Rockabilly-Legende Dick Brave ist ein Phänomen, mal rockt er auf der Bühne, dann ist er wieder verschwunden. Erstaunlich: Bis auf die Schmalztolle sieht der Kanadier Brave dem deutschen Popsänger Sasha frappierend ähnlich. Könnte es sich tatsächlich um ein und dieselbe Person handeln?
Sasha, ganze zwölf Jahre war Dick Brave von der Bildfläche verschwunden. Angeblich litt er nach einem schrecklichen Flugzeugabsturz unter völliger Rock-’n’-Roll-Amnesie. Mit welcher speziellen Therapie wurde er zurück ins Leben geholt?
Das war ja das vorherige Comeback. Nach dem Flugzeugabsturz hat er bei einer Frau im Wald gelebt, ohne es zu wissen. Jetzt war er einfach nur auf der Welt unterwegs und hat zwischendurch nach dem Sinn des Lebens gesucht, auch außerhalb der Musik. Das ist ihm nicht gelungen, und deshalb ist er jetzt wieder da, wo er hingehört: auf der Bühne.
Hat sein Manager Cooper Jackson ihn zurückgeholt?
Nein, das war ich. Cooper Jackson hat ihn verarscht und ist mit seinem Geld durchgebrannt. Deswegen war er pleite und hat sich von der Mafia einlullen lassen und in Las Vegas eine Show gespielt, ohne zu wissen, dass er damit kein Geld verdient, sondern dafür sogar etwas bezahlen muss. Da gab es natürlich Theater. Ich bin dann nach Vegas gefahren, um Dick Brave nach Hause zu holen, damit ich beweisen kann, dass wir nicht ein und dieselbe Person sind. Denn dieses Gerücht ist mir extrem auf die Nerven gegangen.
In welcher Verfassung war Dick Brave, als Sie ihn in Las Vegas antrafen?
Er war eigentlich ganz gut drauf, nur aus den Problemen mit der Mafia musste ich ihn rausboxen. Es ist mir am Ende auch gelungen. Dick Brave dachte zuerst, er könne mich zur Geldübergabe schicken, weil ich ihm ja ähnlich sehe, aber dann hat er es sich anders überlegt und ich habe ihn mit nach Deutschland genommen.
Hat Dick Brave diese traumatische Zeit künstlerisch verarbeitet?
Ja, auf jeden Fall. Erst sollte es nur ein normales Album mit Comebacksongs von großen Künstlern werden, „I’m still standing“ oder „What’s Love got to do with it“, die damit ihren zweiten Durchbruch hatten. „Back for good“ ist zwar kein typischer Comebacksong, aber er bedeutet, Dick kommt zurück und bleibt diesmal auch. Aber es gibt auch so viele tolle moderne Songs von neuen Künstlern wie „Bad Guy“ von Billie Eilish oder „Shake it off“ von Taylor Swift. Die hat er auch aufgenommen, weshalb es auf einmal ein Doppelalbum mit 20 Songs geworden ist. Das machte Dick tierischen Spaß.
Welche Rolle spielt Sasha bei dieser Sache?
Den stillen Beobachter. (lacht) Dick weiß ja schon, was er tut. Ich helfe ihm bloß ein bisschen bei seinem Comeback.
Wie kommt er mit der Moderne zurecht? Nutzt er ein Smartphone, setzt er beim Songschreiben auf KI?
Auf keinen Fall auf KI, dazu ist er zu eitel. Er war ja nicht aus der Welt, er ist viel herumgereist. Manchmal hat er Entspannung gesucht ohne Social Media, aber er ist sehr umtriebig auf Tiktok, was man gar nicht glauben mag. Das findet er irgendwie gut. Ich hingegen finde Tiktok eher seltsam. Die Leute, die dort unterwegs sind, denken natürlich, dieser Dick sieht aus wie Sasha, und so streiten sie sich. Die einen sagen, nein, das ist der Kanadier, die anderen meinen, es sei Sasha.
Wissen Tiktok-User eigentlich, dass der Sound von Dick Brave bereits vor 70 Jahren entstanden ist? Oder glauben insbesondere ganz junge Fans, es handele sich um eine neue Art von Musik?
