Wenn in den Medien von Galapagos die Rede ist, geht es meist um die einzigartige Tierwelt. In den 30er-Jahren sorgte stattdessen die selbsternannte Kaiserin von Galapagos weltweit für Schlagzeilen. Die österreichische Baronin Eloise Wagner de Bousquet hatte sich 1932 mit zwei Liebhabern auf Floriana niedergelassen und dort anderen Deutschen das vermeintliche Paradies streitig gemacht –
bis sie unter ungeklärten Umständen verschwand. Ihre Geschichte ist die skurrilste in Michi Strausfelds Buch „Die Kaiserin von Galapagos – Deutsche Abenteuer in Lateinamerika“. In ihm listet die Literaturwissenschaftlerin, Lektorin und Autorin auf, welche Deutschen und Österreicher den Kontinent bereist, erforscht, mitgestaltet oder dort Zuflucht gesucht haben. Unterteilt nach Jahrhunderten entwirft sie ein Panorama von Wissenschaftlern, Kartografen, Kaufleuten, Auswanderern bis hin zu Nazi-Kriegsverbrechern oder Polit-Abenteurerinnen.
Natürlich ist auch von Alexander von Humboldt die Rede, der nicht kam, um zu zerstören, sondern um zu bewahren, und bis heute der beliebteste Deutsche auf dem Kontinent ist. Naturforscher wie Maximilian Prinz zu Wied-Neuwied klassifizierten Amphibien, Reptilien, Vögel und Säugetiere, Johann Baptist von Spix und Botaniker Carl Friedrich Philipp von Martius sammelten allein 2.700 Insekten, die sie auch illustrierten. Auch Adelbert von Chamisso war hingerissen von Flora und Fauna, während sich Theodor Koch-Grünberg für Mythen der Indigenen des Orinoco interessierte.
Nach einer Auswanderungswelle von Deutschen nach Südbrasilien um 1824 zog es Kaufleute nach Lateinamerika, die Kaffee oder Zigarren nach Deutschland importierten. Im 20. Jahrhundert treten hingegen Themen wie Immigration und Flucht in den Vordergrund. Und heute? Konstatiert Michi Strausfeld ein schwindendes Interesse an dem Kontinent. Ihr abschließender Wunsch lautet deshalb: „Lateinamerikaner und Deutsche mögen sich wieder mehr füreinander interessieren und mehr miteinander reden.“