Wie kaum eine andere Branche ist die weltweite Landwirtschaft von Hitze und Trockenheit betroffen. Speziell Europa ist zum neuen Hotspot geworden. Doch den europäischen Landwirten stehen vielfältige Mittel zum Erhalt des Ernteetrags zur Verfügung.
Die deutsche Landwirtschaft konnte 2025 eine gute Ernte einfahren. Das war ziemlich überraschend, denn es war laut EU-Klimadienst Copernicus in Europa das drittwärmste Jahr seit Beginn der Wetteraufzeichnungen und dabei nur knapp an den Temperatur-Rekorden der Jahre 2024 und 2023 vorbeigeschrammt. Generell hat sich die globale Erwärmung vor allem aufgrund der anhaltenden Treibhausgasemissionen durch menschliche Aktivitäten seit der Jahrtausendwende in immer neuen Temperatur-Höchstwerten niedergeschlagen. So waren die letzten elf Jahre zwischen 2015 und 2025 weltweit die wärmsten seit Beginn der Wetteraufzeichnungen. Die Einhaltung der im Pariser Klimaabkommen von Paris 2015 beschlossenen globalen Erderwärmungsgrenze von 1,5 Grad Celsius wird damit immer unwahrscheinlicher. Im Dreijahresschnitt 2023 bis 2025 hatten die globalen Temperaturen die 1,5-Grad-Schwelle erstmals überschritten. In Deutschland sieht die Lage noch viel dramatischer aus. Nach einer Neuberechnung durch den Deutschen Wetterdienst vom Frühjahr 2025 hat sich das Land seit der vorindustriellen Zeit (1881) nicht mehr wie bislang angenommen um 1,9 Grad, sondern sogar um 2,5 Grad erwärmt. Die Weltorganisation für Meteorologie (WMO) hatte im Frühjahr 2025 die düstere Prognose aufgestellt, dass schon 2029 die globale Erderwärmung über der Marke von 1,5 Grad liegen werde. Dabei dürfte Europa als vom Klimawandel am stärksten tangierter Kontinent am meisten in Mitleidenschaft gezogen werden.
Eine Erwärmung von 2,5 Grad
Die Erderwärmung hat erhebliche Auswirkungen auf die Landwirtschaft, die wie kaum eine andere Branche die Folgen des Klimawandels bewältigen muss. Sie ist aber nicht nur eine Betroffene, sondern leistet dazu selbst ihren Beitrag. Weil beispielsweise die hiesige Landwirtschaft 2024 durch Methanemissionen aus der Viehhaltung und Lachgasemissionen aus der Bodennutzung rund 53,7 Millionen Tonnen Kohlendioxid-Äquivalente verursacht hatte. Das machte einen Anteil von 8,3 Prozent der gesamten deutschen Treibhausgasemissionen aus. Dass das Jahr 2025 für die deutschen Landwirte trotz extremer Trockenheit im Frühjahr und einem Wechsel von Hitze und reichlich Regen im Juli so gut ausgefallen war, verdankte es vor allem einer teils überdurchschnittlichen, für die zentralen Vegetationsphasen entscheidenden Bodenfeuchte vom Herbst/Winter 2024/2025 und kaum aufgetretenen verspäteten Frühjahrsnachtfrösten. In den Jahren 2018 und 2019 waren dagegen in Mitteleuropa mehr als 50 Prozent der Ackerflächen von Dürren betroffen. Die Ernteeinbußen waren 2018 so massiv gewesen, dass die deutsche Bundesregierung den heimischen Landwirten mit einer Nothilfe von rund 340 Millionen Euro unter die Arme greifen musste. Weil hierzulande bislang kaum ein Landwirtschaftsbetrieb gegen Ernteausfälle aufgrund von Dürre versichert ist. Es werden zwar Policen angeboten, doch ohne staatliche Zulagen, wie es in vielen anderen EU-Ländern oder auch in den USA üblich ist, sind sie einfach zu teuer. Laut einer Schätzung der Europäischen Investitionsbank (EIB) vom Frühjahr 2025 verliert der EU-Agrarsektor inzwischen jährlich im Schnitt 28,3 Milliarden Euro oder rund sechs Prozent der jährlichen Produktion der Land- und Viehwirtschaft durch extreme Wetter-ereignisse mit Dürren an der Spitze.
