Nach der „Titelverteidigung“ als saarländische Nachwuchssportlerin des Jahres will Tischtennis-Talent Lisa Wang (16) eine EM-Medaille. Unterstützt wird sie dabei von ihrer tischtennisverrückten Familie.
Lisa Wang ist die saarländische Nachwuchssportlerin des Jahres 2025. Der für die Förderung des Leistungssports im Saarland, insbesondere im Nachwuchsbereich, zuständige Landesausschuss für Leistungssport (LAL) hat die 16-jährige Tischtennisspielerin Anfang des Jahres ausgezeichnet. Es ist bereits die zweite Auszeichnung dieser Art in Folge. An der offiziellen Feierstunde des Landessportverbandes für das Saarland (LSVS) konnte Wang nicht teilnehmen, weil sie zeitgleich mit der Jugend-Nationalmannschaft in Katar unterwegs war.
Schon als Trainerin im Einsatz
„Ich hätte nicht gedacht, dass ich wieder zur Nachwuchssportlerin gewählt werde“, sagt Lisa Wang und erklärt: „Schließlich war es ja mein erstes Jahr in der Altersklasse U19, und das war schon nicht so leicht. Aber es ist jedes Jahr etwas Besonderes und ich freue mich sehr, dass ich es noch einmal geworden bin.“ Im Rahmen der offiziellen Feierstunde wurde erklärt, wie sie zu dieser Ehre kam: „Trotz ihrer vielen Turnierreisen ist Lisa eine extrem gute Schülerin, die darüber hinaus auch sehr beliebt ist und eine große Sozialkompetenz besitzt. Das beweist sich allein schon dadurch, dass sie schon jetzt gern als Trainerin der kommenden Generation aushilft“, lobte Moderator Aaron Wollscheid die Schülerin in Abwesenheit. Ihre Urkunde, die Sandra Bender vom Saarländischen Tischtennisbund stellvertretend entgegennahm, hatte sich die 16-Jährige vom 1. FC Saarbrücken Tischtennis unter anderem durch das Erreichen des Viertelfinals bei der U19-WM mit der Mannschaft verdient.
Darüber hinaus wurde sie bei den Deutschen Meisterschaften der Erwachsenen im Mixed Dritte und sammelte wertvolle Erfahrung durch die Teilnahme an den Jugend-Europameisterschaften. Im Alter von etwa fünf Jahren fing Lisa Wang mit dem Tischtennisspielen an. Zunächst in ihrer Geburtsstadt Essen. Erst nach dem Umzug ihrer Familie ins Saarland im Jahr 2015 schloss sie sich einem Verein an. Genauer gesagt dem TTC Oberwürzbach nahe ihres Wohnortes St. Ingbert. Inzwischen trägt die Rechtshänderin mit vornehmlich defensiver Spielweise im Einzel das Trikot des 1. FC Saarbrücken Tischtennis und ist Teil der Bundesligamannschaft des SV-DJK Kolbermoor, wo sie unter anderem an der Seite des deutschen Shootingstars, der mehrfachen Mannschafts-Europameisterin und Olympia-Teilnehmerin von Paris 2024, Annett Kaufmann, spielt. Derzeit wird Wang in der Weltrangliste der Damen auf Platz 419 geführt – damit gehört sie zu den 15 besten Deutschen.
„Anfangs hatte sie gar nicht so viel Lust auf Tischtennis“, verrät ihr Vater und Trainer Zhi „Jimmy“ Wang und ergänzt: „Da hatte sie parallel noch Rhythmische Sportgymnastik gemacht.“ Der 47-Jährige ist selbst seit vielen Jahren als Trainer beim Saarländischen Tischtennisbund tätig und hat als solcher viele Erfolge bei nationalen und internationalen Nachwuchsmeisterschaften zu verzeichnen. Außerdem ist er Trainer des amtierenden Champions-League-Siegers der Männer, des 1. FC Saarbrücken Tischtennis. Dass seine Ehefrau ebenfalls für den Verband arbeitet und auch ihr zweites Kind Lukas (amtierender Deutscher U15-Meister) zur Spitze der deutschen Nachwuchsathleten gehört, rundet das Bild einer echten Tischtennis-Familie ab.
