Der Kunstturn-Bundesligist TG Saar hat viel vor: Mit hochkarätigen Neuverpflichtungen bläst der Vorjahresdritte im Kampf um die deutsche Meisterschaft zum Angriff.
In den vergangenen drei Saisons holten die Bundesligaturner der TG Saar bei der deutschen Mannschaftsmeisterschaft jeweils die Bronzemedaille. So weit, so gut – doch die Saarländer wollen mehr. In der Saison 2026, die am Samstag mit einem Auswärtswettkampf beim SC Cottbus beginnt, wollen sie ins Finale. Nicht wieder in das „Kleine“ um Platz drei, sondern in das „Große“ um den Titelgewinn. Dafür geht die TG mit einem runderneuerten Kader in die Runde.
Etablierte Kräfte und Nachwuchs
„Wir wollen ganz vorne angreifen“, kündigt TG-Chef Thorsten Michels an. Er sieht zwar die KTV Straubenhardt – so etwas wie den FC Bayern München im Kunstturnen – erneut als Topfavorit auf den Meistertitel und auch dem SC Cottbus oder dem TV Schwäbisch Gmünd Wetzgau traut er einiges zu. Doch das gilt auch für die Mannschaft aus dem Saarland. „Das Ziel ist es, den Finalteams der letzten Jahre Paroli zu bieten und sich an den ambitionierten Plätzen der Tabelle festzusetzen. Also: Um den Einzug in das große Finale zu kämpfen“, gibt Michels die Marschrichtung vor. Parallel dazu soll die Zweite Mannschaft der TG Saar in der 2. Bundesliga Nord frühzeitig den Klassenverbleib sichern. Mit einer Mischung aus etablierten Kräften und jungen saarländischen Nachwuchsturnern wird mit dem Unterbau, der am 19. September in die Runde startet, ein Platz im gesicherten Mittelfeld anvisiert. Auch das Team der Nachwuchsbundesliga (NBL) wird in dieser Saison personell verstärkt und soll wichtige Wettkampferfahrungen auf nationalem Parkett sammeln.
Prominentester Neuzugang des Bundesliga-Teams ist mit Pascal Brendel einer der derzeit besten deutschen Mehrkämpfer. Der 22-jährige deutsche Nationalturner kam von Rekordmeister KTV Straubenhardt und wird sein Bundesliga-Comeback nach einem Jahr Zwangspause im Trikot der TG Saar feiern. Nach einem komplizierten Bruch des rechten Mittelfußes vor einem Jahr war er die gesamte Saison 2025 ausgefallen. Nach drei Meistertiteln mit der KTV (2019, 2023, 2024 und 2025) wurde der Teilnehmer an den Olympischen Spielen von Paris 2024 aus finanziellen Gründen aussortiert. Schon vor seinem Wechsel nach Straubenhardt im Jahr 2019 stand der Deutsche Mehrkampf-Meister von 2023 mit den Saarländern in Kontakt. Diese Verbindung wurde nach der Kündigung wieder aufgefrischt, was letztlich in einen Zweijahresvertrag mündete. „Ich will am Ende im Finale um die Meisterschaft stehen“, sagt Pascal Brendel zu seinem Neustart im Saarland. Am liebsten würde er dort auf seinen Ex-Club treffen, die Übermacht aus dem Nordschwarzwald.
