Der BFC Preussen steckt in der Regionalliga Nordost aktuell in einer Sieglos-Serie fest. Nach starkem Start ins Jahr 2026 ist der Aufsteiger zuletzt aus dem Tritt geraten – und muss sich zunehmend mit den Ursachen des Abwärtstrends beschäftigen.
Nikolas Frank hatte gut lachen: Ende Februar, nach einer durch zahlreiche Spielausfälle auf beinahe drei Monate verlängerten Ligapause, sorgte er mit seinem Treffer für einen Auswärtssieg zum Pflichtspielauftakt 2026 des BFC Preussen in Erfurt. Damit zeigte der Neuling trotz der Widrigkeiten der Vorbereitung und der sich wie Kaugummi ziehenden Unterbrechung gleich eine starke Reaktion. „Wenn man nach einer langen Pause so reinstartet, ist man direkt im Flow“, sagte das 21-jährige Eigengewächs und war dabei überzeugt davon, dass der Neuling in der Regionalliga Nordost wieder in der Spur sei. Denn zum Jahresende 2025 hatte die Formkurve leicht bergab gezeigt: Beim 1:1 gegen die VSG Altglienicke musste man trotz später Führung noch den Ausgleich hinnehmen. Und die 0:1-Niederlage beim FC Eilenburg, erst der zweite Saisonsieg für den Tabellenvorletzten, sorgte für Enttäuschung – ebenso das Ausscheiden zum Jahresabschluss im Viertelfinale des Berliner Landespokals, wo es auf eigenem Platz am Ende 1:3 für den Ligakonkurrenten BFC Dynamo stand. Der K.-o.-Wettbewerb galt dabei in Lankwitz als „Bonus“ in einer Saison, in der man neben dem Ziel Klassenerhalt noch die Chance auf einen Titel hatte – der letzte Triumph von 2016 als noch zwei Klassen tiefer spielender Verbandsligist mit anschließender Teilnahme am DFB-Pokal (Aus in der 1. Runde gegen den 1. FC Köln) ist schließlich noch nicht allzu lange her. So musste man dieses zweite Ziel noch vor Weihnachten in der Runde der letzten Acht abschreiben – immerhin aber war die Mission Klassenerhalt bis dahin prächtig gelaufen. Schon nach dem ersten Halbjahr war angesichts von Platz acht und 26 Punkten mehr als die halbe Miete eingefahren, sodass selbst der nicht für Leichtfertigkeit bekannte Sportliche Leiter Pierre Seiffert zu diesem Zeitpunkt entspannt vorrechnen konnte, dass realistischerweise nur noch zehn Zähler zum Erreichen der selbst gesetzten Mindestmarke fehlten.
„Muss man fragen, woran es liegt“
Die Freude von Frank über den Auftakterfolg teilte so auch der Coach des BFC Preussen: „Wir sind hier nicht nach Erfurt gekommen, um Punkte zu lassen“, formulierte Daniel Volbert nach dem Sieg selbstbewusst – wenn er auch korrekt anmerkte, dass man im zweiten Durchgang schon auch mit Fortuna im Bunde war angesichts des Dauerdrucks der Rot-Weißen. Um so größer war die Enttäuschung des Trainers, der ebenfalls eher zum Team „Ball flach halten“ zählt, nach der folgenden 1:3-Niederlage beim BFC Dynamo. „Wenn man in Erfurt ein Spiel mit so viel Einsatz und Kampf abliefern kann und dann nicht gegen einen angeknacksten Gegner wie den BFC, muss man sich schon fragen, woran das liegt“, so Volbert angesäuert. Doch zum Abschluss der englischen Woche bei Hertha BSC II setzte es dann sogar eine herbe 0:5-Pleite, die der Coach jedoch vergleichsweise milde gestimmt hinnahm. „Natürlich sind wir müde, natürlich können wir nicht so rotieren wie der Gegner und haben einige ältere Spieler in unseren Reihen, denen eine englische Woche wehtut – aber die hatte Hertha ja auch“ – und schloss trotz des deutlichen Ergebnisses knapp: „Wir haben heute einfach nicht gut performt.“ Die Sieglos-Serie setzte sich jedoch fort: Zu Hause gegen den Halleschen FC spielte man eine starke erste Halbzeit, führte hochverdient 1:0 – musste sich am Ende aber noch gegen das Topteam, das man in der Hinrunde sogar bezwingen konnte, mit 1:3 geschlagen geben (Volbert: „Nach der Pause waren wir nicht mehr griffig genug“). Auch gegen zwei Mannschaften auf Augenhöhe blieb man im Anschluss weiter sieglos: Bei Chemie Leipzig (2:2) führte man zweimal, und auch in Magdeburg (1:1) konnte man den Vorsprung gegen die Reserve des Zweitligisten nicht ins Ziel bringen.
