Sie ist Fachanwältin für Sportrecht, ehemalige Bundesligaspielerin und blau-schwarz durch und durch: Mit Barbara Haupenthal hat der 1. FC Saarbrücken eine Präsidentin mit Stallgeruch – und klaren Plänen für die Zukunft des Traditionsvereins.
Wenn Barbara Haupenthal an „ihren“ Verein denkt, empfindet sie insbesondere eines: Dankbarkeit. „Weil mein Leben ohne meine Zeit beim FCS heute nicht so wäre, wie es ist“, sagt sie. „Weil mich die Jahre hier als Spielerin geprägt haben und das auch heute noch in meiner Lebensführung Ausdruck findet.“ 1999 kam Haupenthal zum 1. FC Saarbrücken, damals als Spielerin für den Bundesligakader. Seit Januar dieses Jahres ist sie nicht nur die neue, sondern auch die erste Präsidentin ihres Herzensvereins.
Damit ist sie neben Nicole Kumpis bei Eintracht Braunschweig die einzige Frau im deutschen Profi-Fußball, die diese Position bekleidet. „Dem messe ich gar nicht so viel Gewicht bei“, verrät die Juristin. „Ich bin es gewohnt, in vermeintlichen Männer-Domänen unterwegs zu sein, das ist bei mir zur Normalität geworden.“ Dass es auch nach Bekanntgabe ihrer Kandidatur im Verein kein großes Thema war, dass sich nun erstmals eine Frau bewirbt, mache sie stolz: „Das wurde nie diskutiert – und das ist für unseren Verein und sein Umfeld schon etwas Geiles.“
Ein klares Angebot an die Mitglieder
Kandidiert hatte die 42-Jährige aufgrund der Fan-Initiative zur Satzungsänderung im vergangenen Jahr. „Je näher dann die Mitgliederversammlung rückte, desto klarer wurde mir auch, dass ich unseren Mitgliedern, die klar zum Ausdruck gebracht haben, dass sie sich etwas Neues für unseren Verein wünschen, ein entsprechendes Angebot –
mit meiner blau-schwarzen Vergangenheit, meiner Expertise im Sportrecht und auch meinem Netzwerk – machen möchte“, verrät sie.
Die Bindung zur Fanbase liege ihr am Herzen, betont sie. Nicht zuletzt deswegen ist Haupenthal während der Heimspiele im kompletten Stadion und auf allen Tribünen zugegen und sucht den Kontakt. „Es ist mein großes Anliegen, die Zusammengehörigkeit in unseren Reihen zu schärfen und zu spüren“, sagt sie. „Es ist schön, die Emotionen und diese geteilte Begeisterung gemeinsam erleben zu können. Am Ende zusammen ein Tor oder einen Sieg feiern zu können, ist etwas so Verbindendes. Das macht schon Spaß.“
Auch jenseits der Heimspiele ist Haupenthal viel unterwegs. Fast ihre gesamte Freizeit stecke sie in den FCS. „Es ist sehr zeitintensiv“, gibt sie zu, „aber ich will für den Verein arbeiten, und deswegen investiere ich diese Zeit auch komplett.“ Dramatisch findet sie das nicht – im Gegenteil. „Die Begegnungen geben mir wahnsinnig viel“, sagt sie. „Wir waren vor wenigen Tagen beispielsweise in einem Seniorenheim. Dort war eine Frau um die 90, die erzählt hat, dass sie als Zehnjährige zum ersten Mal mit ihrem Papa im Stadion war – damals sind sie noch von Sulzbach aus zu Fuß gelaufen. Diese ganzen Geschichten und diese generationenübergreifenden Traditionen machen einen Traditionsverein aus.“
Als Präsidentin sind Haupenthals Aufgaben zum größten Teil repräsentativer Natur. „Es ist mir wichtig, dem Verein ein Gesicht zu verleihen und wieder mehr Sichtbarkeit und Nähe zu schaffen“, sagt sie. „Ich möchte dazu beitragen, dass der 1. FC Saarbrücken mit Positivem verbunden wird.“ Die Basis sei in den vergangenen Jahren zu weit von der Vereinsführung weggerückt. „Unser Ziel muss es sein, hier wieder den Schulterschluss zu erzielen“, sagt sie. Dies heiße aber nicht, dass man bei jeder Entscheidung einer Meinung sein müsse: „Es geht darum, das Richtige für den Verein zu entscheiden. Wichtig ist aber, wieder ein Verständnis dafür zu schaffen, warum manche Dinge eben so entschieden werden, wie sie entschieden werden. Wir müssen ein Niveau erreichen, bei dem sich jeder abgeholt fühlt“, sagt sie.