Neben Brendel haben sich auch der schweizerische Nationalturner Noe Seifert (27 Jahre, kam von Eintracht Frankfurt), Nazar Chepurnyi (23, MTV Ludwigsburg) und Vladyslav Hryko (29, StTV Singen) den Saarländern angeschlossen. „Noe Seifert ist schon top. Er ist ein Allrounder, den man an allen Geräten einsetzen kann. Nazar Chepurnyi ist am Sprung eine Bank und kann gut an Boden und Barren turnen. Es sind schon sehr starke Jungs dazugekommen. Ich glaube, das wird ganz cool“, findet Brendel. Seifert holte bei der Weltmeisterschaft im Oktober 2025 in Jakarta Bronze im Mehrkampf. Für die Schweizer Kunstturnszene war dies als erster Podestplatz seit 75 Jahren ein historischer Erfolg. Der ukrainische Nationalturner Nazar Chepurnyi, ein ausgewiesener Sprung- und Bodenspezialist, hat an seinen Spezialgeräten schon mehrfach WM-Bronze gewonnen. Sein Landsmann Vladyslav Hryko, ein erfahrener Mehrkämpfer, komplettiert mit Mykola Syniukhin (26, seit 2017 im Verein) die dreiköpfige ukrainische Fraktion im TG-Kader. Oleg Verniaiev (32), über viele Jahre der unumstrittene Star im TG-Team, gehört dem Kader nicht mehr an. Auch nicht der italienische Reck-Spezialist Matteo Levantesi (28), die israelischen Nachverpflichtungen der Vorsaison, Ilia Liubimov (24) und Artem Dolgopyat (28), und Ringe-Spezialist Florian Lindner (34), der seine Karriere nach sieben erfolgreichen Jahren zu Zweitligist TSV Monheim zurückverlegte, von dem er damals nach dessen Bundesliga-Abstieg ins Saarland gekommen war.
Der Wunsch nach acht Wettkämpfen
Dafür können die TG-Verantwortlichen um den Vorsitzenden Thorsten Michels weiterhin auf den armenischen Ringe-Spezialist Artur Avetisyan (28) bauen sowie auf Ex-Nationalturner Felix Remuta (28), die Top-Talente Daniel Mousichidis (20), Maxim Kovalenko (21), Gabriel Eichhorn (20) und Moritz Steinmetz (20) sowie Luca Ehrmanntraut (29) und Alexander Maier (31). Auch Urgestein und Publikumsliebling Waldemar Eichorn hat zum 26. Mal in Folge einen Platz im Kader. Er wird sogar mit Startnummer 1 geführt. Eichorn wird als Betreuer und Helfer „auf Abruf“ in die Saison gehen. Inwiefern seine Dienste benötigt werden, hängt auch davon ab, wann beispielsweise Daniel Mousichidis nach seiner Ellenbogenverletzung wieder mit vollen Kräften zur Verfügung steht.
Die Bundesliga wird auch in dieser Saison zweigeteilt ausgetragen. Die ersten vier Wettkampftage finden im Frühjahr statt (bis Ende April) und die restlichen an drei aufeinanderfolgenden Wochenenden im November (7., 14. und 21.). Die TG Saar bestreitet dabei drei Heim- und vier Auswärtskämpfe. Die Gäste in der heimischen Dillinger Kreissporthalle sind jeweils ab 18 Uhr der Siegerländer KV (11. April), der TuS Vinnhorst (7. November) sowie der amtierende deutsche Rekordmeister KTV Straubenhardt (21. November). Hinzu kommt für die ersten vier der Tabelle das DTL-Finale am 28. November in Heidelberg. Dort treffen wie gehabt der Dritt- und Viertplatzierte im „kleinen Finale“ um Platz drei aufeinander; und der Erst- und Zweitplatzierte duellieren sich im „großen Finale“ um den Titelgewinn der deutschen Mannschaftsmeisterschaft 2026. „Wir wollen auf jeden Fall einen achten Wettkampf bestreiten“, sagt TG-
Neuzugang Pascal Brendel. Am liebsten im großen Finale gegen seinen Ex-Club, die KTV Straubenhardt. Doch bevor es so weit ist, wartet am Samstag mit dem SC Cottbus ein echter Gradmesser zum Ligaauftakt. Es ist die direkte Neuauflage des kleinen Finals um Platz drei aus der Vorsaison, das nach einem dramatischen Herzschlagfinale hauchdünn zugunsten der Saarländer endete.