Schauspielerin Rosario Dawson spielte in Filmen von Spike Lee, Quentin Tarantino und Danny Boyle mit, zudem ist sie Teil des Marvel- und „Star Wars“-Universums. Schon lange setzt sie sich aber auch für Umweltschutz und soziale Gerechtigkeit ein.
Rosario Dawson kam 1979 in Coney Island, Brooklyn, zur Welt. Sie ist das Kind einer puertoricanischen Mutter, die Rosario mit 16 Jahren bekommen und den leiblichen Vater nie geheiratet hat. Später heiratete sie einen Bauarbeiter. Die neue Familie zog nach Manhattan in die Lower East Side. Rosario saß dort gerne auf der Treppe vor dem Haus und schaute sich das bunte Treiben auf der Straße an. Und genau dort wurde sie auch 1995 vom Fotografen und Regisseur Larry Clark und seinem Partner Harmony Korine entdeckt. Die beiden überredeten die 15-jährige Rosario dazu, in ihrem ersten Film mitzuspielen, „Kids“, der damals wegen der offenen Darstellung von Sex unter Minderjährigen, Drogengebrauch und der Aids-Problematik ziemliches Aufsehen erregte.
Auf der Straße entdeckt
Rosario bekam dafür 1.000 Dollar Gage, die sie dafür verwendete, mit ihrer Familie nach Texas zu reisen, um Verwandte zu besuchen. Wieder zurück in New York entschloss sich Rosario dazu, es mit der Schauspielerei zu versuchen, und ließ sich im legendären Lee Strasberg Theatre Institute ausbilden. Aus der blutigen Anfängerin wurde eine veritable Darstellerin, auf die schon bald auch der New Yorker Regisseur Spike Lee aufmerksam wurde. 1998 besetzte er sie in seinem Film „Spiel des Lebens“.
Ende der 1990er-Jahre spielte Rosario Dawson noch in weiteren Independent-Produktionen mit, bevor sie 2002 mit dem Blockbuster „Men in Black II“ (2002) an der Seite von Will Smith auch ins Big-Business-Filmgeschäft einstieg. Sie erinnert sich: „Das war der Wendepunkt in meiner Karriere. Plötzlich war ich in Hollywood gefragt, bekam bessere Angebote und höhere Gagen und hatte die Gelegenheit, mit renommierten Regisseuren zu arbeiten. Das war für mich als Schauspielerin natürlich ein großes Geschenk.“
So spielte sie etwa an der Seite von Eddie Murphy in „Pluto Nash – Im Kampf gegen die Mondmafia“ (2002) und in Oliver Stones „Alexander“-Epos (2004). Danach stand sie in dem ersten von zwei „Sin City“-Filmen vor der Kamera, wo Quentin Tarantino sie sah und anschließend unbedingt für seinen Grindhouse-Thriller „Death Proof“ (2007) haben wollte. Ein weiterer Höhepunkt für Rosario Dawson war ihr Mitwirken in der Verfilmung des gleichnamigen Broadway-Musicals „Rent“ (2005). „Das war eine wunderbare Erfahrung für mich, denn der Film spielt ja in der Lower East Side, wo ich selbst aufgewachsen bin, und die längst zu einem sozialen Brennpunkt geworden war. Der Film zeigt auf sehr unterhaltsame Weise die Nöte und Ängste der Menschen, aber auch die überschäumende Freude und Liebe.“ Für ihre Rolle als exotische Tänzerin Mimi Marquez wurde sie mit dem Satellite Award for Best Supporting Actress ausgezeichnet.
Obwohl Rosario Dawson mittlerweile mit ihrer Tochter, die sie 2014 als Zwölfjährige adoptierte, auf dem Land lebt, ist sie bis heute im Herzen immer noch eine echte New Yorkerin. Mit Grausen hat sie allerdings mitansehen müssen, wie ihre geliebte Lower East Side mit der Zeit total gentrifiziert wurde und die vielen kleinen Cafés, Restaurants, Geschäfte und Clubs vertrieben wurden. „Natürlich wünsche ich mir, dass ich die Straße entlanggehen kann, ohne auf herumliegende Heroinspritzen zu treten. Und ich finde es auch gut, dass es eine Feuerwehr und Polizei gibt, die zur Stelle ist, wenn man sie braucht. Aber wohin hat man denn all die Künstler, Musiker und Menschen ohne festen Wohnsitz vertrieben?“
Bei Kundgebung verhaftet
Rosario Dawsons soziales Gewissen wurde schon in ihrer Jugend geschärft. „Ich wuchs inmitten von politischen Aktivisten auf und habe mit eigenen Augen gesehen, wie in den 80er-Jahren die Menschen bei Protestveranstaltungen von der Polizei niedergeknüppelt wurden. Ich habe gesehen, wie sich die Stadt veränderte. Das war wirklich sehr lehrreich.“ Um zu retten, was noch zu retten ist, unterstützt sie schon lange die Organisation „Good Old Lower East Side“. Bei einer Protestkundgebung für den Erhalt dieses Künstler- und Wohnviertels wurde sie auch schon mal in Handschellen abgeführt. Darüber kann sie aber nur lachen: „Es macht mir überhaupt nichts aus, wenn ich für mein soziales Engagement verhaftet werde. Denn ich weiß, dass ich für eine gerechte Sache kämpfe!“
Obwohl Rosario Dawson mittlerweile zu einem veritablen Hollywood-Star avancierte, hat sie nie vergessen, wo sie herkommt. Das mag mit ein Grund dafür sein, dass sie neben lukrativen Rollen immer wieder gern in Low-Budget-Independent-Filmen mitspielt, um junge Künstler aktiv zu unterstützen. Wenn sie also nicht gerade, wie in jüngster Zeit, als Jedi-Kriegerin in der Star-Wars-TV-Show „Ahsoka“ die Galaxie far, far away rettet, setzt sich Rosario Dawson vehement für Umweltschutz ein und ist auf diversen Plattformen tätig. Sie ist die Mitbegründerin von Voto Latino (votolatino.org), einer überparteilichen Graswurzel-Organisation in den USA, die es zu ihrem Anliegen gemacht hat, junge Latino-Wähler zu registrieren und sie über politische Themen aufzuklären.