Diese Frage stelle ich mir auch. Rock ’n’ Roll ist ja ein Gefühl, eine Attitüde. Damit können Jüngere ganz viel anfangen, weil es so anders ist als das, was sie vielleicht sonst so hören. Ich glaube, viele halten es für eine neue Art von Musik. Der Teenie-Sohn von Freunden von mir hört jetzt wieder Platten, weil er auf Dean Martin, Frank Sinatra und Elvis Presley steht. Dieser Sound kann immer wieder aufs Neue Menschen begeistern. Es ist ein schönes Zeichen, dass junge Menschen wieder Bock haben auf Musik mit echten Streichern, Gitarren und echtem Schlagzeug.
Schwört Dick Brave auf Vinyl?
Vinyl ist ein Muss! Wir haben zu Hause nicht so viele Platten, aber ab und zu holen wir sie hervor. Allein dieser Geruch! Eine Platte aus dem Innersleeve herauszunehmen und sie auf den Plattenteller zu legen, ist ein sehr schönes Ritual. Ich bin auch Freund von Streaming, aber ab und an ist es angebracht, Musik nicht nur nebenbei, sondern ganz bewusst zu hören.
Apropos Ritual: Wie stylt Dick heute seine coole Schmalzlocke?
Er muss sich nicht stylen, er steht morgens so auf. Die Tolle bleibt einfach und ist fast schon in seiner DNA verankert. Sie ist nicht mit Aufwand verbunden.
Welches Lebensgefühl verbindet Dick Brave mit Rock ’n’ Roll und Rockabilly?
Der Ursprung der modernen Popmusik ist der Rock ’n’ Roll. Er ist aus Jazz, Blues und Soul entstanden. Es sind nur ein paar Instrumente, die aber total knallen. Jeder der beteiligten Musiker weiß genau, was er zu tun hat. Diesem Urgefühl kann man sich als musikaffiner Mensch nicht verwehren.
Rock ’n’ Roll verkörperte anfangs die pure Rebellion. Gegen wen oder was rebelliert Dick Brave heute?
Er rebelliert nicht wirklich. Ihm geht es eher darum, dieses ursprüngliche Gefühl beizubehalten. Er ist dafür zuständig, dass es in die nächste Generation getragen wird.
Arbeitet Dick Brave eigentlich ganz anders als Sasha?
Dick sagt ja, er hätte alle Lieder selbst geschrieben. Das würde ich jetzt nicht von mir behaupten. Ich habe das volle Instrumentarium zur Verfügung, die Rechner, die Streicher. Und Dick Brave hat nur vier Instrumente. Damit muss es mindestens genauso knallen. Manchmal ist die Essenz besser. Man kann nicht jeden vorhandenen Song zu Rock ’n’ Roll machen, aber wenn die Substanz gut ist, vermisst man im besten Fall nichts. Man entdeckt dann eher etwas Neues. So arbeitet man als Dick Brave.
Die Popalben von Sasha fanden auch in den USA Beachtung, soweit ich weiß.
Ja, mit „If you believe“ sind wir damals knapp an den Top 100 der Billboard Charts vorbei geschlittert. Aber immerhin. Der kleine Junge aus Soest war schon nah dran an der Erfüllung seines großen Traums. Ein bisschen mehr, und ich wäre heute wahrscheinlich in Amerika. Aber ich war auch happy, als ich wieder zurück in Europa war. Es war alles genau richtig.
Würden Sie sich freuen, wenn Dick Brave stellvertretend für Sasha den amerikanischen Traum erleben dürfte?
Klar würde ich mir das wünschen, aber Dick liebt Deutschland. Mal gucken, was jetzt passiert. Der Plan ist nicht, die Welt zu erobern. Das hatte er schon. Im Moment ist er happy, das zu tun, was er die ganze Zeit vermisst hat. Er feiert es ab, vor allem hier in Deutschland wieder mit seinen Fans zusammen zu sein.
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Was Ruhm und Erfolg mit einem machen können, hat man an Elvis Presley gesehen: Das Leben des King of Rock ’n’ Roll war geprägt von dunklen Seiten – Drogen, Tablettenmissbrauch, Affären, Scheidung. Was tut Dick, damit ihn nicht das gleiche Schicksal ereilt?