Die Zusammenarbeit mit dem neuen Aufsichtsrat sowie den beiden Vorständen für Sport und Marketing laufe bisher sehr gut, sagt sie. „Das ist noch alles ganz jung, aber bisher läuft die Kommunikation miteinander echt super. Deswegen bin ich da total optimistisch und freue mich auf die Zukunft.“
Mehr Sichtbarkeit für die FCS-Frauen
Apropos Zukunft: In der soll auch ein Teil des Vereins eine größere Rolle spielen als bisher: „Natürlich liegt mir die Frauenabteilung allein aufgrund meiner eigenen Geschichte schon sehr am Herzen“, verrät sie. Der Frauenfußball sei in den vergangenen Jahren gut gewachsen. „Da müssen wir jetzt Gas geben, um nicht den Anschluss zu verpassen.“ Die blau-schwarzen Frauen stehen zurzeit sehr gut da, werden sich die Relegation zur 2. Bundesliga am Saisonende wohl nicht mehr nehmen lassen. „Wir haben echt gute Chancen“, sagt Haupenthal. „Und da verdienen unsere Mädels einfach auch mehr Sichtbarkeit.“ Dass die Frauen ihre Heimspiele mittlerweile auch im Ludwigspark austragen, sei ein guter erster Schritt dorthin. „Nur wenn diese Sichtbarkeit gegeben ist, haben unsere Mädels auch die Chance, sich zu präsentieren und so auch den ein oder anderen neuen Sponsoren zu finden“, sagt sie. Dazu bräuchte es auch mehr Präsenz in den Medien. „Wenn hier jeder von uns seine Hausaufgaben macht, dann wird das ein Selbstläufer“, ist sie sich sicher. „Wir haben es selbst in der Hand, etwas zu liefern, worüber man am Ende berichten kann.“
Haupenthal selbst lief von 1999 bis 2007 für den 1. FCS auf, spielte im Mittelfeld und denkt nach wie vor gern an ihre Zeit im blau-schwarzen Trikot zurück. „Wir hatten echt schöne Zeiten“, verrät sie. Zum Verein kam sie durch die damalige Verbandstrainerin Margret Kratz, die zu dieser Zeit auch die Frauen in Saarbrücken trainierte. „Sie hat mir die Chance gegeben, mich mit noch nicht einmal ganz 16 Jahren in der Bundesliga zu beweisen“, so Haupenthal. Beim DFB-Pokalspiel in Berlin 2008 war sie zwar nur von der Tribüne aus zugegen, hatte ihre Karriere nur kurze Zeit zuvor beendet, doch Erinnerungen sammeln konnte sie mehr als genug. „Viele Anekdoten kann ich gar nicht erzählen“, lacht sie. Besonders in Erinnerung geblieben sei ihr der Zusammenhalt und der Spaß, den sie mit ihren Mitspielerinnen hatte: „Wir waren einmal im Trainingslager und sollten am letzten Tag noch eine Laufeinheit absolvieren, an der unser Trainer nicht mitgelaufen ist“, erzählt sie, „also haben wir das Hotel mit Laufschuhen verlassen, hinter der ersten Tankstelle geschlossen gewartet und sind nach der entsprechenden Zeit zurückgelaufen.“
Ein anderer Verein kam für sie nicht mehr infrage: „Wenn man so viel mit einem Verein erlebt – Positives wie auch Negatives – dann ist das nichts, was man einfach so abschütteln kann, sondern das ist in einem verankert“, sagt sie. „Deswegen sage ich: Ich habe eine blau-schwarze Identität, und deswegen ist es klar, dass das mein Verein ist und immer bleiben wird.“