„Es klappt ganz gut, aber es ist nicht einfach“, sagt Vater Jimmy zur Doppelrolle der Eltern, die auch die Trainer ihrer Kinder sind. Darüber hinaus nimmt Lisa als Jugend-Nationalspielerin an Lehrgängen und Turnieren des Deutschen Tischtennisbundes teil. Die Grenzen zwischen Privatem und dem Sport verlaufen bei Familie Wang fließend. „Für uns ist das gar kein Problem, wenn sie in Zukunft einen anderen Trainer hat. Wenn Lisa 18 Jahre alt ist, muss sie ohnehin selbst entscheiden, wie es für sie im Tischtennis weitergehen soll“, stellt Jimmy Wang klar: „Wir unterstützen sie dabei, aber sie muss es selbst entscheiden.“
Auch in der Schule ambitioniert
Vorerst will Lisa „auf jeden Fall erst einmal das Abitur machen und parallel weiter Leistungssport betreiben. Von daher werde ich jetzt noch drei Jahre Gas geben und dann schauen, wie es weitergeht.“ Der Weg zum Profi ist steinig. Wie in vielen anderen Sportarten auch ist es schwierig, sich nur vom Tischtennissport finanziell über Wasser halten zu können. Helfen würde eine Aufnahme in die Sportfördergruppe der Bundeswehr. Vorausgesetzt, Lisa kann sich, wenn die Zeit gekommen ist, durch anhaltende Erfolge dafür empfehlen. Dies wäre allerdings mit einem Wechsel an den Olympiastützpunkt in Düsseldorf verbunden. „Um Tischtennisprofi zu werden, muss man sechs bis acht Stunden am Tag trainieren. Und das über viele Jahre hinweg. Das ist nicht wie beim Fußball oder Basketball“, weiß Vater Jimmy Wang. Schon jetzt ist seine Tochter aufgrund der Verpflichtungen in der Schule und des vielen Trainings viele Stunden am Tag unterwegs. „Entweder ist sie in der Schule oder in der Trainingshalle“, sagt er. Hinzu kommen die vielen Reisen rund um den Globus, um an internationalen Turnieren teilzunehmen. Trotz dieser zusätzlichen Strapazen ist Lisa Wang eine sehr gute Schülerin und hat einen Einser-Notendurchschnitt. Für Vater Jimmy fast schon zu gut. „Sie arbeitet viel für die Schule. Auch noch abends nach dem Training bis 23 Uhr oder sogar noch länger“, berichtet er und findet: „Von mir aus könnte sie eher ein bisschen langsamer machen. Sie lernt vor manchen Arbeiten bis in die Nacht, um eine sehr gute Note zu bekommen. Dabei haben wir ihr schon ein paar Mal gesagt, dass es für uns kein Problem wäre, wenn sie mal eine Zwei oder eine Drei schreibt und keinen Einser-Schnitt hat. Aber das will sie nicht.“ „Ich weiß manchmal, dass ich eine gute Note schaffen kann, und will nicht aus irgendwelchen Gründen nachlassen“, entgegnet die ehrgeizige Schülerin des Saarbrücker Rotenbühl-Gymnasiums. An der Eliteschule des Sports profitiert sie von erleichternden Umständen für Leistungssportlerinnen, wie beispielsweise der „gestreckten“ Oberstufe von drei statt zwei Jahren.
Obwohl sie erst 16 Jahre alt ist, weiß Lisa Wang schon ganz genau, was sie will. Ihr größtes Ziel im laufenden Jahr ist eine Medaille mit der deutschen Nationalmannschaft bei den Jugend-Europameisterschaften im Juli im portugiesischen Gondomar. Vor zwei Jahren gewann sie mit Koharu Itagaki, Josephina Neumann und Bao Chau Elisa Nguyen in der Altersklasse bis 15 Jahre sogar EM-Gold. Wangs Einzel-Bilanz damals: sechs Siege aus sechs Partien. Zuvor stehen im Juni allerdings die Deutschen Jugend-Meisterschaften auf dem Programm. Auch hier will sie Medaillen holen. Im Einzel und im Doppel. „Das Gefühl von Gewinnen ist schon das beste Gefühl, das es gibt“, gibt Lisa zu. Auch wie man für seine Ziele kämpfen muss „und dabei auch mal harte Zeiten überstehen muss“, findet sie faszinierend. Wenn sie ihre Einstellung beibehält und ihr großes Talent auch weiterhin bestmöglich fördert, wird sie wohl nicht mehr nur zur Nachwuchssportlerin des Jahres gewählt werden. Denn dann gehört sie im Sport bald schon zu den „Aktiven“, also den Erwachsenen. Allerdings werden jährlich auch die Sportlerinnen des Saarlandes ausgezeichnet. Gut denkbar, dass Lisa Wang eines Tages zu ihnen gehört.