Erträge könnten sich halbieren
Von der Klimakrise mit Hitze und Dürren sind längst also auch Agrarbetriebe in Deutschland und Europa betroffen. Was sich auch in einer stetigen Verfrühung des Vegetationsbeginns niedergeschlagen hat. Doch so schlimm wie in vielen Ländern des Globalen Südens, wo Ernteausfälle Existenzen vernichten, zu verheerenden Hungerkatastrophen führen und letztendlich die Migration befördern können, ist es hier noch lange nicht. Weil große und reiche Industrienationen Ernteausfälle kompensieren, ihren Landwirten gegebenenfalls finanzielle Unterstützung gewähren und über moderne technische Hilfsmittel zur Bekämpfung von Trockenheit und Dürre verfügen können. Ihre Bürger müssen allenfalls mit kurzzeitig steigenden Nahrungsmittelpreisen rechnen. Zudem herrscht in Mitteleuropa kein Regenmangel, weil meist im Winter ausreichend Niederschläge zu fallen pflegen. Deutschland gilt als relativ wasserreich, doch infolge des Klimawandels steigt auch hierzulande der Bewässerungsbedarf in der Landwirtschaft. Mit einem Anteil von gerade mal 3,4 Prozent an der gesamten Ackerfläche wird in Deutschland im weltweiten Vergleich nach wie vor wenig bewässert (am meisten in Niedersachsen). Im globalen Durchschnitt beansprucht die Landwirtschaft fast 70 Prozent des aus dem natürlichen Wasserkreislauf entnommenen Wassers für die Bewässerung, während es in Deutschland nur rund 2,5 Prozent sind. Dennoch wird auch Mitteleuropa trotz Regens künftig wohl stärker von landwirtschaftlichen Dürren betroffen sein. Eine aktuelle britische Studie weist Nord- und Westeuropa, die mittleren Breiten Mittel- und Osteuropas sowie den Westen Nordamerikas als neue Dürre-Hotspots aus. Auf der Südhalbkugel werden das südliche Afrika, Teile Amazoniens und der Norden Südamerikas genannt. Weil selbst erhöhte Jahresniederschläge, die der Klimawandel in Teilen Europas mit sich bringt, die Dürre-Tendenz nicht aufhalten könnten. Die Erwärmung erhöhe die Verdunstung vor allem im Frühjahr oft so stark, dass die Böden schneller austrocknen, als der Regen dies ausgleichen könne. Eine finnische Studie aus dem Jahr 2025 hatte aufgezeigt, dass die Spannbreite der wichtigsten Nahrungspflanzen bei einer Erderwärmung um 2 oder 3 Grad Celsius in Regionen mit niederen Breiten um mehr als die Hälfte zusammenschrumpfen könnte. Während in mittleren wie hohen Breitengraden die potenzielle Nahrungspflanzen-Vielfalt, vor allem durch vermehrten Einsatz hitzeresistenter Sorten, sogar zunehmen und damit die Anpassung an den Klimawandel erleichtern könnte.
Für Südeuropa sieht es allerdings jetzt schon düster aus. Südspanien, Europas Gemüsegarten, der auch in der Obstproduktion eine wichtige Rolle spielt, ist vom Austrocknen bedroht. Mehr als die Hälfte des spanischen Staatsgebietes ist inzwischen von Wüstenbildung im Sinne einer Landverödung in Trockengebieten bedroht, die im Fachbegriff als Bodendegradation bezeichnet wird. Doch da ist Spanien nicht allein, weil insgesamt 13 EU-Länder, darunter Portugal, Italien oder Griechenland, die in den vergangenen Jahren ebenfalls starke Ernteausfälle überstehen mussten, schon eine solche Wüstenbildung gemeldet haben. Noch weitaus stärker von der Wüstenbildung betroffen sind vor allem Regionen, die in globalen Trockengebieten beheimatet sind, nämlich Afrika und Asien, wobei Afrika besonders stark in Mitleidenschaft gezogen ist. Mit rund 670 Millionen Hektar Land finden sich hier schon etwa zwei Drittel der globalen Wüstenfläche. Weitere 40 Prozent Afrikas sind Trockengebiete, die zur Ernährung der Bevölkerung genutzt werden müssen. Doch andauernde Hitzewellen und Dürren auf dem Kontinent machen das immer schwerer. Zumal Afrika durch die hohe Abhängigkeit seiner Landwirtschaft vom Regenfeldbau kaum eine echte Chance zur Aufrechterhaltung der eigenen Nahrungsmittelsicherheit hat. Die Vereinten Nationen haben 2024 mit einer Konvention zur Bekämpfung der Wüstenbildung Alarm geschlagen. Demnach wurden im Lauf der vergangenen drei Jahrzehnte rund 77 Prozent der globalen Landflächen trockener – und zwar dauerhaft. Die Trockengebiete der Erde breiteten sich in diesem Zeitraum um rund 4,3 Millionen Quadratmeter aus. In Europa waren davon vor allem der Mittelmeerraum, die Region um das Schwarze Meer und Teile Osteuropas besonders stark betroffen.