Noch keine Verlängerung
Vergleicht man die Statistiken des ersten und des zweiten Halbjahrs bis vor dem letzten März-Wochenende, offenbart sich der Abwärtstrend auch deutlich in den Zahlen: So fiel die Punktausbeute im Schnitt (nur noch 1,2 gegenüber 1,53) ebenso schlechter aus wie die Werte bei den erzielten (1,0 gegenüber 1,47) und vor allem der kassierten Treffer (2,33 gegenüber 1,35). Für die drei Tore in den ersten vier Partien dieses Jahres zeichnete dabei ausschließlich Frank verantwortlich, der danach allerdings bei seinen fünf Saisontoren stehen blieb. Dann waren Chadi Ramadan, der zuvor immerhin dreimal getroffen hatte, sowie Winterzugang Philipp Kühn erstmals erfolgreich – Oluwaseunnla Adekunle gelang dazu sein zweites Saisontor, hätte aber nicht nur in Magdeburg noch weitere erzielen müssen. Dazu traten weitere „Torgaranten“ aus Sicht des Aufsteigers in dieser Hinsicht 2026 noch gar nicht in Erscheinung: etwa Patrick Breitkreuz (34) und Lenny Stein (30, jeweils vier Tore 2025/26), oder die eigentlich mit gutem Schuss gesegneten Niklas Brandt (34) und Philip Fontein (32, beide zwei Tore). Allerdings konnte auch nur Letzterer der vier genannten Spieler alle sechs Partien des Jahres über die volle Distanz bestreiten: Während im Fall von Breitkreuz und Brandt (jeweils zweimal ausgewechselt, zweimal gar nicht dabei) auch die Belastungssteuerung eine Rolle gespielt haben dürfte, fehlte Stein einmal gesperrt. Der 2,02 Meter große Abwehrchef konnte im zweiten Halbjahr jedoch seine Qualitäten bei eigenen Standards vor dem gegnerischen Tor bis dato nicht mehr gewinnbringend einsetzen und dazu in der Defensivzentrale die Einschläge nicht mehr so effektiv verhindern sowie die Fehlerhäufung auch der Kollegen ausbügeln. Die „Kaffeesatzleser“ unter den Fans und Experten haben aber längst noch eine andere Ursache für den Abwärtstrend beim BFC Preussen ausgemacht: Denn bislang wurden die Verträge mit dem Trainerteam um Volbert und seinen Assistenten Thorben Marx (früher Profi bei Hertha, Gladbach, Bielefeld) für die kommende Saison, in der eigentlich ein erster Angriff im Aufstiegsrennen angedacht ist, nicht verlängert. Pierre Seiffert („Wir sind schon sehr weit“) hatte dabei im Winter angekündigt, dass man diese Personalie zeitnah zum Abschluss bringen wolle. Daniel Volbert wiederum sprach erst jüngst davon, dass das Thema nicht dränge, da man schon lange zusammenarbeite und sich daher auch vertrauen könne. Worte, die ebenso schön wie ausweichend klingen – unter dem Strich konnte aber immer noch nichts bis zum aktuellen, schon ungewöhnlich späten Zeitpunkt verkündet werden.