Wir alle sollten unseren Beitrag leisten in Sachen Klimaschutz, wenn es nicht zur Katastrophe kommen soll. Bei vielen Verbrauchern ist das bereits angekommen. Sie setzen somit Unternehmen unter Druck – und einige reagieren auch.
Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler schlagen die Hände über dem Kopf zusammen: US-Präsident Donald Trump erklärt Mitte Februar die sogenannte Gefährdungsfeststellung von 2009 für ungültig, der zufolge Treibhausgase gesundheitsschädlich sind. Der oberste Leugner des von Menschen verursachten Klimawandels nennt sowieso die Klimaregelung aus der Zeit seines Amtsvorgängers und tatsächlichen Friedensnobelpreisträgers Obama „katastrophal“. Sie habe insbesondere die heimische Autoindustrie schwer geschädigt und die Preise massiv in die Höhe getrieben. Die Gefährdungsfeststellung von 2009 war die Grundlage nahezu aller US-Klimaregeln. Nach Trumps Vorstoß streicht die US-Umweltbehörde EPA unter anderem Hinweise auf die Verbrennung fossiler Brennstoffe – obwohl die wissenschaftliche Mehrheit sie als Hauptursache des Klimawandels einstuft.
Die Trump-Regierung verteidigt die Abschwächung der Regeln als Schutz von Wirtschaft und „amerikanischem Aufschwung“: EPA-Sprecherin Brigit Hirsch spricht von einer Abkehr von „linken Agenden“, während Regierungssprecherin Karoline Leavitt die Maßnahme als größte Deregulierung der US-Geschichte bezeichnet und Einsparungen in Billionenhöhe sowie niedrigere Fahrzeugkosten verspricht. Wie so ziemlich immer bei Trumps Manövern scheint es also lediglich ums Geld zu gehen, in diesem Fall wirkt es wie ein Geschenk an die Autoindustrie, obwohl gerade Unternehmen aus fossiler Energie und Zementproduktion zu den größten CO₂-Emittenten zählen. Und obwohl ein abruptes Abschalten dieser Branchen – inklusive Millionen an Arbeitsplatzverlusten – wirtschaftlich kaum verkraftbar wäre, können Untätigkeit oder Rückschritte ebenso fatal sein.
Währenddessen ist seit Jahrzehnten wissenschaftlich belegt, dass der Mensch durch massive CO₂-Emissionen die Erde erwärmt: Die Ozeane nehmen weiterhin CO₂ auf, aber nicht schnell genug, um die Emissionen auszugleichen. Gleichzeitig führt die Aufnahme zu Versauerung und Erwärmung, was wiederum die Aufnahmefähigkeit reduziert – die Atmosphäre heizt sich auf. Seit den 1990ern steigt der breite Konsens über den menschengemachten Klimawandel, dessen Wurzeln sich bis ins 19. Jahrhundert, also in die frühe Industrialisierung, zurückverfolgen lassen. Die beobachteten Auswirkungen werden häufiger, intensiver und verursachen höhere Schäden. Hurrikane, Überschwemmungen, Stürme, Waldbrände, Hitze und gestörte Lieferketten zeigen weltweit bereits heute die massiven Folgen des Klimawandels: von Tausenden Toten in Puerto Rico, Haiti und Libyen bis zu wirtschaftlichen Einbußen in Nordamerika und Südasien – auch Europa bleibt nicht verschont.
Fossile Energiekonzerne schädigen Ökosystem
Eine Studie des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung bestätigt 2024, dass die wirtschaftlichen Schäden bis 2050 die Kosten für Klimaschutz deutlich übersteigen werden, besonders Regionen mit niedrigem Einkommen treffen und klar belegen, dass Emissionsminderungen langfristig ökonomisch vorteilhaft sind. Laut Earth.org verursachen vor allem 36 große fossile Energiekonzerne – in den „Top Ten“ sind unter anderem Gazprom, Coal India, BP und Chevron – mehr als die Hälfte der globalen CO₂-Emissionen und schädigen bereits bei Förderung und Infrastrukturaufbau massiv Umwelt und Ökosysteme. Chemikalien können beim Fracking ins Grundwasser gelangen. Ölbohrungen belasten durch Bohrschlämme, Leckagen und Abwässer Flüsse und Meere. Säurehaltiges Grubenwasser zerstört Ökosysteme beim Kohleabbau.
Doch die direkten Eingriffe sind noch nicht mal das Schlimmste: Das Abfackeln, die Entlüftung, Emissionen aus Bohrplattformen sowie Förderanlagen gehören zu den sogenannten Scope-1-Emissionen, also den direkten Emissionen aus Anlagen, die ein Unternehmen selbst betreibt. Scope 2 umfasst indirekte Emissionen, die durch den Bezug von Energie wie Strom, Heizung oder Kühlung entstehen. Noch deutlich stärker schlägt Scope 3 zu Buche: Indirekte Emissionen innerhalb der Wertschöpfungskette, etwa Emissionen aus der Herstellung von Materialien, die das Unternehmen kauft oder solche aus dem Transport von Waren, sowohl vorgelagert als auch nachgelagert. Der größte Posten ist die Verbrennung der verkauften Produkte bei Öl, Gas und Kohle – also die Nutzung durch Endkunden.