Die durch Hitzewellen verursachten Ernteausfälle machten sich durch Preissteigerungen bei Grundnahrungsmitteln auch im Portemonnaie der Verbraucher bemerkbar. Die teils extremen Temperaturen, besonders in Südeuropa und Asien, führten zu einer happigen Verteuerung von Produkten wie Olivenöl, Mais, Reis oder Kaffee von mehr als 50 Prozent, beispielsweise beim Olivenöl aufgrund einer anhaltenden Dürre 2022/2023 in Spanien und Italien. Die globalen Kaffeepreise stiegen um 55 Prozent aufgrund lang anhaltender Dürren in Brasilien und Vietnam, beim Kakao stieg der Weltmarktpreis nach massiven Hitzewellen in Ghana und der Elfenbeinküste sogar bis zum Frühjahr 2024 um 280 Prozent an. In Indien explodierten die Preise für Zwiebeln und Kartoffeln 2024 um mehr als 80 Prozent. In Japan lagen die Preise für Reis im Herbst 2024 um 48 Prozent über dem des Vorjahres. In Südkorea stieg der Preis für das dortige Grundnahrungsmittel Kohl 2024 innerhalb eines Monats aufgrund einer außergewöhnlichen Sommer-Hitzewelle um 70 Prozent. Bei Orangen sind in Brasilien, dem weltweit größten Produzenten, die Ernteerträge schon seit 2020 rückläufig. In der Saison 2024/2025 lagen die Einbußen bei rund 25 Prozent. Zwischen 2022 und 2024 führte dies zu einem Aufpreis von 150 Prozent.
Kulturpflanzen sind recht unterschiedlich tolerant bezüglich Hitze und Trockenheit. Bei anhaltender Wasserknappheit pflegen sie, die Spaltöffnungen ihrer Blätter zeitweilig zu verschließen, wodurch zwar die zur Abkühlung genutzte Verdunstung gestoppt, aber gleichzeitig das für die Photosynthese nötige Kohlendioxid nicht mehr aufgenommen werden kann. Das führt letztendlich zu einer Stagnation ihres Wachstums. Besonders empfindlich reagieren Raps, Zuckerrübe und Kartoffel während ihrer Reifephasen auf Hitze. Gerste, Triticale und vor allem Roggen kommen von den Getreidesorten etwas besser mit Hitze zurecht, deutlich problematischer ist es hingegen bei Weizen und Hafer.
Blütenfäule durch Hitze
Generell führt extreme Hitze bei Getreide zu einer Notreife, was deutlich kleinere Körner zur Folge hat. Die ursprünglich aus tropischen Regionen stammenden Pflanzenarten wie Mais, Soja oder Hirse vertragen Hitze recht gut, sind jedoch auf eine gute Wasserversorgung angewiesen. Unter den klassischen Feldfrüchten können vor allem Zwiebeln und Rote Rüben bei Hitze mit wenig Wasser auskommen, während Hülsenfrüchte wie Ackerbohnen oder Erbsen Dürreperioden nur schwer überstehen können. Bei Fruchtgemüsen wie Tomaten, Gurken oder Zucchini können sich Hitzeschäden als sogenannte Blütenendfäule bemerkbar machen. Aber es gibt auch Gemüsearten wie Aubergine, Paprika, Kürbis, Süßkartoffel oder Artischocke, die Hitze besser vertragen können. Aber allgemein ist für die Erzielung hoher Qualitäten bei der Gemüseernte eine ausreichende Wasserversorgung unabdingbar. Das gilt auch für den Obstanbau, wobei viele Sorten wie Weintrauben, Pflaumen, Stachelbeeren oder Äpfel bei Temperaturen jenseits der 30 Grad einen Sonnenbrand erleiden können.
