Für die Frauen des 1. FC Saarbrücken könnte es kaum besser laufen: Nach dem 7:0 gegen den SC 13 Bad Neuenahr stehen sie mit elf Punkten Puffer und ungeschlagen an der Tabellenspitze. Können sie sich diese Saison am Ende vergolden?
Die Nachmittagssonne fällt durch die Tribünen des Ludwigsparks auf den Rasen. Der Jubel ist noch nicht abgeklungen – weder aus den Rängen noch auf dem Platz. Lachend stehen die Spielerinnen auf dem satten Grün, umgeben von einem Gefühl, das sich nur schwer greifen lässt: die Gewissheit, dass hier gerade etwas richtig Großes wächst.
Die Frauen des 1. FC Saarbrücken stehen an der Spitze der Regionalliga Südwest. 46 Punkte, elf Zähler Vorsprung auf die Zweitplatzierte SV Elversberg – und nur noch sechs Spieltage vor der Nase. „Die Tabelle spricht für sich“, sagt auch Trainer Taifour Diane. „Wir haben uns diese Saison vieles vorgenommen und bis jetzt spielt die Mannschaft überragend. Leistung, Ansatz und Ergebnisse stimmen.“ Seit 2016 ist Diane im Amt, hat Siege gefeiert, Rückschläge verkraftet und nun eine Mannschaft geformt, die stabil wirkt wie selten zuvor. Auch Kapitänin Lena Ripperger sieht den bisherigen Verlauf positiv: „Wir haben viele Punkte gesammelt, außer einem 2:2 gegen Elversberg immer gewonnen“, sagt sie. „Ich glaube, bisher können wir da sehr zufrieden sein.“
Diese Konstanz spiegelt sich nicht nur in der Tabelle wider, sondern auch im Auftreten auf dem Platz. Besonders in den Heimspielen im Ludwigspark wird das sichtbar – und spürbar. Beim jüngsten Auftritt passte nahezu alles zusammen. Mit einem souveränen 7:0 setzten sich die Molschderinnen gegen den SC 13 Bad Neuenahr durch. Ripperger spricht von einem regelrechten „Flow“, in dem sich die Mannschaft befand. „Dass das Ergebnis am Ende dann so hoch ausfällt, damit hätte natürlich keiner gerechnet.“
Auch Larissa Theil ist mehr als zufrieden mit der Partie: „Wir haben sehr schnell gespielt, waren sehr effizient“, sagt die Verteidigerin. „Uns ist alles gelungen, was wir und vorgenommen haben – und das vor einer hammer Kulisse.“ Denn seit einiger Zeit spielt die Saarbrücker Damenmannschaft im heimischen Ludwigsparkstadion. „Viele von uns sind ja auch Fans und da ist es natürlich noch einmal umso besonderer, im Ludwigspark spielen zu können“, sagt Theil. „Wir sind es ja gar nicht gewohnt, vor so einer Atmosphäre zu spielen“, betont auch Ripperger. Die Stimmung, die Fans – das alles gebe „nochmal einen Push“, sagt sie. „Und das fühlt sich einfach gut an.“ Zufrieden ist auch Trainer Diane, sieht aber auch noch Verbesserungspotential: „Wir machen viele Tore, aber wir lassen auch noch viele Chancen liegen“, sagt er. Genau daran werde in den kommenden Wochen weitergearbeitet.
Defensiv läuft es hingegen nahezu tadellos: Gerade einmal fünf Gegentore haben sich die Blau-Schwarzen eingefangen – mit Abstand der beste Wert der Liga. Dagegen stehen 75 Tore aus den bisher bestrittenen 16 Spielen. Dazu kommt eine gute Dynamik im Team selbst: „Wir haben einen sehr großen Zusammenhalt“, sagt Kapitänin Ripperger. „Wir hatten diese Saison viele Neuzugänge – auch wenn viele davon früher schon einmal hier gespielt haben braucht es trotzdem immer Zeit, bis sich das eingespielt hat.“
Schnell wieder eingespielt hatte sich auch Larissa Theil, als diese 2023 nach einem Zwischenstopp bei der SV Elversberg nach Saarbrücken zurückkehrte – mit gesammelter Zweitligaerfahrung im Gepäck. Theil brachte dabei nicht nur ihrer Qualität mit, sondern auch einen wichtigen Vergleich: Sie weiß, wie groß der Schritt in die 2. Bundesliga ist. „Das Tempo ist viel höher, die Spielerinnen sind individuell stärker und die körperliche Verfassung ist besser. Da herrscht ein ganz anderer Druck“, sagt sie. Ein Druck, der für Saarbrücken bald Realität werden könnte – zumindest theoretisch. Denn selbst wenn man ihnen die Meisterschaft mit nur zwei weiteren Siegen schon nicht mehr wegnehmen kann, ist der Aufstieg im Frauenfußball kein Selbstläufer. Der Regionalligameister aus dem Südwesten muss in die Relegation gegen die Nordost-Staffel. Ein System, das sportlich reizvoll, aber auch umstritten ist. Ripperger sieht es pragmatisch: „Wir kennen die Situation. Wir nehmen sie so an und versuchen, wenn es so weit kommt, unser Bestmögliches zu tun“, sagt sie.
Die Relegation in greifbarer Nähe
Die Erfahrung mit dem System hat Lena Ripperger bereits gemacht. In der Saison 2021/22 scheiterte Saarbrücken in der Relegation am 1. FC Köln II aus der Regionalliga West. Während das Hinspiel 2:2 endete, sollte das Rückspiel zu einem waschechten Fußball-Krimi werden, das erst im Elfmeterschießen für die Kölnerinnen entschieden werden konnte. „Das war sehr emotional, dass es am Ende nicht gereicht hat“, erinnert sie sich. So wirklich über die Relegation sprechen will aber noch keiner. „Wir sind Tabellenführer, aber theoretisch kann noch was passieren“, betont Trainer Diane. „Wir bleiben fokussiert auf unsere Spiele. Wenn die Meisterschaft durch ist, kümmern wir uns komplett um die Relegationsspiele.“ Träumen ist natürlich dennoch absolut erlaubt: „Es ist ein bisschen unausweichlich, dass man an die Relegation denkt“, sagt Theil. „Aber wir leben im Hier und Jetzt und gehen von Spiel zu Spiel.“ Und das bedeutet konkret für den 19. April ein Besuch beim Tabellenzehnten (von zwölf Teilnehmern) FC Urbar bevor eine Woche später (Sonntag, 26. April, 14 Uhr) die Revanche gegen die SV Elversberg ansteht. Dann auch im Ludwigspark. Mit traumhafter Kulisse und einer Stimmung, bei der man sich eigentlich so oder so nur als Siegerinnen fühlen kann. Und vielleicht sind Meisterschaft und Relegationsteilnahme genau dann auch schon sicher in Saarbrücker Händen.