Der gute alte Osterbrauch hat nichts verloren, im Gegenteil: Schön bemalte bunte, frische Ostereier – das hatte wieder was. Ansonsten ist es mit bunt und frisch und Freude so eine Sache. Alles ist eher auf Retro eingestellt. In der Mode ist das bisweilen ganz angesagt. Was dieses Jahr so alles an die „Goldenen Zwanziger“ (des letzten Jahrhunderts) erinnert, ist beachtlich.
Auch sonst ist Retro Trend: Die Trad Wives freuen sich wie Mitte des letzten Jahrhunderts an der Rolle der braven Hausfrau, auch politische Debatten folgen dem Motto: Zurück in die guten alten Zeiten.
Manches war ja damals auch ganz lustig. Etwa die Grillpartys auf der Autobahn an autofreien Sonntagen. Damals war Öl knapp. Heute gibt es zwar angeblich kein Versorgungsproblem. Aber die Spritpreise sind gefühlt derart jenseits von Gut und Böse, dass sich der Vorschlag zu verordneten autofreien Sonntagen ziemlich von selbst erledigt. Wer nicht gerade im Geld schwimmt, überlegt sich im Moment ohnehin jeden Autokilometer, wo immer es geht. Auch eine Art, wie es „der Markt“ ganz im Sinn der Bundeswirtschaftsministerin richten kann.
Auch sonst voller Retro-Trip: Wir bauen weiter Verbrennerautos, die Milliardeninvestitionen für die Aufholjagd gegenüber der globalen Konkurrenz sind erst mal für die Katz. Dann bauen wir noch ein paar neue Gaskraftwerke und halten uns mal mit weiterem Ausbau erneuerbarer Energien zurück.
Wie das die Abhängigkeiten von fossilen Energien, deren Auswirkungen wir gerade teuer bezahlen, mindern soll, hat sich mir noch nicht erschlossen. Vermutlich muss man das alles nur etwas besser erklären.
In der Wirtschaftskrise soll mal wieder Sparen im Sozialbereich helfen. Dann erhöhen wir noch Eigenanteile im Gesundheitsbereich, rücken schnell noch dem „Bürokratiemonster Mindestlohn“ zu Leibe – und alles wird gut.
In der Mode werden Retro-Trends zumindest kreativ aufgepeppt. In politischen Debatten kommt so einiges auf den Tisch, was noch nicht einmal entstaubt worden ist. Garniert mit dem Appell, endlich wieder in die Hände zu spucken, anzupacken. Aufbruchstimmung, Gründergeist, Zuversicht, damit es wieder aufwärts geht.
Jetzt muss mir nur noch jemand erklären, wie das unter Retro-Bedingungen gehen soll.