Das war er also, der große Auftakt ins große Wahljahr. Und schon ist das große Rätselraten in Gang, was uns das denn nun sagen will. Der Kanzler (und CDU-Parteichef) stellt mit Blick auf die Koalition in Berlin lapidar fest: „Es wird keine Auswirkungen auf unsere Arbeit haben.“
Das reizt spontan zu einem ebenso lapidaren „Schade eigentlich“. Schließlich möchten wir Wählerinnen und Wähler doch, dass unsere Stimme irgendwas bewirkt. Sonst könnten wir ja auch zu Hause bleiben. Aber nun gut. Es war eine Landtags- und keine Bundestagswahl. Und dazu noch eine sehr spezifische.
Und mal im Ernst: Wie oft haben wir uns früher geärgert, wenn nach der Wahl alle erklärt haben: „Wir haben verstanden“ – und dann ging’s doch munter weiter wie zuvor.
Baden-Württemberg hat ähnliche Probleme wie unser Land. Die Hauptsorge gilt der wirtschaftlichen Entwicklung und damit der eigenen Lebensperspektive. Der CDU wurde zwar die größere Wirtschaftskompetenz zugeschrieben, trotzdem bekam der Grüne Özdemir mehr Stimmen. Des Rätsels Lösung: Er hat sich offenbar Vertrauen und Glaubwürdigkeit durch Zuhören erworben und einen Kurs, der den Menschen das Gefühl gibt, dass ihre Sorgen im großen Veränderungsprozess kein Schattendasein führen. Keine lauten Versprechen, keine Profilierungsversuche zulasten von wem auch immer. Staatsmännisch und volksnah. Da war die Partei schon fast egal.
Nun können nicht alle Wahlkämpfenden Cem Özdemirs sein. Sollen sie bitte auch gar nicht. Aber vielleicht lässt sich der stilbildenden Vorlage für den Umgang auch in Wahlkampfzeiten etwas abgewinnen.
In gut einem Jahr dürfen wir hier im Land wählen. Das spricht sich so langsam herum, und den Wahltermin können wir uns auch schon mal vormerken: 18. April 2027.
Viel Zeit, in der noch viel Wasser die Saar, Blies, Nied und sonstwo runterfließen wird. Hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen längst und demnächst auch auf offener Bühne, wenn Parteitage Listen mit Kandidatinnen und Kandidaten aufstellen. Und jetzt ein Jahr Wahlkampf? Die Verlockung liegt nahe. Trotzdem: Bitte nicht!
Oliver Hilt, Politik-Redakteur bei FORUM