US-Autogigant General Motors mischt mit seiner Edelmarke die Formel 1 auf. Als elftes WM-Team starten die Amerikaner nach einer völlig „missglückten Geburt“ ihr Abenteuer in der Königsklasse des Motorsports.
Das war das für ’ne großartige, gigantische, spektakuläre Show! Ein Formel-1-Spektakel, wie es typisch amerikanischer nicht sein konnte – und sollte: grandios, pompös, glamourös und amourös. Und mittendrin: ein junges, attraktives, charmantes „Mädel“, das in den kommenden Jahren auf den wohlklingenden Namen Cadillac hören wird.
Cadillac – ein Name wie ein Donnerhall! Und welche Bühne wäre besser geeignet gewesen, um die ganze Aufmerksamkeit auf sich zu lenken, als die Halbzeitpause des Super-Mega-Sportevents Super Bowl im kalifornischen Levi’s Stadium von Santa Clara. Die Vorstellung des US-Autobauers General Motors und seiner glamourösen „Tochter“ Cadillac war ein Spektakel mit Glanz, Gloria, Glitzer und Glamour – vor 170 Millionen US-Fernsehzuschauern. Und mit einem 30 Sekunden langen Spot von zehn Millionen US-Dollar mit einer Milliarde TV-Guckern weltweit. Jetzt aber genug der Präsentations-Euphorie des neuen US-Formel-1-Projekts. Kommen wir zum „Eingemachten“ – der Präsenz der jungen, „neu geborenen“ Formel-1-Tochter Cadillac. Und schon gleich hat man dem „F1-Neuling“ eine Aufgabe aufgebürdet, die da heißt: die F1-Szene noch etwas „amerikanischer“ aufzupäppeln (was immer das auch heißen und bedeuten mag).
Zwei Haudegen sollen es richten
Um den Sehnsüchten und Wünschen der „jungen, attraktiven Dame Cadillac“ gerecht zu werden, stehen gleich zwei erfahrene, aber auch in die Jahre gekommene „Halunken“ (laut Duden: mit allen Wassern gewaschene Zeitgenossen) bereit. Die „ollen und auch tollen Haudegen“ Sergio Michel „Checo“ Perez (35) und Valtteri Viktor Bottas (36) sollen die unerfahrene und noch jungfräuliche F1-Einsteigerin Cadillac in die „richtige Spur“ bringen. Heißt: auch mal die sieggewohnten arrivierten Teams Red Bull, Ferrari, Mercedes und McLaren ein bisschen „kitzeln“. Zusammen bringen es die beiden erfahrenen F1-Haudegen ja immerhin auf 527 GP-Einsätze mit 16 Siegen (Perez 281 Grand Prix/sechs Siege, Bottas 246 F1-Starts/zehn Siege).
Mit dem erfahrenen F1-Duo Perez/Bottas setzt das US-Team Cadillac gleich auf eine doppelte F1-Erfahrung. Der Ruf von Perez wurde ja nach seinem legendären Red-Bull-Rauswurf Ende 2024 (trotz einer bestehenden Vertragsverlängerung) durch das krachende Scheitern seiner „Bullen-Nachfolger“ Lawson und Tsunoda immerhin ein wenig rehabilitiert. Der Schleudersitz neben Red-Bull-Überflieger Max Verstappen ist hochexplosiv. Keiner der „Verstappen-Untertanen“ konnte neben dem niederländischen „Überflieger“ „überleben“ – weder Ricciardo noch Gasly, Lawson, Albon oder zuletzt der Japaner Tsunoda.
Für den vierfachen Familienvater (zwei Söhne, zwei Töchter) Sergio Perez ist das Formel-1-Team von Cadillac „ein unglaublich spannendes neues Kapitel“ in seiner 14-jährigen F1-Karriere. „Checo“ in einer Pressemitteilung: „Schon in unseren ersten Gesprächen konnte ich die Leidenschaft und Entschlossenheit hinter diesem Projekt spüren. Es ist eine Ehre, Teil eines Teams zu sein, das sich gemeinsam weiterentwickeln kann.“ Gleichzeitig sei er aber auch „stolz, von Anfang an Teil eines so ehrgeizigen und bedeutungsvollen Projekts zu sein“. Und er sei überzeugt, „dass wir gemeinsam dieses Team zu einem echten Titelanwärter machen können, und zwar zum Team Amerika“. Wow, was für ein sportgewaltiger Donnerhall! Für den Finnen Bottas ist der Cadillac-F1-Einstieg „nicht nur ein Rennprojekt, sondern eine langfristige Vision“.
