Sie gehören wegen ihrer drollig anmutenden Art, über das Land zu watscheln, zu den beliebtesten Maskottchen, erfreuen sich als Logo großer Beliebtheit und haben wegen ihres Frack-ähnlichen Federkleids popkulturelle Relevanz. Dabei zählen Pinguine zu den taffsten Erdbewohnern.
Mit ihrer evolutionär bedingten Flugunfähigkeit ordnet man die gleichwarmen Tiere zur Familie der Vögel. Ihre kurzen, kräftigen Schwingen sind hervorragend geeignet, um sich im Element Wasser voran zubewegen, haben aber nicht die nötige Spannweite, um Auftrieb in der Luft zu bewerkstelligen. Flugunfähige Vögel tauchen schon in der Kreidezeit auf, aber mit denen haben sie tatsächlich keine Gemeinsamkeit – vielmehr teilen sie Eigenschaften mit flugfähigen Artgenossen. Ihre Skelette sind denen von Lappentauchern und Seetauchern ähnlich. Auch biochemische Analysen ergaben eine Nähe zu den beiden Vogelarten sowie zu Albatrossen und Reihern. Die Verwandtschaftsverhältnisse sind heute immer noch unklar. Eindeutig hingegen ist die Benennung des Ur-Pinguins, den die Maori Waimanu getauft haben (Wai = Wasser, Manu = Vogel). Die frühesten Funde wurden auf die Zeit vor 58 bis 61 Millionen Jahren datiert. Die etwa 80 Zentimeter großen Urtiere fand man in Neuseeland. Daneben hat man allerdings auch Riesenpinguine gefunden, die eine Größe von bis zu 1,50 Meter erlangen konnten. Man geht davon aus, dass diese eine Fortentwicklung der flug- und tauchfähigen Alkenvögel sind, die durch Anpassung an kalte Regionen ihre Flugfähigkeit verloren haben. Dass große Tiere mit dicker Fettschicht polaren Verhältnissen trotzen können, beweist der überaus populäre Kaiserpinguin. Er verkörpert den Typus Überlebenskünstler, in einer Region, die kaum ein anderes Lebewesen bewohnen könnte: der Antarktis. Doch nicht alle Pinguinarten leben in ultrakalten, nahrungsarmen Gebieten. Die Verbreitung sämtlicher Pinguinarten fand zwar nur auf der Südhalbkugel statt, dort sind sie aber weitverbreitet an den Küsten Südamerikas. Man vermutet, dass sie sich über den Humboldtstrom verbreitet und dann in Galapagos- und Humboldtpinguin aufgespalten haben. Zu ihnen gehören die Galapagos-, Humboldt-, Magellan- und Brillenpinguine.
Gehören zur Familie der Vögel
Eine weitere Gruppe hat sich wahrscheinlich über den Benguela-Strom verteilt und ist in Feuerland, Südchile und Südargentinien gelandet. Auch an Südafrikas Küsten sind Brillenpinguine zu Hause. Insgesamt beläuft sich die Zahl der bekannten Arten auf 18, unterteilt in sechs Gattungen, die je nach Lebensraum unterschiedliche Überlebensstrategien entwickelt haben. Ihnen gemein ist das dichte Gefieder. Die sehr eng beieinander liegenden, äußeren Federn erwecken den Eindruck von Haaren. Darunter befindet sich eine Schicht aus flauschigen und buschigen Daunenfedern. Zwischen deren Federästen lagert sich Luft ein. Da diese ein schlechter Wärmeleiter ist, geht bei niedrigen Temperaturen oder im kalten Wasser nur wenig Körperwärme nach außen verloren. Umgekehrt: Bei erhöhten Außentemperaturen gelangt auch wenig Wärme ins Innere des Körpers. Die Daunenschicht ist also ein wichtiger Isolator.