In der Nutztierhaltung haben dauerhaft hohe Temperaturen einen Hitzestress des Viehs zur Folge. Bei Milchkühen kann es schon ab 22 Grad Celsius in Verbindung mit einer hohen Luftfeuchtigkeit zu Stoffwechselstörungen, verringerter Futteraufnahme, sinkender Milchleistung und geringerer Fruchtbarkeit kommen. Auch Schweine fressen ab dieser Temperatur weniger und legen auch geringer an Gewicht zu. Ab 28 Grad Celsius und hoher Luftfeuchtigkeit können Kreislaufbelastungen und Atemprobleme auftreten. Beim Geflügel zeigen sich ab einer Temperatur von 24 Grad Celsius erste Anzeichen von Hitzestress. Die Tiere fressen weniger, wachsen langsamer und legen kleinere Eier. Für die Freilandhaltung könnte der in einer Studie von Anfang 2026 prognostizierte Rückgang der globalen Weideflächen infolge des Klimawandels um 36 bis 50 Prozent bis zum Jahr 2100 ein gravierendes Problem werden.
In den wohlhabenden Nationen steht ein breites Spektrum zur Eindämmung der durch Hitze verursachten Ernteschäden zur Verfügung. Neben der Diversifizierung des Anbaus gilt vor allem der Neuzüchtung hitzeresistenter Pflanzen ein besonderes Augenmerk. Es kann aber auch an einer Verbesserung der Bodenstruktur durch ökologische Bewirtschaftung gearbeitet werden, wodurch die Humusbildung gefördert und die Wasserspeicherkapazität des Bodens erhöht werden kann. Beim sogenannten Smart Farming überwachen Sensoren die Bodenfeuchtigkeit, Pflanzengesundheit und Wetterdaten in Echtzeit, um dann mittels KI-Systemen die Bewässerung automatisch steuern zu können. Ein interessanter Ansatz ist auch die Agroforstwirtschaft, bei der Acker- und Weideflächen mit schattenspendenden und die Wasserspeicherung im Boden verbessernden Bäumen und Sträuchern kombiniert werden. Bei der Agri-Photovoltaik können Energie und Ernte auf einer gemeinsamen Fläche gewonnen werden. Ein Konzept, das auch helfen könnte, die Kosten für die größtenteils sehr energieintensiven innovativen Bewässerungstechniken zu senken. Am rentabelsten ist in der Regel die Bewässerung von Feldgemüse, da hier pro Fläche besonders hohe Umsätze erzielt werden können.
Neue Wege bei der Tierhaltung
In Deutschland werden aktuell fast ausschließlich unterschiedliche Verfahren der Druckbewässerung eingesetzt, bei denen das Wasser über ein Rohrsystem zum Feld gepumpt und dort weiterverteilt wird. Dagegen spielt die traditionelle Oberflächenbewässerung, bei der das Wasser zunächst an der Oberfläche angestaut wird, um es anschließend mithilfe von Kanälen oder anderen Vorrichtungen über das Feld zu verteilen, hierzulande keine Rolle mehr. Die auf deutschen Äckern am häufigsten eingesetzten Bewässerungstechniken sind die mobile Beregnung mittels Großflächenregnern sowie die sogenannte Trommelberegnung mit einem Düsenwagen, wobei die Großtrommel mit aufgerolltem Schlauch auf einem Anhänger auf der Ackerfläche bewegt und das Wasser mit hohem Druck weitläufig über die Pflanzen verteilt wird. Da es bei dieser Technik allerdings zu hohen Wasserverlusten kommen kann, ist die sogenannte Tröpfchenbewässerung, bei der das Wasser mittels Schläuchen oder Rohren direkt zu den Wurzeln der Pflanzenkulturen befördert wird, eine deutlich effizientere, aber auch sehr teure Alternative, die hierzulande vor allem bei Pflanzen wie Spargel oder Strauchobstsorten eingesetzt wird. Daneben kommen auch noch stationäre Kreiselanlagen zum Einsatz, bei denen das Wasser über ein drehbares Gestänge großflächig und relativ verlustarm verteilt werden kann. Auch bei der Tierhaltung müssen neue Wege eingeschlagen werden, beispielsweise durch die Zucht von weniger hitzeanfälligen Arten. Daneben sollte das Stallklima durch ausreichende Lüftung sowie durch zusätzlichen Einsatz von Ventilatoren oder Sprühnebelanlagen auf einem für die Tiere angenehmen Niveau gehalten werden. Auf den Weiden sollten Schattenbereiche und gefüllte Tränken für die Tiere stets zugänglich sein.