Spätestens mit den Osterfeiertagen ist die Wintersportsaison auch offiziell zu Ende gegangen. Im Blickpunkt standen erwartungsgemäß die Olympischen Winterspiele. Deutschland beendete den Wettbewerb in Mailand/Cortina mit einer durchwachsenen Bilanz auf dem 5. Platz im Medaillenspiegel. Mit 26 Medaillen (8x Gold, 10x Silber, 8x Bronze) wurden die Top-3-Erwartungen knapp verfehlt, wobei die Eissportarten (Bob, Rodeln, Skeleton) erneut die meisten Erfolge lieferten. Im Anschluss gingen die Schuldzuweisungen los. Peinlich wurde es vor allem bei den Eisschnellläufern. Fridtjof Petzold monierte fehlende Unterstützung durch den Bundestrainer. Die Pressesprecherin des Verbandes konterte wiederum scharf und keulte gegen den Athleten. Welch Wunder, ist sie doch die Ehefrau des Trainers. „Die größten Probleme des deutschen Sports sind weder angeblich unmotivierte Nachwuchssportler noch fehlendes Geld“, analysierte die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“. Das Problem liegt auf der Hand. Die große Politik wird im DOSB gemacht. Läuft was schief, wird die Verantwortung nach unten zu den Verbänden delegiert. Dort geht es traditionell Deutsch zu. Vereinsmeierei auf mäßigem Niveau, fehlende Fachkompetenz und nicht vorhandene Selbstreflexion durchziehen den deutschen Sport wie ein roter Faden. Im Blickpunkt sollten die Athleten stehen, doch das tun sie so selten. Gerade kleinere Sportarten, die nicht so oft im Blickpunkt stehen, benötigen Idole. Es gab Zeiten, da jubelten die Wohnzimmer der Republik, wenn Markus Wasmaier auf der Piste war, da wurde Dieter Thoma vom Fernseher aus zum Sieg bei der Vierschanzentournee geschrien.
Es heißt oft, dass der mächtige Fußball alles überragt. Das mag sein. Aber wo sind die Wasmaiers und Thomas der Neuzeit? Es ist übrigens kein exklusives Problem der Wintersportarten. In vielen Sportarten wird Deutschland abgehängt. Tennis, durch Boris Becker und Steffi Graf jahrelang Volkssport Nummer zwei, läuft im TV unter „ferner liefen“. Damen in der Weltspitze gibt es keine mehr. Sascha Zverev zählt zwar zur Weltspitze, hat aber noch kein großes Turnier gewonnen. Sportliche Erfolge, die Identifikation mit Idolen, das alles trägt zur gesellschaftlichen Geschlossenheit bei. Und die fehlt schon lange in der Bundesrepublik. Der Sport könnte da gegensteuern. Doch die Potenziale bleiben ungenutzt.