Konstante Weiterentwicklung auf dem Feld, begeisterte Unterstützung von den Rängen und ein klares Ziel vor Augen treiben die Saarlouiser Handballer voran.
Bei der HG Saarlouis läuft es weiter rund. Der Handball-Drittligist aus dem Saarland grüßt seit Monaten von der Tabellenspitze der Südwest-Staffel – und will den Platz an der Sonne bis zum Saisonende auch nicht mehr abgeben. Der fulminante 39:20-Sieg gegen Verfolger HSG Dutenhofen-Münchholzhausen II Ende Februar in der ausverkauften heimischen Stadtgartenhalle untermauerte dies eindrücklich. Das Hinspiel hatte die zweite Garnitur des Bundesligisten HSG Wetzlar noch mit 32:30 für sich entschieden. Setzt die HG ihren Erfolgsweg fort und wird mindestens Zweiter, erreicht sie mit der Teilnahme an der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga ihr erklärtes Saisonziel. Vielleicht springt sogar der Gewinn der Meisterschaft heraus.
Saison läuft nach Plan
Nach der kurzen Winterpause waren die Saarlouiser schon mit einem knappen, aber verdienten 30:29-Sieg beim Longericher SC Köln in die Restrunde gestartet. „Das war ein unglaublich intensiver und spektakulärer Einstieg ins Handballjahr 2026 mit zwei wirklichen Big Points“, freut sich HG-Cheftrainer Jörg Lützelberger über den Erfolg gegen einen „sehr guten Gegner, der bis dahin unter seinen Möglichkeiten geblieben ist. Die Jungs hatten an den freien Tagen nach Weihnachten gut gearbeitet und waren nach nur einer Woche Vorbereitung fit für den Neustart.“ Dem gelungenen Auftakt folgten weitere starke Spiele und der zweite vorläufige Höhepunkt des Jahres: der fulminante 40:18-Derbysieg Mitte Februar bei der akut abstiegsbedrohten TSG Haßloch. Schon im vergangenen Jahr hatte sich Lützelberger von seiner Mannschaft einen ausgeprägteren „Killerinstinkt im Abschluss“ gewünscht. „Wir sollten unbedingt mehr Tore werfen“, sagte er damals: „In mehreren Spielen war es bezüglich des Spieltempos und der Frage, wie oft wir von welchen Positionen werfen, angerichtet, um 40 Tore zu werfen. Es ist uns aber bisher nicht gelungen.“ Das hat sich nun geändert. Verbunden mit einer Aktion, die für Kontroversen sorgte: 102 Sekunden vor Schluss und mit einer bereits spielentscheidenden 20-Tore-Führung (38:18) nahm Jörg Lützelberger plötzlich eine Auszeit. „Das war kein Affront gegen unseren Gegner, sondern es ging ausschließlich darum, meine Spieler in dieser Phase an unser Ziel zu erinnern“, beteuert der HG-Trainer und erklärt: „Es geht um die Klarheit in den Aktionen bis zum Spielende. Bis dahin hatten wir viele Spiele mit 37 oder 38 Treffern beendet. Und das hat auch dazu beigetragen, dass wir noch zwei Tore mehr erzielt haben.“ Zuletzt gab es dann noch einen standesgemäßen Sieg in Kirchzell (siehe Meldung).
