Gleich in acht Bundesländern stehen 2026 Landes- oder Kommunalwahlen an – vier davon schon im März. Spannend wird das nicht nur für die Landesparteien, sondern auch für die Dynamik im Bund – denn für manch einen steht mehr auf dem Spiel als nur ein Mandat.
Wenn am 8. März in Baden-Württemberg die Wahllokale öffnen, wird es nicht nur ein Stimmungstest fürs „Ländle“ werden. Es ist der Auftakt zu einem Superwahljahr, das die politische Statik der Republik verschieben könnte. Zwei Wochen später folgt die Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, dazu kommen Kommunalwahlen in Bayern und Hessen, bevor es im September weitergeht. In insgesamt acht Bundesländern wird zur Kommunal- oder Landtagswahl getrommelt. Und was nun im März im Südwesten entschieden wird, strahlt bis ins Berliner Regierungsviertel – und könnte dort für neuen Schwung sorgen oder die bestehende Unruhe weiter befeuern.
In Stuttgart geht es nach 15 Jahren grüner Führung um die Machtfrage. Mit dem Abschied von Winfried Kretschmann endet eine Ära, die Baden-Württemberg geprägt hat wie kaum eine andere. Sein möglicher Nachfolger Cem Özdemir kämpft ohne Amtsbonus – und gegen eine wirtschaftliche Stimmungslage, die sich durch Fragen der Klimapolitik kaum überschatten lassen will. Die CDU wiederum witterte lange Morgenluft. Spitzenkandidat Manuel Hagel sah sich schon auf dem Weg in die Villa Reitzenstein. Doch bundespolitische Debatten über Sozialreformen, Rente und Krankenversicherung haben den komfortablen Vorsprung zusammenschmelzen lassen. Die jüngsten Umfragen zeigen ein enges Rennen: die AfD stabil um die 20 Prozent, SPD und FDP in existenziellen Kämpfen. Für die Liberalen geht es im selbsternannten Stammland ums politische Überleben, für die Sozialdemokraten um die Frage, ob sie im Südwesten noch zweistellig sein können.
Zwei spannende Landtagswahlen
In Mainz steht ebenfalls mehr auf dem Spiel als ein bloßer Regierungswechsel. Ministerpräsident Alexander Schweitzer (SPD) hat das Amt erst 2024 übernommen – zu spät, um sich ein dickes Amtsbonus-Polster zuzulegen, aber früh genug, um die Verantwortung für eine Ampel zu tragen, deren Image unter dem Berliner Dauerstreit gelitten hat. Herausforderer Gordon Schnieder (CDU) profitiert von bundesweiten Trends, doch auch hier ist die Lage komplexer, als es Prozentzahlen vermuten lassen. Die AfD hat ihren Zuspruch im Vergleich zu 2021 mehr als verdoppelt, die FDP bangt hingegen um den Wiedereinzug. Viel spricht für eine große Koalition – offen ist nur, wer sie anführt.
Über all dem schwebt die Frage, was diese Wahlen für Berlin bedeuten. Die Koalition aus Union und SPD steht ohnehin mächtig unter Druck. Verlieren die Sozialdemokraten eines ihrer letzten Machtzentren, dürfte der Ruf nach inhaltlicher Schärfung lauter werden. Verpasst die CDU in Baden-Württemberg den greifbar nahen Machtwechsel, gerät auch sie intern unter Zugzwang. Und sollten die Ergebnisse der AfD im Südwesten tatsächlich auf Ost-Niveau klettern, wäre endgültig klar: Das Protestpotenzial ist längst kein regionales Ost-Phänomen mehr.
Das Superwahljahr 2026 beginnt also mit maximaler Fallhöhe. Es geht um Mehrheiten, Machtoptionen und politische Karrieren. Vor allem aber geht es um Vertrauen: in wirtschaftliche Kompetenz, in soziale Sicherheit und in staatliche Handlungsfähigkeit. Der März wird zeigen, ob die Wählerinnen und Wähler im Südwesten auf Kontinuität setzen – oder ob sie ein neues Kapitel aufschlagen wollen, dessen Folgen weit über Stuttgart und Mainz hinausreichen.