Etwas Hoffnung gibt es, dass trotz weltweit zahlreicher reaktionärer Tendenzen in den Köpfen der politischen Machthaber die Köpfe der Unternehmer schon weiter sind – die stehen schließlich auch unter dem Druck von Kunden und Verbrauchern. Die Deutsche Bahn beispielsweise ist nicht nur einer der größten Arbeitgeber in Deutschland, sondern hat sich nach Eigenaussage auch dazu verpflichtet, Treibhausgasemissionen über die gesamte Wertschöpfungskette hinweg bis 2040 auf null zu reduzieren. Auf nachhaltigkeit.deutschebahn.com ist zu lesen, dass Scope 1 Emissionen im Zeitraum 2023 bis 2025 weitgehend stabil blieben, aber Scope 2 sich deutlich verringert hat: von drei Millionen Tonnen CO2-Äquivalent auf 2,1 Millionen Tonnen.
Dies ist vor allem der deutlichen Erhöhung an regenerativen Energien im Energiemix zu verdanken. Laut Bundeswirtschaftsministerium stammten im Jahr 2024 bereits 54,1 Prozent des Brutto-Stromverbrauchs aus Windenergie, Photovoltaik, Biomasse, Wasserkraft und anderen erneuerbaren Energieträgern. Der Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Endenergieverbrauch (Strom + Wärme + Verkehr) beträgt rund 23 Prozent. Die EU liegt beim Bruttostromverbrauch aus erneuerbaren Energien brutto bei etwa 45 Prozent, beim Anteil erneuerbarer Energien am gesamten Endenergieverbrauch 2022/2023 bei etwa 24 Prozent. Die DB bezieht zudem gezielt Ökostrom über langfristige Verträge, wodurch ihre Scope-2-Emissionen stärker als der nationale Durchschnitt sinken.
Der DB-Konzern benennt die Scope-3-Problematik selbst als „Herausforderung“, da nach eigenen Angaben rund zwei Drittel der Treibhausgasemissionen der Deutschen Bahn in Scope 3 entstehen, beispielsweise bei der Produktion von Schienenfahrzeugen, dem Bau von Infrastruktur und auch durch kleinere Posten wie die Herstellung von Speisen für die Bordbistros. Die DB möchte mit dem Programm Supplier Engagement Target (SET) Unternehmen, die den Konzern mit Waren, Dienstleistungen und Kapitalgütern beliefern, aber auch Pendlerverkehre, Dienstreisende und Zuliefertransporte dazu animieren, sich ebenfalls wissenschaftlich fundierte Klimaschutzziele zu setzen. Die DB gibt ihnen mit auf den Weg, dass nachhaltiges Wirtschaften langfristig Wettbewerbsfähigkeit, Marktposition und Finanzierungschancen stärkt, da wissenschaftsbasierte Klimastrategien Vertrauen bei Investoren, Partnern und Kundinnen schaffen.
Ziel: regenerative Anbaumethoden
Scope-3-Ziele gelten als besonders ambitioniert, weil sie meist über 70 Prozent der Emissionen eines Unternehmens ausmachen, komplexe Lieferketten betreffen, auch Nutzungsemissionen von Produkten einschließen und keine Kompensation als Ersatz für echte Reduktionen erlauben. Zu den Unternehmen mit besonders ambitionierten Scope-3-Zielen in Europa gehören Maersk (Dänemark), das bis 2040 vollständig klimaneutral werden will und dabei über 90 Prozent seiner Emissionen adressiert, sowie Unilever (Niederlande/Großbritannien) und Nestlé (Schweiz), die jeweils eine Reduktion um 50 Prozent bis 2030 anstreben und dabei vor allem Lieferketten, Landwirtschaft und Verpackungen beziehungsweise regenerative Anbaumethoden in den Fokus stellen. Schneider Electric (Frankreich) verfolgt das Ziel bis 2050 und konzentriert sich auf Elektrifizierung und Energieeffizienz bei Kunden.
Wertschöpfungskette berücksichtigen
Auch ein Blick auf den Kontinent Afrika lohnt sich, wo mehrere Unternehmen auch unter autoritären Regimen zu den Vorreitern ambitionierter Scope-3-Ziele gehören: Die MTN Group (Südafrika) arbeitet bis 2040 mit Lieferanten und Partnern wie Ericsson an der Dekarbonisierung ihrer Wertschöpfungskette sowie an energieeffizienter Netzwerktechnik. Dangote Cement (Nigeria) setzt auf alternative Brennstoffe und effizientere Transport- und Lieferkettenprozesse, Elsewedy Electric (Ägypten) auf nachhaltige Materialien und Energie-effizienz entlang der Wertschöpfungskette. Safaricom (Kenia) legt den Fokus auf Lieferketten und erneuerbare Energie und berichtet transparent über Scope-3-Emissionen. Die marokkanische OCP Group arbeitet an nachhaltigeren Rohstoffen und Transportwegen.
Zu den weltweit ambitioniertesten Scope-3-Zielen in verschiedenen Abstufungen zählen Unternehmen wie Apple, das bis 2030 vollständige Scope-3-Neutralität erreichen will und dabei auf recycelte Materialien und die Dekarbonisierung seiner Lieferanten setzt, sowie Microsoft, das ebenfalls bis 2030 Net Zero für Scope 3 anstrebt und dafür Lieferketten, Cloud Infrastruktur und Kreislaufwirtschaft adressiert. Auch Ikea und PepsiCo planen bis 2030 deutliche Reduktionen von 50 beziehungsweise 40 Prozent, während die DHL Group bis 2050 Scope-3-Net-Zero erreichen will und dabei vor allem Transport, Logistik und alternative Kraftstoffe in den Mittelpunkt stellt.
Es tut sich also etwas – weltweit und oft unabhängig von autoritären Regimen.