Am 15. März ist es wieder so weit: Der Startschuss zur 20. Auflage des GO! Halbmarathon in Saarbrücken fällt. Dabei sind neben Hobbyläufern auch Marathon-Profis – und ein großes Team, das mit viel Herzblut schon Monate vor dem Lauf bei der Sache ist.
Für Jan Lukas Becker ist es quasi ein Heimspiel. „Die beiden Seiten des Leinpfades kenne ich in- und auswendig“, erzählt er. „Meine täglichen Trainingsrunden führen hier vorbei. Dementsprechend ist das vertrautes Territorium.“ Und dass dem Läufer der LSG Saarbrücken-Sulzbachtal die Strecke im Blut liegt, zeigte der 32-Jährige nicht zuletzt im vergangenen Jahr eindrucksvoll: Mit einer Zeit von 1:07,37 Stunden gewann Becker den 19. GO! Halbmarathon. „Und als Titelverteidiger“, sagt er schmunzelnd, „muss ich ja quasi in diesem Jahr wieder antreten.“ Das ist aber bei Weitem nicht der einzige Grund für seine Teilnahme: „Es ist immer schön und besonders, in der Heimat zu rennen. Außerdem ist die Veranstaltung top organisiert“, lobt er.
Diese gute Organisation liegt unter anderem in den Händen von Knut Engler. Der stellvertretende Vorsitzende des ausrichtenden SV GO! Saar 05 ist seit sechs Jahren Teil des Orgateams und inzwischen Veranstaltungsleiter. In diese Rolle sei er „so nach und nach hineingewachsen“, sagt er. Heute ist Engler dafür zuständig, „dass alles läuft, alles koordiniert ist, alles rund ist“ – und dass es für unerwartete Probleme auch Lösungen in der Schublade gibt. Denn improvisieren kann man am Veranstaltungstag nur bedingt: „Das ist alles sehr, sehr eng getaktet“, sagt er.
Improvisation nur bedingt möglich
Unter den drei großen Laufveranstaltungen des Vereins – zwei 10-Kilometer-Läufe im Mai und November sowie der Halbmarathon – ist der GO! Halbmarathon längst das Flaggschiff. „Von der Größe der Veranstaltung, von der Anzahl der benötigten Helfer, aber auch von der Resonanz ist er im Moment unser Aushängeschild“, sagt Engler. Das Einzugsgebiet reicht inzwischen weit über das Saarland hinaus. Läuferinnen und Läufer reisen aus Luxemburg, Frankreich, Hessen oder Baden-Württemberg an. „Das ist nicht mehr nur ein rein lokales Event, sondern hat richtig Gestalt angenommen.“
Rund 50 ehrenamtliche Helferinnen und Helfer braucht es allein am Veranstaltungstag. Hinzu kommen viele weitere, die sich über Monate hinweg um Genehmigungen, Streckenplanung, Getränke, Bühnenaufbau oder Equipment kümmern. „Das ist eine Veranstaltung, die viele Monate im Voraus gedanklich starten muss“, sagt Engler. Besonders deutlich wurde das in diesem Jahr: Mitten im laufenden Antragsverfahren kam die Information, dass die Daarler Brücke für größere Veranstaltungen gesperrt wird. Die komplette Streckenplanung musste neu aufgerollt werden – inklusive amtlicher Vermessung, damit die Zeiten in die Bestenlisten eingehen können. „Da fängt man natürlich noch mal von vorne an“, so Engler.
Planung bedeutet für Engler vor allem eines: Verzahnung. Viele kleine, klar definierte Aufgaben müssen ineinandergreifen, ohne dass es an Schnittstellen hakt. „Das ist ein fließender Prozess“, sagt Engler. Erfahrung helfe dabei, sagt er, von Routine im klassischen Sinne könne man aber nicht sprechen: „Jeder Lauf ist anders, jeder hat im Detail andere Herausforderungen“, betont er.
Trotz kontinuierlich wachsender Teilnehmerzahlen bleibt der Verein bewusst vorsichtig. Statt großer Sprünge setzt man auf kontrolliertes Wachstum. „Immer wenn ein Teilbereich in eine neue Dimension wachsen muss, wollen wir genau beobachten, ob Probleme auftreten und wie wir sie im nächsten Jahr besser in den Griff kriegen“, so Engler. Beispielsweise die Startnummernausgabe: Im vergangenen Jahr wurde erstmals zusätzlich zur Ausgabe am Sonntag vor Ort auch am Samstag in der Europa-Galerie eine Abholung angeboten – mit spürbarem Effekt. Die Läuferinnen und Läufer sind flexibler, für das Organisationsteam entzerrt sich der Helfereinsatz. „Das hat sich bewährt, das setzen wir fort“, sagt Engler.
Der Spaß steht an erster Stelle
750 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind für dieses Jahr das Limit, die Nachfrage übersteigt es deutlich. Schon jetzt denkt Engler darüber nach, sich perspektivisch auf 1.000 Startplätze vorzubereiten. Das würde nicht zwangsläufig eine Verdopplung der Helfer bedeuten. Streckenposten etwa müssten unabhängig von der Zahl der Läufer stehen. In anderen Bereichen wie Catering oder Startnummernausgabe hingegen wüchse der Bedarf.
Die Sache mit den Helfern ist ein großes Thema in vielen Vereinen. Beim SV GO! Saar 05 sei man hier noch sehr gut aufgestellt, betont Engler. Die Zahl der Mitglieder sei stabil durch die Corona-Zeit gekommen und wachse mittlerweile sogar wieder langsam an. Das breite sportliche Angebot – vom Nachwuchs bis zu den Senioren, vom Breitensport bis zu Leistungssportlern, die bundesweit und international mitmischen – sorge für Bindung.
Dennoch: „Wir wollen unsere Mitglieder nicht überstrapazieren“, betont Engler. Vorbereitung und Durchführung müssten Spaß machen. „Am Ende soll man sich auf die Schulter klopfen und sagen können: Das war wieder eine tolle Veranstaltung“, sagt er. Möglich ist das nur aufgrund der großen Unterstützung im Sponsoring. „Ohne sie könnten wir das nicht stemmen“, sagt Engler. „Mein Dank geht daher auch immer insbesondere an den Namensgeber GO! Express & Logisctics sowie an die Sparkasse Saarbrücken.“ Der Halbmarathon ist Teil des Sparkassen Cups.
Der Spaß soll auch für die Läufer im Vordergrund stehen. „Jeder kann sich anmelden und mitmachen“, sagt Engler. „Niemand muss dafür eine gewisse Zeit vorweisen.“ Von der Jugend bis hin zu Läuferinnen und Läufern über 85 Jahren ist alles dabei. „Diese messen sich auch in ihren Altersklassen untereinander“, sagt Engler. „Trotzdem bleibt der Reiz, nach vorne wegzupreschen und eine Duftmarke zu setzen.“ Gerade dann, wenn eben neben Hobbysportlern auch ein Jan Lukas Becker mitläuft. „Für mich“, sagt dieser, „ist der Halbmarathon ein gutes Training in meiner Vorbereitung auf den Rotterdam Marathon im April. Ich bin sehr auf die Konkurrenz in diesem Jahr gespannt. Wir haben tolle aufstrebende Läufer hier im Saarland, die mir den Sieg nicht schenken werden.“