Amanda Seyfried und Sydney Sweeney liefern sich in „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ ein aufwühlendes Psycho-Duell. Edeltrash vom Feinsten.
Dubiose Blondine bricht in heile Welt ein und terrorisiert die Opfer: Eigentlich dachte man, dieses Thriller-Genre wäre spätestens seit Ende der 90er-Jahre ausgestorben. Wir erinnern uns an Filme wie „Weiblich, ledig, jung, sucht …“ mit Jennifer Jason Leigh, „Die Hand an der Wiege“ mit Rebecca De Mornay oder „Das Biest“ mit Alicia Silverstone. Aber das Genre lebt. Denn wenn ein Buch wie „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ der amerikanischen Autorin Freida McFadden in Rekordgeschwindigkeit zum internationalen Bestseller wird, ist Hollywood nie weit.
„Bridesmaids“-Regisseur Paul Feig sicherte sich umgehend die Rechte und verfilmte dieses Horrormärchen nun mit sicherem Gespür für Spannung, Dramatik und schwarzen Humor. Und dabei konnte er sich auf seine beiden Hauptdarstellerinnen voll und ganz verlassen. Amanda Seyfried kann sich hier als treu sorgende Ehefrau und Mutter Nina einmal so richtig austoben. Sobald sie ihre Maske fallen lässt, wird sie zur Furie. Auf der Klaviatur von zuckersüß-freundlich bis teuflisch-hinterlistig schlägt sie immer den richtigen Ton an. Sydney Sweeney ihrerseits darf als Hausmädchen Millie zunächst ihren erprobten Schlafzimmerblick zur Schau stellen, wird anschließend vom Terror, der plötzlich ins Haus der Winchesters einzieht, kalt erwischt, weiß sich dann jedoch mit aller Kraft zu wehren. Ihre Physiognomie ähnelt schon bald der einer Raubkatze.
Ein Konflikt bahnt sich an
Aber der Reihe nach: „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ (bereits im Kino angelaufen) fängt eigentlich ziemlich harmlos an. Millie, die gerade aus dem Gefängnis entlassen wurde, bewirbt sich bei der Familie Winchester – zu der neben Nina auch noch ihr Mann Andrew (Brandon Sklenar) und die neunjährige Tochter Cecilia (Indiana Elle) gehören – um die Stelle des Haumädchens. Sie wird trotz ihres dilettantisch gefakten Lebenslaufs sofort eingestellt und kann sogar in der pompösen Luxusvilla auf Long Island wohnen. Zunächst ist Nina die Liebenswürdigkeit in Person, und auch Millie kümmert sich perfekt um den Haushalt sowie um die eher unsympathische und ziemlich unzugängliche Tochter. Auch der smarte Hausherr Andrew, der Millie zunächst skeptisch beäugt, findet bald Gefallen an dem neuen Hausmädchen.
Doch dann kommt alles anders
Doch dann bekommt die Heile-Welt-Fassade deutliche Risse. Ninas Verhalten wird zunehmend erratisch. Sie unterstellt Millie plötzlich aus heiterem Himmel Versäumnisse und Unkorrektheiten, für die Millie gar nicht verantwortlich ist. Millie habe angeblich wichtige Unterlagen verschlampt oder Cecilia nicht wie vereinbart vom Ballettunterricht abgeholt – obwohl Nina längst weiß, dass das schon jemand anders übernommen hatte. Immer öfter rastet Nina auch vor ihrem Mann und ihrer Tochter aus. Es wird geschrien, Geschirr zerdeppert, gelogen und denunziert, was das Zeug hält. Die Atmosphäre im Haus wird immer toxischer. Andrew nimmt seine gefährlich überspannte Frau trotzdem immer wieder in Schutz und versucht, Ninas hysterisches Verhalten damit zu erklären, dass sie eben überlastet sei. Millie nimmt das alles hin, so gut sie kann. Denn sie will den Job auf keinen Fall verlieren, um nicht wieder in ihrem Auto übernachten zu müssen. Langsam entwickelt sich zwischen Andrew und Millie so etwas wie eine erotische Anziehung, jedoch ohne dass diese ausgelebt wird. Dann fährt Nina für ein paar Tage weg. Andrew und Millie nützen das für einen Abendausflug nach New York. Wegen eines Wetterumschwungs können sie aber nicht zurückfahren, sondern müssen in einem Hotel übernachten. Nach ihrer Rückkehr erleben sie eine böse Überraschung. Und es gibt auch noch ein dunkles Geheimnis, mit dem niemand gerechnet hat. Was das genau ist, wird an dieser Stelle natürlich nicht verraten. Nur soviel: Beim furiosen Showdown hält man garantiert bis zur letzten Sekunde den Atem an.
Ein Netz aus Lügen und Intrigen, schockierende Wendungen und eine gute Dosis Body-Horror sind die Zutaten zu diesem trashigen Thriller, der durch die beiden Hauptakteurinnen über die übliche Popcorn-Movie-Massenware hinausreicht. Seyfried und Sweeney haben die Dreharbeiten zu „The Housemaid – Wenn sie wüsste“ einen „höllischen Spaß“ gemacht, und sie loben auch die Romanvorlage in den höchsten Tönen: „Das ist eines jener unglaublichen Bücher, die dich komplett abholen. Es ist aufregend, provokativ, dunkel und auch irre witzig“, so Seyfried. Und Sweeney meint: „Es ist eine Geschichte, die direkt in unser aller Ängste hineinwirkt. Wie Freida die Charaktere, die Twists und die unheimlichen Stimmungen zusammenführt, ist wirklich einzigartig. Ich konnte das Buch nicht aus der Hand legen.“
Gerade wurde bekannt, dass bereits an einer Fortsetzung gearbeitet wird, die auf dem zweiten Teil der Thriller-Trilogie von McFadden basiert. „The Housemaid’s Secret – Sie kann dich hören“ soll sogar noch dieses Jahr ins Kino kommen.