Es gab mal eine Zeit, da war in Deutschland Heizkissen-Pop voll angesagt. Da wollte einer kurz die Welt retten, ein anderer hatte eine schöne Zeit, und als das noch nicht reichte, kam einer und sang mit ernster Miene irgendetwas von 80 Millionen. Es kam einem vor wie in einem zu warm beheizten Raum, und man wollte endlich das Fenster aufmachen, um wieder Luft zu bekommen.
FJØRT sind anders. Sie texten Deutsch, aber wie im Sturm. Jedes Wort tut hier weh, schneidet tief in die Haut. Sie legen nicht nur den Finger in die Wunde, sie greifen tief hinein und werfen uns das Innerste direkt ins Gesicht. Dass sie ihren neuen Albumtitel „belle époque“ und auch alle Songtitel kleinschreiben, ist kein Zufall. Wir sind alle gleich, alle Menschen. Und niemand soll sich über den anderen erheben.
2012 haben sich die drei Musiker aus Aachen zusammengetan, und „belle époque“ ist ihr inzwischen fünftes Album. Ihre Musik hat ihre Wurzeln im Post-Hardcore und Screamo, ist jedoch weitaus mehr als das. Auf „belle époque“ kommen Alternative-Einflüsse und Post Rock dazu, alles verwirbelt in ihrem ureigenen Stil. Denn FJØRT sind anders als die meisten deutschsprachigen Bands. Sie schreiben keine Hits, jedes Lied tut irgendwie weh, und man fühlt sich ertappt, wie man über die Texte nachdenkt.
FJØRT sind definitiv links. Sie leisten Widerstand gegen das konservative Establishment, aber vor allem gegen das Aufkeimen und die Normalisierung der Neuen Rechten. Sie sind Pazifisten, ein Unwort heutzutage. Wo sind wir angekommen? In welcher Welt sollen unsere Kinder morgen leben? „belle époque“ ist ein wütender Aufschrei, eine letzte Warnung.
Musikalisch ist es das bisher abwechslungsreichste FJØRT-Album geworden. Viel mehr Gesang, noch melodischer und ergreifender. Aber auch noch mehr Brüche. Wo Schönheit aufblüht, wird sie immer wieder durch harsche Wut hinweggefegt.
Ein mutiges, stürmisches Manifest gegen all den Wahnsinn der heutigen Zeit. FJØRT sind ab jetzt eine der wichtigsten deutschen Bands überhaupt: Chapeau!