Erstens ist er schon über den Elvis-Zenit drüber. Er hat wohl eine Zeit lang darauf gewartet, dass das auch mit ihm passiert, aber es blieb aus. Und dann musste er zusehen, was er mit seinem Leben noch anfängt. Ich glaube, die Musik hält ihn jung. Dick Brave ist ja fit und stark, ihm kann nichts passieren, er ist der Chuck Norris der Musik. Auch bei den Rolling Stones erwartet man seit 20 Jahren die Abschiedstournee, aber die hören einfach nicht auf. Leidenschaft hält einen jung und fit.
2025 gab es bereits ein Secret Concert in einer McDonald’s-Filiale in Hamburg. Hat Dick Ihnen erzählt, wie es sich für ihn anfühlt, wieder auf die Bühne zu steigen?
Für ihn ist das die Erfüllung eines Traumes, von dem er nicht wusste, dass er ihn überhaupt noch hat. Er war ja auf der ganzen Welt unterwegs und hat verschiedenste Dinge ausprobiert, von Käsemachen bis Rodeoreiten. Er hat auch Erfahrung als Stuntman. Das war alles schön, aber nicht erfüllend. Jetzt merkt man, dass er wieder dort ist, wo er hingehört.
Er scheint eine starke Persönlichkeit zu sein.
Vielleicht ist er im Innern auch ganz weich und schwach, das weiß man bei ihm nicht so genau. Aber da ist schon ganz viel harte Schale drumherum.
Lernen wir in den neuen Songs auch seine softe Seite kennen?
Klar. Dick Brave ist nicht nur Rock ’n’ Roll und Rockabilly, sondern bei ihm schwingen auch schöne Töne mit. Zum Beispiel bei „Always on my Mind“ oder „Take good care of her“ von Elvis.
Wollen Sie als Sasha vorerst keine eigenen Konzerte spielen und lieber Dick Brave den Vortritt lassen?
Ich habe eine Wunschliste, die ich mir gerne noch erfüllen möchte. Mittlerweile mache ich viel TV und würde gerne irgendwann meine eigene Show haben. Aber Sasha wird weiterhin live spielen, diesmal können wir koexistieren. Das freut mich sehr.
Nimmt Dick Brave sich mehr musikalische Freiheiten, als ein Sasha sie sich zugesteht?
Ich glaube nicht, Dick Brave ist reglementierter als Sasha. Sasha kann alles. Er durfte auch Rock ’n’ Roll spielen, was er allerdings nicht so gut kann wie Dick, ist ja klar. Die Welt des Pop ist sehr viel weiter und größer als die des Rock ’n’ Roll. Wenn man alles zur Verfügung hat, ist es gar nicht so einfach, sich einer Sache hinzugeben. Wenn ich ein neues Sasha-Album plane, muss ich mir immer genau überlegen, was ich machen will. Aber bei Dick Brave ist es immer relativ klar. Da gibt es nur die Überlegung, welche Songs man sich diesmal vornimmt. Es ist manchmal einfacher, wenn man sich sagt, okay, ich mache Rock ’n’ Roll.
Haben Sie sich als Sasha eigentlich auch mit der Historie des Rock ’n’ Roll beschäftigt?
Seit meiner Kindheit bin ich Elvis-Fan. Deshalb bin ich eigentlich auch Dick-Brave-Fan. Uns wurde von außen immer ein Konkurrenzverhältnis auferlegt. Das gab es aber nie. Für mich ist Elvis einer der Größten. Dick Brave glaubt allerdings, dass Elvis vielleicht sogar sein leiblicher Vater ist, was ich jedoch für Unsinn halte. Den Zahn muss ich ihm noch ziehen.
Das müsste er auch erst einmal beweisen.
Das schafft Dick nicht, weil seine Mutter schweigt.
Gibt es bei Dick eigentlich auch eine Priscilla im Hintergrund?
Als ich Dick Brave aus Las Vegas zurückgeholt habe, habe ich ihm eine Managerin vorgestellt. Sie heißt Gretchen Humperdinck. Ich habe das Gefühl, da geht mehr als nur Business. Aber ich will da nicht zu viel verraten.
Besitzt Gretchen Humperdinck die Fähigkeiten eines Colonel Tom Parker, des legendären Elvis-Managers?
Ja, sie ist taff, aber auf die nette Art. Sie würde Dick nie verarschen wollen. Sie hat sich zum Ziel gesetzt, ihn wieder groß zu machen.