch Männchen neigen dazu, ihre Reviere energisch zu verteidigen und liefern sich beeindruckende Kämpfe um die Harems. Ihr Fortpflanzungsverhalten zeichnet sich dadurch aus, dass die Männchen die Kolonien vor den Weibchen erreichen und Territorien bilden. Wie das bei Polygynie üblich ist, paaren sich einzelne dominante Männchen mit mehreren Weibchen und überwachen und verteidigen diese gegen andere Männchen. Die Paarungsplätze am Strand mit durchschnittlich neun Weibchen sind im Mittel etwa 62 Quadratmeter groß.
Die Weibchen verlassen die Brutstrände für Jagdzüge, die in der Regel drei bis sieben Tage dauern. Danach bleiben sie einen bis sieben Tage bei den Jungtieren und säugen diese. Die Jungtiere sind bei der Geburt 60 bis 80 Zentimeter lang bei einem Gewicht von fünf bis maximal zwölf Kilogramm. Sie werden meistens etwa ein Jahr gesäugt, in Ausnahmefällen jedoch auch, bis sie zwei bis drei Jahre alt sind. Die Jungtiere sind nach der Geburt schwarz mit einem helleren Bauch. Nach etwa einem Jahr haben sie ihr normales Fell, das sich nur bei den Männchen weiter verändert. Die Weibchen erreichen ihre Geschlechtsreife nach etwa drei bis sechs Jahren, die Männchen nach sechs bis zwölf Jahren. Die Lebensdauer der Tiere wird auf maximal etwa 25 Jahre geschätzt. Forschende vermuten, dass sich Robben aus Vorfahren wie Bären oder Ottern entwickelt haben, die an Land leben. Durch ihre großen lichtempfindlichen Augen sehen die Tiere nicht nur goldig aus, sondern haben dadurch auch den Vorteil, dass sie ihre Beute im dunklen Wasser finden können. Ihre empfindlichen Schnurrhaare helfen ihnen zudem dabei, ihre Beute im trüben Wasser aufzuspüren.
Die Kap-Pelzrobbe gilt laut Internationaler Union zur Bewahrung der Natur (IUCN) als nicht gefährdet („Least Concern“), da ihre Population mit rund zwei Millionen Tieren stabil und weit verbreitet ist. Dennoch gibt es lokale Risiken wie eben die jüngst aufgetretenen Tollwutfälle, der vom Menschen verursachte Klimawandel, Nahrungskonkurrenz und Konflikte mit der Fischerei.