Alba Berlin spielt um die letzten Vorrundenpunkte in der Basketball-Bundesliga. Parallel treibt der Club aber auch ein Projekt voran, mit dem er in völlig neue Dimensionen stoßen würde.
Für Alba Berlin geht es in diesen Wochen vor allem um den Endspurt in der BBL-Hauptrunde. Um die bestmögliche Ausgangssituation für die anstehenden Playoffs. Um die Chancen auf den zwölften Meistertitel der Vereinsgeschichte. Doch hinter den Kulissen arbeiten die Macher auch an einem Multimillionenprojekt, das die Zukunft des Clubs maßgeblich beeinflussen würde. Gemeint ist der geplante Start in der NBA Europe, dem europäischen Ableger der besten Basketballliga der Welt. Und damit einhergehend der Umzug in eine neue Heimat: der Alba-Campus in Berlin-Adlershof mit einer 16.000 bis 20.000 Zuschauer fassenden Arena als Herzstück. Die entsprechenden Pläne stellte Alba-Geschäftsführer Marco Baldi kürzlich im Sportausschuss des Berliner Senats vor – und stieß dabei auf wohlwollende Reaktionen. „Die NBA braucht einen Standort in der Sporthauptstadt Berlin – und Alba hat endlich eine Heimstätte für den Profisport und die Nachwuchsförderung“, sagte Sportsenatorin Iris Spranger von der SPD.
Die Politik ist mit im Boot
Warum die Politik bei dem Mega-Projekt mit ins Boot geholt werden muss, ist klar: Das Gelände des Technologieparks Adlershof, auf dem die Mehrzweckhalle und die anderen Einrichtungen gebaut werden sollen, gehört dem Land Berlin. Es bedarf also der Genehmigung durch den Senat, um wie vorgesehen auf einem freien Feld zwischen den S-Bahnhöfen Adlershof und Johannisthal den neuen Alba-Campus zu errichten, zu dem auch ein Trainingszentrum für Männer, Frauen und die Nachwuchsteams zählen soll. Auch eine Kita und Oberschule inklusive Basketball-Internat soll vor Ort neu entstehen. Alba ist seit Jahren im Schulsport stark vernetzt, engagiert sich in diesem Bereich auch mit sozialen Projekten. „Wir reden nicht nur über eine Arena, sondern über einen Campus“, sagte Baldi: „Für uns ist es unerlässlich, dass wir unsere Tätigkeiten an einem Ort konzentrieren.“ Alba will das Areal für Fans und Besucher weitestgehend öffnen, „wir wollen Angebote für die Menschen im Kiez schaffen“, erklärte Club-Finanzdirektor Daniel Endres.
All das wirft natürlich die Frage nach der Finanzierung des Projekts auf, das einen dreistelligen Millionenbetrag verschlingen wird. Konkrete Angaben zu den Kosten gibt es dazu aber nicht von den Club-Verantwortlichen. „Ich werde hier jetzt keine Zahl raushauen“, sagte Baldi, „aber es wird ein Millionen-Betrag sein“. Und zwar ein hoher. Zum Vergleich: Die Arena am Ostbahnhof, in der Alba den Großteil seiner Spiele bestreitet und die heute das US-Dienstleistungsunternehmen Uber als Namenssponsor hat, kostete rund 165 Millionen Euro. Und der Bau des SAP-Garden in München, wo die Basketballer des FC Bayern und Eishockeyspieler von Red Bull ihre Heimspiele austragen, verschlang satte 320 Millionen Euro.
Dass zur Finanzierung nationale und/oder internationale Investoren mit ins Boot geholt werden müssen, ist zwangsläufig. Dem Vernehmen nach soll sich ein amerikanisches Bankenkonsortium bei Albas Prestigeprojekt beteiligen wollen. Klar ist: Allein kann Alba das Projekt niemals stemmen, und auch die knappen öffentlichen Kassen im Berliner Haushalt können nicht die alleinige Lösung sein. „Wir werden es wirtschaftlich auf solide Füße stellen. Wir wollen es maximal vorantreiben. Damit aus dieser Vision Realität wird“, sagte Baldi. Refinanzieren soll sich die Multifunktionshalle nicht nur mit Spielen von Alba. Laut Planungen sollen dort rund 200 Veranstaltungen pro Jahr stattfinden. Doch Alba will in der neuen Heimat unbedingt der Hauptnutzer sein – anders als aktuell in der Uber Arena am Ostbahnhof.