Neben dem Überwinden dieser eher psychologischen Hürde hat sich ebenfalls viel getan, findet der HG-Trainer: „Wir werden von Woche zu Woche taktisch variabler, der Kader ist breiter geworden und immer mehr Spieler, die anfangs nicht so viel Einsatzzeit hatten, bekommen jetzt mehr Anteile, rechtfertigen diese und wollen auch immer mehr, fordern sie mit besserer Trainingsleistung regelrecht ein.“ Allerdings hatte die Zeit nach dem Jahreswechsel auch eine Hiobsbotschaft für die Grün-Weißen parat: das Saison-Aus für Hubert Kornecki. Der 32-jährige ehemalige polnische Nationalspieler hatte sich beim deutlichen 38:25-Sieg gegen das HTZ Friesenheim-Hochdorf eine komplexe Schulterverletzung zugezogen und musste in seiner polnischen Heimat operiert werden. „Die Operation ist optimal verlaufen. Hubert erholt sich derzeit in Polen, aber wir stehen eng in Kontakt. Er kann schon wieder ganz leichte Beweglichkeitsübungen machen“, berichtet Jörg Lützelberger und ergänzt hoffnungsvoll: „Er wird den Anfang der kommenden Saison verpassen, aber wir werden auch nicht bis Weihnachten warten müssen, bis er wieder spielen kann.“
Mit der Verpflichtung der beiden erstligaerfahrenen Schweden Zeb Bjerneld (23) und Olle Österhall (23) hat der Verein schon sehr zeitnah für personellen Ersatz gesorgt. „Wir waren die ganze Saison schon auf der Suche nach einem Linkshänder für den rechten Rückraum, bisher haben wir auf dieser Position nur mit Rechtshändern gespielt“, erklärt Lützelberger und merkt auch an, dass sich die Rückkehr des langzeitverletzten Marcel Becker zwischenzeitlich verzögert hatte. Außerdem fehlen derzeit noch Gil Kunkel (Muskelverletzung) und Marko Jelicic (Aufbautraining nach Fußverletzung). Angesichts der knappen Zeit vor dem Ende der Transferfrist und der im Winter schwierigen Situation auf dem Spielermarkt kann man die Verpflichtung der beiden Rückraumspieler als Coup bezeichnen. HG-Sportdirektor Markus Baur und sein Team haben bei Scouting und Verhandlung ganze Arbeit geleistet und die Sponsoren des Vereins haben die finanziellen Möglichkeiten hergestellt. „Hier haben alle im Verein sehr gut zusammengearbeitet, damit dies möglich wurde“, lobt Lützelberger.
Fast alle Heimspiele sind ausverkauft
Österhall und Linkshänder Bjerneld kamen vom schwedischen Erstligisten Eskilstuna Guif nach Saarlouis. Für beide ist es die erste Auslandsstation ihrer Karrieren. „Beide sind sehr ehrgeizig und werden unserem Team sicher sofort helfen können“, ist Baur sicher. „Uns war wichtig, dass sie auch menschlich gut zu uns passen und sich schnell in das Mannschaftsgefüge einfinden. Sie werden uns helfen, unsere Spielkultur weiterzuentwickeln“, meint Jörg Lützelberger, der nach der Rückkehr von Marcel Becker nun wieder zwei Optionen für den rechten Rückraum hat. Gegen Haßloch feierten die beiden neuen Schweden nur drei Tage nach ihrer Ankunft ihr starkes Debüt im Saarlouiser Dress: Zeb Bjerneld avancierte mit elf Treffern sogar auf Anhieb zum erfolgreichsten Torschützen der Partie, sein Landsmann Olle Österhall steuerte drei Treffer bei. „Das sind zwei echt gute Typen, sehr unaufgeregt und einfach gut. Man hat schon im ersten Spiel gesehen, dass sie Qualitäten mitbringen, die uns besser machen“, freut sich der Trainer, relativiert aber auch: „Haßloch war jetzt nicht der Gegner, der uns nach zwei Einheiten mit den Neuen physisch, technisch und taktisch an die Grenzen gebracht hat.“
Von denen gibt es in der 3. Liga Südwest noch einige. Erst recht dann in der Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga, auf der die acht besten Teams der vier Staffeln aufeinandertreffen. Doch können die Verantwortlichen in Saarlouis die Entwicklung der vergangenen Monate fortsetzen, könnte die Mannschaft auch diese meistern. „Hier wächst eine gute Truppe zusammen“, stellt Jörg Lützelberger fest und betont die Euphorie des Publikums: „Fast alle Heimspiele sind ausverkauft. Das war unsere Vision im Sommer, und das haben wir geschafft“, sagt er und ergänzt: „Wir haben es auch schon ein paar Mal geschafft, die Zuschauer kurz vor Schluss aus ihren Sitzen zu holen. Das war ein unfassbares Gefühl. Mein Bestreben ist es, das auch mal zur 46. Minute zu schaffen.“ Die Verbindung zu den Handballfans in Saarlouis und im gesamten Saarland sei ein wichtiger Faktor, um letztlich auch in der Aufstiegsrunde zu bestehen und den langersehnten Aufstieg in die 2. Bundesliga zu schaffen.