Wer die indische Küche liebt, für den ist das „Goldy“ in Blieskastel ein absolutes Muss. Madan Mohan und seine Frau Samritu Kuman bieten hier die ganze Vielfalt dieses riesigen Landes und haben einen Küchenchef, der sein Handwerk versteht.
Heute führt mich mein Weg nach Blieskastel in die Kardinal-Wendel-Straße. In dieser schönen Straße und der näheren Umgebung habe ich schon manch lohnenswerte Adresse entdeckt. Mein Ziel ist das Haus mit der Nummer 32, wo das Restaurant „Goldy“ beheimatet ist. Eine authentische indische Küche hat es zu bieten. Das Restaurant hat 36 Plätze und ist in der ersten Etage zu finden. Hier ist wirklich alles sehr geschmackvoll – von der Einrichtung bis zum Essen. Offensichtlich empfinde nicht nur ich das so, denn jedes Mal, wenn ich bislang hier war, war es voll. Die zahlreichen Gäste sprechen also durchaus für sich.
Große Auswahl an vegetarischen Gerichten
Ich liebe es, dass ich im Saarland die Küchen der Welt goutieren kann. Die Vielfalt begeistert mich, und entsprechend habe ich mir meine ganz persönlichen Adressen zusammengestellt für die unterschiedlichen Küchen der Welt. Das „Goldy“ gehört dabei eindeutig dazu. Ich finde, die indische Küche ist etwas ganz Besonderes. Sie ist extrem vielfältig, gewürzreich und stark mit Kultur und Religion verbunden. Vor allem gibt es nicht die eine indische Küche, sondern viele regionale Küchen.
Ich war schon häufiger im „Goldy“ und komme gern immer wieder, da mich die Vielfältigkeit und Qualität hier überzeugen. Indisches Essen ist nicht einfach nur „scharf“, sondern aromatisch. Typisch sind Gewürzmischungen mit Kurkuma, Kreuzkümmel, Koriander, Ingwer und Kardamom. Für europäische Zungen oft ungewöhnlich und überraschend, denn in vielen europäischen Kulturen arbeitet man nicht mit diesen Gewürzmischungen. Doch gerade das Überraschende schmeckt vielen Gästen besonders gut.
Inhaber des „Goldy“ sind Madan Mohan und seine Frau Samritu Kuman. Ihren Küchenchef Gajendra Bisht haben die beiden sich aus Indien geholt, damit die Küche des „Goldy“ auch wirklich authentisch ist. Unterstützt wird er bei seiner Arbeit von Gaurav Saini. Inhaber Madan Mohan ist selbst gebürtiger Inder und kam 1999 nach Deutschland. Anfangs lebte er im Rhein-Main-Gebiet und machte alle Stationen in der Gastronomie durch. Aufgrund einer Wohnungssuche verschlug es ihn in die Homburger Gegend. Hier im Saarland machte er sich schließlich selbstständig. Jetzt ist er in Blieskastel und seine Gäste freuen sich.
Aber kommen wir zum Wichtigsten – dem Essen. Die Karte ist umfangreich, auch Vegetarier kommen voll und ganz auf ihre Kosten – sowohl unter den Vorspeisen als auch bei den Hauptgerichten werden sie fündig. Ohnehin hat Indien weltweit den höchsten Anteil an Vegetariern, das ist ziemlich einzigartig für so ein großes Land. Linsen, Kichererbsen, Gemüse und Reis spielen bei der Ernährung eine riesige Rolle. Zudem haben die verwendeten Gewürze häufig auch medizinische Bedeutung, etwa bei Ayurveda: Sie sollen Körper und Geist ins Gleichgewicht bringen.
Natürlich gibt es in Indien, wie erwähnt, riesige Unterschiede zwischen den Regionalküchen. Kein Wunder angesichts der schieren Größe des Landes. In Nordindien liebt man beispielsweise Weizen, cremige Soßen und Milchprodukte wie Joghurt. In Südindien schwören die Menschen vor allem auf viel Reis und Kokosmilch. Und sie lieben ihr Essen dort sehr würzig und scharf. Westindien hingegen steht eher für süß-sauren Genuss und bietet viele vegetarische Gerichte aus der Gujarati-Küche. Dagegen bevorzugen die Menschen in Ostindien vor allem Fisch und Meeresfrüchte, und sie mögen Senföl und Reis.
