Am 21. Februar will Boxer Jürgen Doberstein seinen WM-Titel in Saarlouis verteidigen. Sein Manager Michael Schultheis blickt schon weiter voraus. Das Duo hat noch viel vor.
Knapp zehn Jahre ist es her, dass Jürgen Doberstein seinen größten Kampf hatte. Im Duell um die WBA- und die vakante WBO-Interconti-Meisterschaft im Supermittelgewicht lieferte er sich mit Robin Krasniqi ein grandioses Gefecht auf hohem Niveau, mit einem bis zur letzten Runde unglaublichen Tempo. Am Ende siegte Krasniqi nach Punkten, später wurde er sogar Weltmeister. Zum erhofften Rückkampf kam es damals nicht. Bis heute heißt es, der ausgebuffte Manager Krasniqis, Ulf Steinforth, habe die damaligen Vermarkter Dobersteins über den Tisch gezogen. „Die Vergangenheit kann und will ich nicht beurteilen. Wir blicken nach vorne und sehen uns gut aufgestellt“, sagt Michael Schultheis. Seit einiger Zeit ist er Manager des saarländischen Profiboxers.
Begrenzte Hallen-Kapazität
Und der Kontakt entstand, wie es hierzulande üblich ist, eher zufällig. Schultheis war Organisator des Grill-Events „Feuer und Flamme für St. Wendel“ am 4. Mai 2024, das über 30.000 Besucher in die Innenstadt lockte. Rund um den Dom traten 24 Teams in einem Barbecue-Battle an, bewertet von einer prominenten Jury um Johann Lafer und Cliff Hämmerle. In dieser Jury saß auch „der Dobermann“. Schultheis und Doberstein tauschten sich aus, und irgendwann kam der Gedanke auf, zusammenzuarbeiten.
Der 57-Jährige war schon immer sportaffin und in seinen verschiedenen beruflichen Stationen öfter als Sponsor tätig. Daneben verfügt er über ein großes Netzwerk in der Sportwelt, der Wirtschaft und der Industrie. So überrascht es kaum, dass Schultheis ehrenamtlich den „Matchmaker“ für Doberstein macht. „Ich glaube nicht, dass im Leben immer alles mit barer Münze aufzuwiegen ist. Jürgen und ich sind Freunde geworden, mir macht es Spaß – auch wenn die vergangenen Wochen fordernd waren.“
Im September 2024 wurde Doberstein GBC-Weltmeister im Supermittelgewicht, im vergangenen Frühjahr verteidigte er seinen Titel. Der GBC ist dabei nicht zu verwechseln mit dem World Boxing Council (WBC), einem der vier großen Weltverbände (WBA, WBC, IBF, WBO). „Jürgen war vier Jahre mehr oder weniger weg vom Fenster. Es hat niemand mehr an ihn geglaubt. Außer er selbst. So sagt er es immer“, beschreibt Schultheis den schwierigen Weg, den Doberstein zurücklegen musste. Ein Weg, der ihn am 21. Februar in die Stadtgartenhalle in Saarlouis führen wird. Dort verteidigt er seinen Titel gegen den Franzosen Pierre Hubert Dibombe.
„Ich respektiere jeden Gegner. Und ich bin dankbar für diese Chance. Aber ich werde den Kampf gewinnen. Jürgen hat noch nie gegen einen Boxer auf meinem Niveau gekämpft“, sagte der 34-Jährige anlässlich der Pressekonferenz. „Jürgen nimmt jeden Gegner ernst, aber er konzentriert sich auf sich. Sein Ziel ist es, diesen Kampf zu gewinnen“, sagt Schultheis.
Es ist das erste Mal, dass in der heimlichen Hauptstadt des Saarlandes ein solches Event stattfindet. Mit rund 2.000 verkauften Tickets ist die Halle bereits nahezu ausverkauft, rund 3.000 Tickets hätte Team Doberstein absetzen können. Viel mehr waren es 2016 in der deutlich teureren Saarlandhalle in der Landeshauptstadt auch nicht. „Es zeigt, dass die Resonanz da ist. Jürgen hat eine große Fangemeinde, es gibt viele Unterstützer und auch die Medien ziehen mit“, sagt Schultheis.
Nun muss „der Dobermann“ liefern. Das wird nicht einfach. Dibombe hat bisher 27 Profikämpfe absolviert (ein Unentschieden), 24 gewonnen, davon 13 durch Knock-out. Seine beiden Niederlagen kassierte er im Jahr 2024. „Er war Europameister, hat noch Ambitionen, ist im besten Alter“, sagt Schultheis und widerspricht damit dem Klischee, amtierende Weltmeister würden sich bevorzugt Gegner suchen, die sich für ein paar Euro auf die Bretter schicken lassen. „Das würde ich nicht mitmachen“, sagt Schultheis.
Doberstein ist dennoch der Favorit, und es ist klar, dass der Kampf in der Stadtgartenhalle nur ein Zwischenschritt ist. „Die Stadt Saarlouis mit Oberbürgermeister Marc Speicher und den zuständigen Behörden hat sich extrem bemüht. Dafür sind wir sehr dankbar, aber es ist auch klar, dass wir weiterdenken müssen“, sagt der Manager.
Das große Problem für ambitionierte Boxer ist die Hallensituation des Landes. „Wir waren im vergangenen Frühjahr in der Deckarm-Halle in Saarbrücken, jetzt sind wir in Saarlouis. Das passt derzeit, aber wenn Jürgen noch einmal einen richtigen Karriereschritt gehen will, müssen wir vermutlich aus dem Saarland raus“, sagt Schultheis.
Mit dem TV-Kampf winkt das große Geld
Denn Boxen wird erst dann richtig interessant und lukrativ, wenn die TV-Kameras an sind. Schultheis: „In dieser Hinsicht hat das Saarland den Anschluss verpasst. So hart muss man es formulieren. Es fehlt einfach die Halle für ein großes Event. Die ganz großen Sponsoren bekommt man erst, wenn ein Kampf im TV übertragen wird.“ Dass Doberstein mit seinen fast 37 Jahren noch das Zeug dazu hat, davon ist sein Manager überzeugt: „Wir sprechen von einem anderen Doberstein als vor einigen Jahren. Er ist gereift, er ist ein absoluter Profi, und er hat noch viel vor. Er ist körperlich topfit und kann sicherlich noch einige Jahre auf hohem Niveau bestehen“, glaubt Schultheis.
Der Karriereplan für „den Dobermann“ ist klar. Erst die Titelverteidigung, dann ein weiterer Schritt. „Wir werden sicherlich aus dem Saarland rausgehen müssen. Vielleicht wagen wir auch den Sprung über den großen Teich“, sagt Schultheis und meint damit die USA. Er hält einen sogenannten Vereinigungskampf mit dem renommierten Verband WBA durchaus für denkbar. „Aber wir denken Schritt für Schritt. Erst sprechen wir über den Kampf am 21. Februar in Saarlouis“, sagt Schultheis.
Doch der gemeinsame Weg wird nicht in der Stadtgartenhalle enden. Das steht bereits fest.