Neben Größe- und Gewichtsunterschieden haben Pinguine auch eine unterschiedliche Lebenserwartung. Die größten, schnellsten und schwersten unter ihnen werden bis zu 20 Jahre alt: Kaiserpinguine sind wahrlich die Superlative ihrer Art. Sie können ein Tempo von bis zu 15 Stundenkilometern erreichen, bis zu 18 Minuten unter Wasser bleiben und tauchen in Tiefen, die nicht selten 500 Meter erreichen. Ihr Gewicht liegt, je nach Fasten- oder Fressperioden, zwischen 28 und 38 Kilo, bei einer stattlichen Größe von 100 bis 120 Zentimetern. Dagegen bringen Zwergpinguine als kleinste Art gerade mal 0,9 bis 1,17 Kilo bei maximal 45 Zentimeter auf die Waage. Kaiserpinguine sind mindestens drei Monate an Land, wobei sie im Winter wochenlang zu den Brutstätten im Inneren der Arktis wandern. Als Energiesparer lassen sie sich gelegentlich bäuchlings auch über das Eis gleiten. Dabei schieben sie sich mit ihren Flossen vorwärts. Was ihnen entgegenschlägt, sind Winde, die nicht selten eine Geschwindigkeit von 100 Kilometern pro Stunde erreichen, bei gefühlten minus 70 Grad Celsius. In dieser unwirtlichen Landschaft leben die größten Pinguinkolonien der Erde. Unter brutalsten klimatischen Verhältnissen versammeln sich Zehntausende von Kaiserpinguinen und wandern ins Landesinnere, immer dann, wenn sich die Sonne für lange Zeit verabschiedet. Zur Winterzeit ist das Eis am stabilsten und bildet große Flächen, die die Pinguine zum Brüten brauchen. Die weiblichen Tiere legen ein Ei, das sie zum Ausbrüten an den männlichen Partner abgeben, ohne dass es das Eis berühren darf – ein Balanceakt, genau wie die Paarung, bei der das Männchen auf dem Rücken des Weibchens in mehreren Anläufen versucht, die beiden Geschlechtsöffnungen übereinander zu bringen. Nach Erreichen der Brutstätten beginnt für die männlichen Tiere eine viermonatige Zeit, in der sie fasten und das Ei ausbrüten. Dabei verlangsamt sich ihr Stoffwechsel und ihr Gewicht reduziert sich durch Aufbrauchen ihrer Fettschicht um die Hälfte. Das dichte Zusammenstehen in riesigen Gruppen schützt sie gegen die garstige Witterung. Ihr Rotationsprinzip sorgt dafür, dass sich die Außenstehenden nicht zu lange an der Peripherie befinden. Innerhalb des Gemenges entstehen Temperaturen von bis zu 20 Grad Celsius. Während sie in dem Haufen stehen, balancieren die Pinguine das Ei zwischen ihren Füßen und einer Hautfalte. Fällt es auf das Eis, ist es um das Leben des Kükens geschehen. Währenddessen sind die weiblichen Tiere zur Küste gezogen, um sich zu stärken. Wenn sie zurückkehren, sind die Männchen völlig erschöpft und können kaum noch aufrecht stehen. Um sich zu finden, stoßen die Pinguine einen individuellen Laut aus, der sie unter Tausenden einander zu erkennen gibt. Die meisten Pinguinarten leben monogam und bilden ein Brutpaar fürs Leben. Zwar führen sie die meiste Zeit über eine „Fernbeziehung“, aber sie bleiben sich treu. Solange das Weibchen zum Nest zurückkehrt, sucht sich das Männchen keine neue Partnerin. Sollte es doch eine geben, wird die wieder in die Eiswüste geschickt, wenn das verschwundene Weibchen doch noch auftaucht.