Große Vielfalt, auch an tollen Gewürzen
Ich bin, wie gesagt, nicht zum ersten Mal im „Goldy“ und deshalb fällt mir die Entscheidung nicht schwer: Um einen Eindruck von der Vielfalt dieser Küche bekommen zu können, bestellte ich eine vegetarische Platte und eine Mixed-Platte. Letztere bietet Fleisch vom Hähnchen und vom Lamm. Auf der vegetarischen Platte finde ich Dal Makhani. Das sind schwarze Linsen mit einer besonderen Gewürzmischung in Buttersauce gebraten, Mushroom Masala aus Champignons, Zwiebeln, Tomaten und Knoblauch. Außerdem Paneer Palak, das ist Frischkäse mit Spinat, Sahne und frisch gemahlenen Gewürzen und zudem Paneer Do Pyaza – Rahmkäse, Zwiebel, serviert mit einer Sauce der königlichen Mogulküche. Dazu bestelle ich mir noch etwas aus dem Meer: Jhinga Palak, das sind Riesengarnelen mit mild gewürztem Spinat, Ingwer und Knoblauch. Fantastisch! Schon länger spielen Ingwer, Knoblauch und Zwiebeln bei uns zu Hause eine große Rolle. Ob im Rührei oder als Getränk – mit diesen Zutaten arbeiten wir gern!
Um es deutlich zu sagen: Eine Vielfalt wie hier und die besondere Würzung finde ich nicht jeden Tag. Im „Goldy“ haben sie auch einen indischen Ofen, einen sogenannten Tandoor. Das ist ein traditioneller Lehmofen aus Südasien, der vor allem in der Küche von Indien, Pakistan und Bangladesch verwendet wird. Er wird sehr heiß und eignet sich perfekt zum Backen, Grillen und Rösten. Doch es gibt durchaus auch andere Öfen in Indien. Ein anderer traditioneller Lehmherd heißt beispielsweise Chulha, es gibt auch Gas-Chulha. Und es gibt Digri, einen kleinen Metallofen, der mit Holzkohle befeuert wird.
Curry bedeutet hier keine fertige Mischung
Natürlich beeinflussen auch die unterschiedlichen Religionen in Indien die Küche. Viele Hindus ernähren sich vegetarisch. Für sie sind Kühe heilig, also essen sie kein Rindfleisch. Essen gilt als spirituell rein oder unrein. Im Islam beispielsweise essen sie kein Schweinefleisch. Anhänger des Buddhismus und Jainismus leben streng vegetarisch. Die Jain-Küche verzichtet sogar auf Zwiebeln, Knoblauch und Wurzelgemüse, etwa Kartoffeln, um kein Leben im Boden zu töten. Die indische Küche ist besonders, weil sie extrem vielfältig und stark von Religion geprägt ist, viele vegetarische Gerichte hat, Gewürze als Herzstück nutzt und regional komplett unterschiedlich schmeckt. In Indien isst man nicht nur, um satt zu werden. Essen hat vielfältige kulturelle, religiöse und medizinische Bedeutung.
Und es gibt noch einen wirklich großen Unterschied zur europäischen Küche. Wir gehen in den Supermarkt und kaufen uns Currypulver oder eine fertige Currysauce. Inder „machen ihr Curry“ nicht aus einer fertigen Soße, sondern aus frischen Gewürzen und Grundzutaten. Curry bedeutet in Indien einfach ein gewürztes Gericht mit Soße, nicht das gelbe Pulver aus dem Supermarkt. Die Basis für ihr Curry sind Zwiebeln, Ingwer und Knoblauch. Danach werden die unterschiedlichen Gewürze geröstet, weil sie so sehr gut ihren Geschmack entfalten. Und dann kocht jede Familie nach ihrem geheimen Rezept weiter, bis das Familiencurry entstanden ist. Curry köchelt dann so lange, bis sich alle Aromen verbunden haben.
Im „Goldy“ müssen Sie nicht unbedingt Tee trinken. Die Getränkekarte ist sehr mitteleuropäisch. Man kann, muss aber nicht unbedingt Tee trinken. Die Auswahl reicht von Bier über Wein bis zu Mixgetränken. Auf die Frage, wer die Weinkarte zusammengestellt habe, sagt mir der Betreiber: „Ein Freund aus Rheinland-Pfalz“. Entsprechend finden sich viele Positionen von der Nahe, aber auch Weine aus der ganzen Welt.
Egal, wie oft ich hierherkomme, eines stelle ich immer wieder begeistert fest: Das „Goldy“ hat das Saarland genussvoller gemacht! Und ich freue mich schon jetzt wieder auf meinen nächsten Besuch hier in Blieskastel.