Heiße Tage im Aufwind
Doch nicht nur die Hitzewellen haben kräftig zugelegt, sondern auch die Zahl der heißen Tage, an denen die Temperatur laut der Definition des Deutschen Wetterdienstes mindesten die 30-Grad-Celsius-Schwelle erreicht. Erfüllten zwischen 1961 und 1990 nur durchschnittlich 4,2 Tage dieses Kriterium, waren es zwischen 1991 und 2020 schon 8,9 Tage. In den Jahren 2003, 2015, 2018 (Rekordjahr mit 20,4) und 2022 gab es in Deutschland laut DWD gemittelt sogar 18 bis 20 heiße Tage, 2025 immerhin noch 11,1 heiße Tage. In den 50 Sommern vor dem Jahr 2000 hatten gerade mal drei Jahre den Sprung auf zehn Hitzetage geschafft.
In den Jahren zwischen 2015 und 2020 erlebte Europa eine beispiellose Trockenperiode, wie es sie in über 2100 Jahren zuvor niemals gegeben hatte. Zwei auch nur annähernd vergleichbare Sommerdürren hintereinander wie 2018 und 2019 waren in den zurückliegenden 250 Jahren niemals aufgetreten.
Treibhausgaseffekt
Treibhausgase wirken wie ein Glasdach eines Gewächshauses. Sie lassen das kurzwellige Sonnenlicht ungehemmt auf die Erde einstrahlen. Diese Strahlung wird von der Erdoberfläche teilweise aufgenommen und nach Umwandlung in langwellige Wärmestrahlung wieder gen Atmosphäre reflektiert, wo die Treibhausgase diese Wärmestrahlung daran hindern, ins All zu entweichen. Dadurch staut sich die Wärme an und heizt die Atmosphäre auf. Ohne den natürlichen Treibhauseffekt würden auf der Erde statt der aktuellen Durchschnittstemperatur von plus 15 Grad Celsius unwirtliche Temperaturen von minus 18 Grad Celsius herrschen. Problematisch ist allerdings die zusätzliche Konzentration an Treibhausgasen in der Atmosphäre durch menschliche Aktivitäten seit Beginn der Industrialisierung vor allem durch das Verbrennen fossiler Rohstoffe wie Erdöl, Erdgas oder Kohle. Dadurch wird das bildliche Glasdach immer undurch-lässiger, die Wärmestrahlen gelangen zurück zur Erde und diese heizt sich zunehmend auf.
Die offiziellen Allzeit-Hitzerekorde in Deutschland wurden am 25. Juli 2019 mit 41,2 Grad Celsius in Duisburg-Baerl und Tönisvorst
(beides in NRW) gemessen.
Rapide Zunahme von Hitzewellen
Laut Angaben des Weltklimarates (IPCC) hat der vom Menschen verursachte Klimawandel seit den 1950er-Jahren zu einer signifikanten Zunahme der Häufigkeit, Intensität und Dauer sogenannter Hitzewellen geführt. Eine international verbindliche Definition des Begriffs Hitzewellen gibt es bislang nicht. Der Deutsche Wetterdienst (DWD) spricht von einer Hitzewelle, sobald die Temperatur an mindestens drei aufeinanderfolgenden Tagen über 28 Grad Celsius liegt. Die beiden extremsten Hitzewellen seit dem Jahr 1950 mussten im April 1998 Südostasien und im November 1985 Südbrasilien erleiden. Falls der Ausstoß an Treibhausgasen nicht erheblich reduziert werden kann, prognostiziert der IPCC besonders für Europa bis Ende des Jahrhunderts das Auftreten von besonders langen Hitzewellen (bis zu 60 Tagen) – und zwar jährlich oder alle zwei Jahre.