Die Preis-Explosion bei Öl und Gas beschert Russland Milliarden-Einnahmen
Während US-Präsident Donald Trump immer tiefer in den Schlamassel des Iran-Krieges gerät, sitzt einer am Rand des Geschehens und kann sein Glück kaum fassen: Kremlchef Wladimir Putin. Trump scheint mittlerweile zu ahnen, dass das iranische Regime nicht mit einer militärischen Blitz-Operation in die Kapitulation getrieben werden kann. In seiner strategischen Ratlosigkeit versucht er nun, die Nato dazu zu erpressen, Öl-Tanker bei ihren Fahrten durch die Straße von Hormus zu eskortieren. Das wichtige Nadelöhr für den globalen Export des „schwarzen Goldes“ ist durch Iran de facto blockiert, weswegen die Energiepreise explodieren. Der jahrzehntelang geträumte Traum der Sowjet-Führer und jetzt Putins, dass die Nato auseinanderbricht oder zumindest deutlich geschwächt wird, scheint näher zu rücken. Dank Trump wird dies quasi zum Selbstläufer.
Im Kreml dürften die Champagnerkorken knallen. Angesichts der amerikanisch-israelischen Angriffe auf Ziele in Iran ist der Ukraine-Krieg von der geopolitischen Tagesordnung gerutscht. Doch für Putin läuft es noch besser. Die US-Regierung hat die Öl-Sanktionen gegen Russland für vier Wochen gelockert. Durch das vergrößerte Öl-Angebot will Trump den Druck auf den Markt lindern. Teurer Sprit sorgt bei den US-Verbrauchern für Frust an den Tankstellen – vor den Zwischenwahlen zum Kongress im November ist das Gift für die Republikaner.
Für Putin sind die rasant gestiegenen Energiepreise wie ein Lottogewinn. Traditionell tragen die Einnahmen aus dem Öl- und Gasverkauf ganz wesentlich zur Finanzierung des russischen Haushalts bei. Im vorigen Jahr waren das umgerechnet 107 Milliarden Dollar, etwa 23 Prozent des Gesamtetats. Die westlichen Sanktionen auf russisches Öl und das Vorgehen gegen Moskaus Schattenflotte hatten allerdings den Geldfluss abgebremst.
Russland geht in seinem Haushalt für 2026 davon aus, dass ein Barrel Öl im Durchschnitt 59 Dollar kostet. Weil aber zu Jahresbeginn die Preise unter diesen Wert fielen, vergrößerte sich das ohnehin eingeplante Haushaltsloch noch einmal. Doch die Krise in der Straße von Hormus und Ölpreise, die die 100-Dollar-Marke pro Barrel überspringen, sorgen nun in Moskau für Euphorie. Kirill Dmitrijew, Putin-Vertrauter und Chef des russischen Staatsfonds, träumt bereits von einem möglichen Preis von 200 Dollar je Barrel. „Da die Öl- und Gasinfrastruktur im Nahen Osten angegriffen wird und die Förderung begrenzt ist, wird die Energiekrise leider viel tiefer und länger sein, als viele erwarten“, meint er. Schon bei einem Durchschnittspreis von 70 Dollar pro Barrel für russisches Urals-Öl würden zusätzlich 25 Milliarden Dollar in die Staatskasse gespült.
Doch auch die erwarteten Mehreinnahmen können Russlands Schuldenloch nicht zuschütten. Zuletzt veranschlagte das russische Finanzministerium das konsolidierte Defizit für das abgelaufene Haushaltsjahr auf 105 Milliarden Dollar. Grund sind die horrenden Ausgaben für den Ukraine-Krieg. Auch für dieses Jahr wird ein hohes Minus erwartet. Um tatsächlich einen positiven Effekt auf das Budget zu haben, müssten die Ölpreise mindestens drei bis sechs Monate auf dem derzeitigen Niveau verharren, schreibt die regierungsnahe Zeitung „Iswestija“.
Tatsache ist: Die Ausgaben für den Ukraine-Krieg bleiben eine enorme Last. Sie verschlingen 40 Prozent des russischen Staatshaushalts. Nach der traumatischen Militärmobilisierung von 2022 entschied sich Putin für die Rekrutierung von Freiwilligen – und lockte mit satten Bonus-Zahlungen. Doch der Pool an Freiwilligen schrumpft.
Höhere Öleinnahmen scheinen indessen keinen signifikanten Einfluss auf Moskaus Kalkül für den Ukraine-Krieg zu haben. „Putin verfügt bereits über ausreichende finanzielle Mittel, um den Krieg mindestens noch ein bis eineinhalb Jahre lang aufrechtzuerhalten“, sagt Nikolai Petrov, Abteilungsleiter an der Londoner Denkfabrik New Eurasian Strategies Centre (NEST). Daran ändert auch die hohe Inflation nichts. Nach einem Bericht der russischen Zentralbank hat die Bevölkerung den Preisanstieg 2025 auf 14,5 Prozent geschätzt. Das Jahr 2026 begann mit einer umfassenden Steuererhöhung – dem ersten Schritt in der vom Kreml eingeschlagenen neuen Richtung: Die Russen müssen für ihren Krieg deutlich größere Opfer bringen.