100 Tage Marschieren ohne Nahrung
Nach Übergabe des Kükens an die Mutter ziehen die Pinguinväter zur See, um sich zu stärken. Nach über 100 Tagen ohne Nahrung ist dieser Marsch ein Test, den nicht alle bestehen. Wenn die Sonne endlich wiederkehrt, erwacht das Leben an der Küste. Die Hauptnahrung vieler Prädatoren, Krill, lockt nicht nur Pinguine an die Küste. Die ersten Ankömmlinge sind die kleineren, schnellen Adeliepinguine. Sie bauen Nester aus Steinen. Ihre nächsten Verwandten, die Eselspinguine, suchen weiter nördlich eisfreie Küsten und legen dafür ewig große Weiten zurück. Ihre Brutzeit ist flexibler und deshalb können sie sich besser an die sich ändernden klimatischen Verhältnisse anpassen. Zügelpinguine versammeln sich in Trauben dort, wo der Sommer kurz, aber vorhersehbar ist. Sie sind Meister des Timings und kommen genau dann, wenn sich der Krill am weitesten ausgebreitet hat. Doch dies tun auch ihre Feinde, die darauf warten, dass sich ihre Beute zum ersten Mal ins Wasser stürzt. Dann kommen Seelöwen, Robben und Orcas auf ihre Kosten. Um sich vor ihnen zu schützen, benutzen Pinguine einen Trick. Sie schicken einen Mutigen voraus. Wenn im Wasser keine Gefahr lauert, wagt ein Tier den Sprung. Erst danach springen alle anderen hinterher. Dies nennt man gemeinhin den „Pinguineffekt“. Kürzlich fand man heraus, dass die Zügelpinguine auch eine innere Uhr besitzen, mit der sie es schaffen, eintausend Mal am Tag einen Powernap von vier Sekunden einzulegen. Das hilft beim Bewachen der Nester ungemein.
Zügelpinguine machen 1.000 Powernaps
Der Winter im Landesinneren und der Sommer an den Küsten reihen sich nie perfekt aneinander. Deshalb gibt es so viele Pinguinarten über die Antarktis verteilt, die ihre Überlebensstrategie den geografischen Bedingungen anpassen. Eis und Licht sind die bestimmenden Überlebensfaktoren. 1.000 Kilometer vom antarktischen Kontinent entfernt liegt Südgeorgien, ein grünes Gebiet, wo der Sommer schier explodiert. Die See steigt derart an, dass sie Nahrung nach oben katapultiert und ein wahrer Supermarkt für Prädatoren und Seevögel entsteht. St. Andrews Bay, ein schmaler Küstenstreifen, beheimatet dort die größten Kolonien von Königspinguinen. Bis zu einer halben Million Tiere sehen von Weitem betrachtet wie ein gelb-brauner Teppich aus, der sich über die Landschaft ausbreitet. Es ist Forschenden nicht immer klar, wo sich eine Kolonie aufhält, aber eine relativ neue Studie hat anhand der Kotspuren, die weite Gebiete färben, identifiziert, wo sie sich befinden. Man kann per Satellit tatsächlich kleinere Kolonien erkennen, die von maximal 500 Tieren gebildet werden. Durch die Beobachtung aus dem All können die Wissenschaftler des British Antarctic Surveys feststellen, wie es um die Populationen der Tiere steht. Etwa die Hälfte der 18 Pinguin-Arten ist nach Angaben der Roten Liste der International Union for Conservation of Nature (IUCN) gefährdet oder direkt vom Aussterben bedroht. Überfischung, Plastikmüll und der Klimawandel setzen einigen Arten immer mehr zu. Der Bestand der Königspinguine im Südlichen Ozean laut einer Zählung der Université de la Rochelle ist zwischen 1988 und 2018 um etwa 90 Prozent geschrumpft. Mittlerweile helfen Drohnen bei der Zählung, deren Bilder dank KI schnell ausgewertet werden können. Neue Forschungsergebnisse legen nahe, dass sich die Population der Adeliepinguine dagegen vergrößert hat. Zu den gefährdetsten Arten gehört der Brillenpinguin, der sich bevorzugt an der Küste Südafrikas aufhält. 2023 zählte man gerade einmal 9.000 Brutpaare, 2018 waren es noch 15.000. Die dramatische Reduktion veranlasste NGOs, Sperrzonen für die Fischerei einzurichten, damit den Pinguinen keine Nahrung weggefischt wird.
Pinguinpopulationen gelten als das Frühwarnsystem für Menschen, die Veränderungen ihrer Anzahl und Verhaltensanpassung an klimatische Bedingungen sind ein Hinweis, wo wir bei der Erwärmung der Meere und dem Verschwinden des Polareises stehen, ein unbezahlbarer Dienst, den Pinguine unbeabsichtigt leisten.