„Erst Konzerte und andere Veranstaltungen und dann irgendwann Basketball? Das werden wir verhindern. Das darf nicht passieren“, betonte Baldi. Um das zu bewerkstelligen, strebt der Club die Anteilsmehrheit an der Arena an. Klar ist auch, dass die laut Alba hohen Mietkosten dem Basketballclub aktuell ein Dorn im Auge sind. Der Eigner der Uber Arena, die Anschutz-Gruppe aus den USA, nahm die Nachrichten mit Gelassenheit auf. „Dass Alba nach Alternativen sucht, ist länger allgemein bekannt“, sagte ein Sprecher der „B.Z.“: „Daher ändert sich für uns jetzt erst mal nichts.“ In der Tat sucht Alba seit Jahren nach einer Alternative zur Arena am Ostbahnhof, in der die Männer-Profimannschaft des Clubs seit 2008 ihre Heimspiele austrägt.
Aber wann könnte Alba theoretisch in der neuen Heimat auf Korbjagd gehen? Die Premierensaison in der NBA Europe soll bereits im Spätsommer 2027 losgehen, bis dahin ist eine Fertigstellung völlig utopisch. Zu dem Zeitpunkt dürfte nicht einmal der erste Spatenstich stattgefunden haben. Gerade Berlin ist bekannt für einen langen Entscheidungsweg bei solchen Großprojekten – davon kann auch Zweitligist Hertha BSC bei seinem Wunsch nach einem eigenen Fußballstadion ein Lied singen. Das intern gesteckte Wunschziel ist, dass die Basketballer zur Saison 2031/32 in Adlershof spielen – das wäre dann vier Jahre nach dem Startschuss der NBA Europe. „Wir werden überbrücken müssen“, weiß Baldi: „Deshalb brauchen wir eine gute Geschwindigkeit.“ Sollte nicht im Herbst 2029 mit dem Bau begonnen werden, dürfte der Zeitplan nicht einzuhalten sein.
NBA-Teilnahme als Prestigegewinn
All das wird Alba sicher in die Unterlagen geschrieben haben, die der Bundesligist bis Ende März bei der NBA als eine Art Bewerbung eingereicht haben musste. Schon lange ist klar, dass die Macher den Berliner Club gern als eine von zwölf gesetzten Mannschaften aufnehmen würden – sofern die Rahmenbedingungen stimmen. Und dazu zählt vor allem eine moderne Halle mit einem großen Fassungsvermögen, die dem Club aber auch immer zur Verfügung steht. Beim NBA-Pflichtspiel der Orlando Magic mit den Berliner Brüdern Franz und Moritz Wagner gegen die Memphis Grizzlies im Januar geriet NBA-Boss Adam Silver förmlich ins Schwärmen. Die Atmosphäre, Organisation und auch das Interesse in Berlin seien „überwältigend“ gewesen, sagte Silver. Er habe am Rande seines Besuchs natürlich auch Gespräche mit den Alba-Bossen wegen des Europa-Ablegers der Profiliga gesprochen. „Sehr gut“ seien diese Gespräche verlaufen, bestätigte er: „Wir sehen hier eine echte Chance.“
Die NBA will in Europa vor allem Clubs aus den Metropolen in ihrem Portfolio sehen, deshalb erhoffen sie sich auch die Gründung einiger neuer Franchises in Großstädten wie London und Paris. In der deutschen Hauptstadt braucht es das nicht, hier ist Alba Berlin bereits eine Marke und sportlich etabliert. Für den deutschen Bundesligisten wäre die Aufnahme in den elitären Zirkel wieder ein Riesensprung auf dem internationalen Parkett, nachdem der elfmalige Meister sich zu dieser Saison aus Kostengründen aus der Euro League zurückgezogen hat und stattdessen in der zweitklassigen Champions League startete.
Die Teilnahme an der NBA Europe wäre ein riesengroßer Prestigegewinn für Alba – aber auch ein finanzieller Quantensprung. Denn neben den Kosten für den neuen Campus ist auch die Lizenzgebühr für das feste Startrecht in der NBA Europe zu stemmen. Fachportale berichteten hier von rund 500 Millionen US-Dollar (434,3 Millionen Euro). Alles in allem steht Alba also vor einem Milliardenprojekt – auch für den Geschäftsführer sind solche Summen Neuland. „Diese Dynamik ist irre“, sagte Baldi: „Ich lerne gerade fast jeden Tag so viel wie in den letzten 30 Jahren nicht.“