Der 1. FC Kaiserslautern reagierte auf die Auswärtsniederlage in Nürnberg mit einem souveränen 3:0-Heimsieg gegen Fortuna Düsseldorf. In Überzahl taten sich die Roten Teufel lange schwer, blieben aber geduldig – und wurden nach der Pause belohnt.
Der 1. FC Kaiserslautern hat die geforderte Reaktion gezeigt – und sich zugleich einmal mehr als Heimmacht präsentiert. Beim 3:0 gegen Fortuna Düsseldorf betrieben die Roten Teufel die von Trainer Torsten Lieberknecht eingeforderte „Wiedergutmachung“ und setzten sich nach einer über weite Strecken kontrollierten, aber zunächst zähen Partie am Ende deutlich durch. „Ich habe eine Wiedergutmachung erwartet“, hatte Lieberknecht im Vorfeld gesagt – und genau diese bekam er also. „In so einem Spiel ist es wichtig, ruhig zu bleiben, konzentriert weiterzuarbeiten, bis dann der Türöffner kommt. Von daher mache ich meiner Mannschaft ein großes Kompliment.“
Bassette setzte viele Akzente
Vor 47.778 Zuschauern im Fritz-Walter-Stadion begann die Partie zunächst ausgeglichen, wobei die Lautrer früh erste Akzente setzten. Immer wieder war Norman Bassette in gefährlichen Aktionen involviert. Bereits in der sechsten Minute prüfte der Belgier Düsseldorfs Schlussmann Florian Kastenmeier, wenig später setzte er nach einer Ecke einen weiteren Versuch knapp neben den Pfosten. Die Anfangsphase gehörte dem FCK, ohne dass sich daraus bereits klare Vorteile ergaben. Der erste entscheidende Moment folgte nach gut 20 Minuten – und stellte das Spiel auf den Kopf. Nach einem Steckpass von Luca Sirch entwischte Bassette seinem Gegenspieler Sima Suso, der den Lautrer kurz vor dem Strafraum zu Fall brachte. Schiedsrichter Daniel Schlager wertete die Szene als Notbremse und zeigte die Rote Karte (22.). Es war der Knackpunkt in einem bis dahin ausgeglichenen Spiel. Mit einem Mann mehr änderten sich die Voraussetzungen grundlegend – und stellten Kaiserslautern zugleich vor eine neue Aufgabe. Statt auf Umschaltmomente zu lauern, mussten die Gastgeber nun selbst das Spiel gestalten. „Überzahlspiel kann auch manchmal schwierig werden“, sagte Semih Sahin – und traf damit den Kern der folgenden Minuten. Denn trotz klarer Feldüberlegenheit tat sich der FCK schwer, Lösungen gegen tiefstehende Düsseldorfer zu finden. Direkt nach dem Platzverweis bot sich zwar eine Doppelchance durch Marlon Ritter und Mergim Berisha, doch danach fehlte es lange an Tempo, Kreativität und Durchschlagskraft. Düsseldorf zog sich weit zurück, verteidigte kompakt und ließ kaum Räume zu. In Überzahl war Kaiserslautern dann das dominierende Team, wusste mit dem Ball aber nicht immer etwas anzufangen.
Auch nach der Pause blieb das Bild zunächst unverändert. Kaiserslautern hatte viel Ballbesitz, fand aber kaum Lücken. Ritter prüfte Kastenmeier aus der Distanz, ansonsten blieb es bei Halbchancen. Düsseldorf verteidigte leidenschaftlich und hielt die Partie offen. „Wir waren bis zum Platzverweis auf Augenhöhe, haben auch danach leidenschaftlich verteidigt – das Ergebnis ist auf jeden Fall am Ende zu hoch ausgefallen“, sagte Fortuna-Trainer Markus Anfang. Dass der FCK dennoch nicht die Geduld verlor, war für Lieberknecht ein entscheidender Faktor. „Es war eine konzentrierte Leistung – vor allen Dingen in der Defensive. Weil man auch in Überzahl manchmal vielleicht den Kopf verliert. Deswegen war auch da das Augenmerk, dass wir in der Restverteidigung hochkonzentriert alles wegarbeiten. Und das haben wir gemacht.“ Die Belohnung folgte nach gut einer Stunde – und kam, wie so oft in solchen Spielen, nach einem Standard. Eine Ecke wurde zunächst geklärt, doch Ritter brachte den zweiten Ball erneut präzise vor das Tor. Jacob Rasmussen stieg hoch und köpfte aus kurzer Distanz zur Führung ein (62.). „Es ist kein schlechtes Gefühl“, sagte der Torschütze später. „Aus einem Standard – das ist natürlich immer schön. Das ist so der Dosenöffner. Und dann konnten wir nachlegen.“ Dieser „Dosenöffner“ veränderte die Statik der Partie. Düsseldorf musste nun etwas mehr riskieren, wodurch sich für Kaiserslautern Räume ergaben. Die Gastgeber verlegten sich wieder stärker auf Umschaltmomente – und nutzten diese konsequent. „Wir haben gewusst: Wenn wir geduldig bleiben, werden die irgendwann müde und wir werden unsere Chancen kriegen“, erklärte Rasmussen. In der 76. Minute fiel die Vorentscheidung. Über die linke Seite kam erstmals Tempo ins Lautrer Spiel, Mika Haas trieb den Ball nach vorne, über Mergim Berisha landete dieser bei Sahin, der aus 18 Metern flach ins kurze Eck abschloss – 2:0. Wenig später hätte Sahin sogar erhöhen können, scheiterte jedoch frei vor Kastenmeier.
Anfang sah Partie auf Augenhöhe
Den Schlusspunkt setzte schließlich Daniel Hanslik in der Nachspielzeit (90.+6), als er die letzte Aktion der Partie zum 3:0 nutzte. Ein Ergebnis, das den Spielverlauf in seiner Deutlichkeit zwar etwas überzeichnete, die Geduld und Konsequenz der Lautrer aber widerspiegelte. „Ich finde, fußballerisch haben wir das gut gemacht“, sagte Rasmussen. „Und das müssen wir mal mitnehmen: Dass wir eine geile Truppe sind. Wir können gut kicken. Energie müssen wir sowieso immer bringen. Aber diese Qualität am Ball, die war heute super.“ Mit nun 43 Punkten bleibt der FCK auf Rang sieben der Tabelle und untermauert seine Heimstärke. Zehn Siege aus 15 Spielen im Fritz-Walter-Stadion sprechen eine klare Sprache. Gleichzeitig bleibt die Diskrepanz zwischen Heim- und Auswärtsauftritten ein zentrales Thema. „Wir spielen die Auswärtsspiele nicht absichtlich so schlecht“, sagte Sahin. „Aber wir haben auch bei Hertha etwas gutzumachen.“
Auch Lieberknecht fand deutliche Worte mit Blick auf die kommenden Aufgaben: „Es geht um diese Einstellung, diese Anspannung, dieses Gefühl, dass die fast 48.000 Zuschauer, die hier im Stadion sind, uns auch auswärts zuschauen. Das habe ich der Mannschaft gesagt, dass sie das, was sie hier transportieren, ab dem Moment, wenn sie in den Bus steigen, dass sie das auch auswärts fühlen müssen.“ Der Auftritt gegen Düsseldorf lieferte dafür zumindest eine klare Grundlage. Geduld, defensive Stabilität und die Fähigkeit, im richtigen Moment zuzuschlagen – all das zeigte der FCK an diesem Nachmittag. Nun gilt es, diese Qualitäten auch in die Fremde zu übertragen.