Außerdem setzt sich die Organisation auch für sauberes, nachhaltiges Klima, sauberes Wasser und Umweltgerechtigkeit ein. Rosario Dawson sagt dazu: „Wir beobachten sehr genau, was mit unserem Planeten passiert. Die Weltmeere heizen sich durch die globale Erwärmung immer weiter auf, was zur Folge hat, dass die Korallenriffe ausbleichen und absterben. Gletscher schmelzen mit dramatischer Geschwindigkeit. Es gibt immer mehr verheerende Stürme, die Überschwemmungen verursachen, bei denen Menschen sterben und Existenzen zerstört werden. Es ist wirklich allerhöchste Zeit, dass wir dafür sorgen, dass viel mehr Politiker sich couragiert für das Klima einsetzen.“
Natürlich weiß Rosario Dawson ganz genau, dass Umweltschutz immer politisch ist. Deshalb nutzt sie ihren Promi-Status auch ganz bewusst dafür, Politiker für ihre Sache zu gewinnen. So ist es kein Zufall, dass sie drei Jahre in einer Beziehung mit dem US-Senator der Demokratischen Partei Cory Booker war, der sich unter anderem auch den Umweltschutz auf seine Fahnen geschrieben hat. Seit 2022 ist sie übrigens mit dem nigerianischen Politiker und Umweltaktivisten Nnamdi Okafor liiert.
Gartenprojekt für grüne Städte
Im Jahr 2023 rief Rosario Dawson auch die „Rio Dawn Foundation“ ins Leben, zur finanziellen Unterstützung von Organisationen, die für Umweltgerechtigkeit kämpfen. Außerdem initiierte sie die „Too Hot Not To Vote“-Kampagne, die Politiker unterstützt, die sich für saubere Energien starkmachen. Rosario Dawson hat auch schon länger umweltfreundliche Praktiken in der Mode-Industrie eingeführt, allen voran bei ihrem eigenen Label „Studio One Eighty Nine“.
Sie wird auch nie müde, ihr bewusstes Umweltengagement in unterschiedlichen Diskussions-Foren und TV-Auftritten publik zu machen, außerdem auch mittels diverser Dokumentarfilme, darunter „The Need To Grow“ und „Common Ground“, in denen es um Bodenfruchtbarkeit, nachhaltige Landwirtschaft und regenerative Anbaumethoden geht – die auch vor dem Hintergrund des sich verändernden Klimas von großer Bedeutung sein werden. Was ihr aktuell am meisten am Herzen liegt, sieht man in dem „Climate Victory Gardens“-Video, das sie zusammen mit dem „Gangsta Gardener“ Ron Finley gemacht hat. Da zeigen die beiden Umweltaktivisten, dass es nicht mehr nur genügt, sich nur für Nachhaltigkeit einzusetzen, sondern vor allem für eine regenerative Lebensweise: also eine, bei der man Ressourcen schont, sich für Bodenregeneration einsetzt, erneuerbare Energiequellen nutzt und biologische Systeme heilt. Im Klartext: Überall, wo es möglich ist, soll man lebendige Nutzgartenflächen anlegen.
„Climate Victory Gardens“ wurde inspiriert von den sogenannten „Victory Gardens“, die während des Ersten und Zweiten Weltkriegs angelegt wurden. Im Jahr 1944 gab es in den USA fast 20 Millionen dieser „Victory Gardens“, die insgesamt acht Millionen Tonnen Nahrung produzierten, über 40 Prozent der frischen Früchte und Gemüse, die in den USA konsumiert wurden. Rosario Dawson dazu: „‚Climate Victory Gardens‘ können auch heute noch 35 Prozent der Nahrung für eine Gemeinde liefern, die – wo immer es geht – diese Gärten anlegen. Und die später die Früchte ihrer Arbeit ernten. So kann der Treibhausgas-Ausstoß signifikant vermindert werden, und das Klima kann sich wieder erholen. Es ist noch nicht zu spät.“ Rosario Dawson arbeitet auch immer wieder mit der Organisation Green America (www.greenamerica.org) zusammen, die 1982 gegründet wurde und umweltfreundliche Strategien für Firmen, aber auch für Privathaushalte entwickelt hat, um die Umwelt zu schonen. Schon längst ist Rosario Dawson für viele Menschen ein Vorbild in Sachen Umweltschutz geworden. In der Liste des US-Magazins „Time“ wurde sie 2024 als eine der einflussreichsten Persönlichkeiten im Kampf gegen den Klimawandel aufgeführt.