Von „Magic Mike“ zum „Hochstapler“. Channing Tatum lässt in dieser Krimikomödie, die auf einer haarsträubenden Tatsache beruht, vor allem seinen unwiderstehlichen Charme spielen. Dem sich nicht einmal Kirsten Dunst entziehen kann – oder will.
Was macht man, wenn man so wenig Geld hat, dass man seiner kleinen Tochter nicht einmal das heiß ersehnte Fahrrad zum Geburtstag schenken kann? Jeffrey Manchester (Channing Tatum) hat da so eine Idee: Wie wäre es, wenn man McDonald’s-Filialen ausrauben würde? Und zwar nicht nur eine, sondern – im Laufe der Zeit – ganze 45? Der ehemalige Reserveoffizier der US-Armee hat nämlich genau das gemacht. Und zwar im wirklichen Leben! Diese total irrwitzige Geschichte erzählt „Der Hochstapler – Roofman“. Jeffrey geht bei seinen Beutezügen sehr einfallsreich vor: Er schneidet einfach ein großes Loch ins Dach der jeweiligen Filiale, durch das er sich dann Zutritt zum Innenraum verschafft. Und raubt sogleich, noch vor Schichtbeginn am frühen Morgen, die Tageskasse aus. Er ist zwar maskiert und bewaffnet, aber immer von ausgesuchter Höflichkeit. Das verblüffte Personal sperrt er einstweilen in den Kühlraum. Und überlässt – ganz galanter Gauner – sogar dem Teamleiter, der etwas dünn angezogen ist, selbstlos seine Jacke, damit der nicht friert. Die Überfälle funktionieren tatsächlich lange Zeit wie am Schnürchen. Die Polizei tappt im Dunkeln, die Presse hat ihren Spaß und gibt Jeffrey den Spitznamen „Roofman“.
Wahre, irrwitzige Geschichte
Doch dann reißt Jeffreys Erfolgsserie ab und er wird erwischt. Und nicht nur das: Vor Gericht wird ihm für jeden Einbruch ein Jahr Gefängnis aufgebrummt. Also ganze 45 Jahre Knast! Doch das kann Jeffrey nicht akzeptieren. Er macht sich sofort daran, einen Fluchtplan auszutüfteln. Vier Jahre später gelingt es ihm tatsächlich, zu fliehen. Jetzt braucht er nur noch ein sicheres Versteck, in dem er eine Zeit lang untertauchen kann. Diesen Unterschlupf findet er in dem riesengroßen Spielwarengeschäft Toys „R“ Us in der Kleinstadt Charlotte. Dort nistet er sich auf einem balkonähnlichen Vorsprung gemütlich ein und ernährt sich überwiegend von Kindersnacks und Babynahrung. Niemand scheint Jeffreys Anwesenheit zu bemerken. Weder der Filialleiter Mitch (Peter Dinklage) noch die Angestellten, darunter auch der schüchterne Otis (Emory Cohen) und die pfiffige Leigh Wainscott (Kirsten Dunst). Während dieser Zeit nimmt Jeffrey Kontakt zu seinem guten Freund Steve (LaKeith Stanfield) auf, der ihm dabei helfen soll, einen falschen Pass zu besorgen. Damit will Jeffrey dann die USA so schnell wie möglich verlassen. Doch das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Um sich die Wartezeit zu verkürzen, macht Jeffrey immer wieder Ausflüge in die nahe Umgebung, wobei er natürlich höllisch aufpassen muss, damit er nicht entdeckt wird. Bei einem dieser Streifzüge landet er in einer christlichen Kirchengemeinde, die ihn herzlich aufnimmt. Dort begegnet er Leigh, der alleinerziehenden Mutter von zwei Töchtern. Die beiden freunden sich an und verlieben sich schließlich. Natürlich ahnt niemand auch nur im Geringsten, wer Jeffrey in Wirklichkeit ist. Und vielleicht gerade deshalb scheint das Glück für die beiden zum Greifen nah. Aber ist Jeffrey wirklich bereit, für die Liebe alles zu riskieren?
Eine sehr lange Gefängnisstrafe
Die bittersüße romantische Komödie „Der Hochstapler – Roofman“ lebt vor allem vom Zusammenspiel zwischen Channing Tatum und Kirsten Dunst. Er spielt den charmanten Gauner mit viel Gefühl und der nötigen Portion Rücksichtslosigkeit. Sie die Frau, die endlich den richtigen Mann in ihrem Leben gefunden zu haben glaubt, mit zärtlicher Zuneigung. Herzflimmern ist garantiert. Und Channing Tatum kann hier zeigen, dass er sich nicht immer das T-Shirt (oder mehr) vom Leib reißen oder den coolen Draufgänger spielen muss, um auf der Leinwand sehr viel Präsenz zu zeigen. Abgesehen davon hat er in letzter Zeit vielleicht sogar seinen Soft-Spot gefunden – denkt man zum Beispiel an seinen Film „Dog – Das Glück hat vier Pfoten“ (2022), in dem er nicht nur die Hauptrolle spielte, sondern auch selbst Regie führte. Etwas überraschend ist, dass sich der amerikanische Filmemacher Derek Cianfrance dieses Stoffs angenommen hat. Der hatte sich zuvor ja mit dem Beziehungsdrama „Blue Valentine“ (2010) und dem melodramatischen Thriller „The Place Beyond the Pines“ (2013) schon wesentlich härteren Themen zugewandt. „Der Hochstapler – Roofman“ ist ein Feelgood-Movie, der nicht großspurig daherkommt, sondern von vielen kleinen Momenten lebt. Sehr sympathisch auch, dass alle Personen – auch wenn sie in noch so verrückte Situationen verwickelt werden – nicht etwa lächerlich wirken, sondern stets ernst genommen werden. Hier halten sich Komik und Tragik die Waage – und zwar erfrischend frei von Kitsch.
Wer sich vom schamlosen Product Placement nicht unangenehm berührt fühlt, kann den Film – ohne schlechtes Gewissen – eventuell sogar mit einer Tüte M&Ms goutieren. Und noch ein Hinweis: Während des Abspanns sieht man Original-Footage und Interviews mit Beteiligten, die damals wirklich dabei waren. Der echte Jeffrey Manchester wurde übrigens 2004 zu 40 Jahren Gefängnis verurteilt. Zwei erneute Fluchtversuche sind seitdem gescheitert.