Das Starterfeld „aufmischen“
Das Cadillac-Duo Perez / Bottas ist fest entschlossen, das F1-Starterfeld 2026 mit seinen Auftritten „aufzumischen“. Für Checo Perez war sein unfreiwilliges Sabbatjahr eine „Erholung“, wie er mitteilte. „Für mich war es sehr wichtig, diese zwölf Monate Auszeit vom Sport zu haben, vor allem, als gegen Ende 2024 klar wurde, dass ich nicht bei Red Bull Racing weitermachen würde“ – oder um den „Tacheles-Sprachgebrauch“ zu bemühen: Perez wurde gefeuert. Seine Leistung war „ungenügend“ – Schulnote sechs! Doch Checo nahm diese für ihn ungewohnte Situation eher gelassen. Im Netz verbreitete er seine neue, auf nur ein Jahr befristete „Lebensphilosophie“ mit den Worten: „Anstatt mich auf etwas einzulassen, nur um in der Formel 1 zu bleiben, brauche ich diese Zeit, um mich ein wenig vom Sport zu lösen und zu verstehen, was ich als Nächstes in meiner Karriere wirklich will.“ Dann die Einsicht: „Je mehr ich mit dem Cadillac-Team sprach, desto klarer wurde mir, dass mich genau das reizt, um zur Formel 1 zurückzukehren.“
Teamkollege Bottas war gefühlt in der gleichen Situation wie der Mexikaner. Der Finne kam 2012 mit Williams in die Formel 1, 2017 wechselte als Nachfolger von Nico Rosberg ins Mercedes-Werksteam. Dort fuhr Bottas bis einschließlich 2021, bevor er 2022 zum Sauber-Team wechselte. Nach einer punktlosen Saison 2024 erhielt er von den Schweizern keinen neuen Vertrag mehr und kehrte 2025 „nur noch als Ersatz- und Testpilot“ zu seinem Ex-Team Mercedes zurück. Zwei F1-Piloten vorübergehend im „Ruhestand“. Umso beachtens- und bewundernswerter die „Philosophie“ der Amerikaner, den Mexikaner Perez und den Finnen Bottas als Formel-1-Piloten für ihr ehrgeiziges F1-Projekt zu verpflichten.
Keine Chance für Mick Schumacher
Cadillac-Teamchef Graeme Lowdon stellt klar: „Wer für uns fahren will, muss sich seinen Platz verdienen.“ Das neue Cadillac-Fahrer-Duo gibt sich demütig: „Dieses Projekt bringt mir den Spaß zurück. Es geht nicht um mich, sondern um das Team. Mir ist nicht wichtig, auf welchem Platz wir starten, sondern wie schnell wir vorwärtskommen“, so der Mexikaner Perez in einer Presseerklärung. Der Finne Bottas ergänzte: „Ich will Teil dieses Start-ups (deutsch: Aufbruch eines Unternehmens) sein. Cadillac ist ein großer Name mit großen Zielen. Du kannst den Ehrgeiz spüren.“
Stärken und Schwächen der beiden Altstars sind bekannt. F1-Experte Michael Schmidt, bestinformierter F1-Journalist im deutschsprachigen Raum, im Gespräch mit FORUM: „Perez und Bottas sind sehr ähnlich. Man kann also nicht sagen, dass sie sich ergänzen. In guten Autos reicht es zum GP-Sieg. Aber keiner der beiden hat das Gen des Außerirdischen. Beide Fahrer teilen auch die gleiche Enttäuschung.“
Heißt: Bottas beendete die Saison 2024 mit null Punkten. Perez wurde als Teamkollege von Max Verstappen quasi „beerdigt“. Perez und Bottas wurden für vermeintlich bessere Optionen in die Wüste geschickt. So etwas kann nachwirken. Eins aber haben die zwei gemeinsam: Sie sehen ihre Aufgabe darin, Arbeitgeber Cadillac auf die Sprünge zu helfen. Nebenbei: Mit der Verpflichtung dieser beiden Altstars war auch Mick Schumachers letzte Hoffnung auf ein F1-Cockpit komplett verpufft.
Das Projekt „Cadillac Formel 1“ war alles andere als eine normale Geburt. Um in der Medizinsprache zu bleiben: Da musste schon ein „Kaiserschnitt“ vorgenommen werden. Heißt: Der Sohn des 1978er-Weltmeisters Mario Andretti, selbst 1993 in 13 Grands Prix für McLaren im Cockpit, trieb den Einstieg des Teams unter seinem Namen voran – sehr forsch und breitbeinig. 2023 wurde die Bewerbung zum Unwillen der etablierten Teams, die die Sorge hatten, ihren Anteil am „Kuchen“ erheblich gedrückt zu bekommen, vom Weltverband akzeptiert.
Ein Jahr später sperrte sich aber der Rechteinhaber und vertröstete das Projekt auf 2028. Andretti beschwerte sich daraufhin beim US-Kongress mit dem Verweis auf einen möglichen Verstoß gegen das Kartellrecht. Anschließend leitete das US-Justizministerium eine Untersuchung gegen die Formel 1 ein. Erst vor einem Jahr gab es schließlich „grünes Licht“ für Cadillac, nachdem man sich auch auf eine Ausgleichszahlung an die verbliebenen Teams geeinigt hatte. Bis Cadillac ab 2028 mit eigenem Motor startet, wird der US-Rennstall von Ferrari mit Antriebsaggregaten versorgt. Die Zuversicht auf schnellen Erfolg ist im neuen, elften F1-Team verankert. Elf F1-Rennställe gab es zuletzt in der Saison 2010.