Bereits die Themenwahl ist außergewöhnlich: „Ants On The Wall“, das Eröffnungsstück von „Everything“, beschäftigt sich mit der jährlichen Ameisen-Invasion in der Wohnung von Sängerin und Songschreiberin Janine Cathrein. Das Titelstück begleitet dann einen Freund der Band auf Gämsenjagd in den Bergen. An anderer Stelle („Ruth“) geht es um eine Taube und die Frage: „Was macht das Leben lebenswert?“
Tatsächlich geht es auf diesem Album um „Alles“ – „Everything“ eben. Janine und ihre Schwester Vera verloren ihren geliebten Vater und fanden nach vielen Tränen nach und nach Trost und Zuversicht in den neuen, dem Schmerz abgetrotzten Liedern ihrer Band Black Sea Dahu. Entstanden sind diese in einem improvisierten Studio in den Schweizer Bergen – inmitten eines uralten Waldes. Es gab kein Zeitlimit, und das spürt man mit jedem Ton. In der Ruhe und Besinnung lag hier die Kraft, die jedes Lied mit dem Zauber des Nach-vorne-Schauens versieht.
Sehr organisch und melodieselig sind Songhandschrift und Arrangements geraten, strategisch klug und warmherzig werden nicht nur diverse Saiten und Stimmen, sondern auch Streicher und Bläser inszeniert. Nichts drängt sich auf, doch trifft alles sofort ins Hörerherz. „My Dreams“, „Superpower“ und „The Dragon“ sind passende Titel für den beeindruckend reflektierten, behutsam weltumarmenden, beizeiten kämpferischen, aber auch innehaltenden Reigen wunderschöner Indie-Folk-Pop-Songs. Auch dass die Aufnahmen von längeren Aufenthalten in der Natur unterbrochen und inspiriert wurden, ist zu spüren.
Man darf gespannt sein, wie sich die neuen Weisen dieses dritten Bandalbums an das vorhandene, tourerprobte Repertoire der beiden Vorgängerwerke anschmiegen werden. München, Wien, Leipzig, Berlin und Köln sind Stationen der bevorstehenden Frühlingstournee dieser äußerst sympathischen Zürcher Band.
„Die Musik dreht sich mit mir als meine Begleiterin. Sie ist das Einzige, das sich meinem Tempo anpasst“, sagt Janine Cathrein. Und ihr Tempo tut auch uns in diesen hyperventilierenden Zeiten einfach gut.