Golf-Fans auf der ganzen Welt hofften auf ein Comeback von Tiger Woods beim US Masters in Augusta. Doch es kommt ganz anders. Der Superstar muss wieder ein privates Chaos lösen – und auch seine Karriere beenden?
Tiger Woods hält sich selbst für einen Mann mit Witz. „Ich denke, dass ich einen guten Sinn für Humor habe und dass ich mehr als bereit bin, über mich selbst zu lachen“, sagte er einmal. Eine Kostprobe davon gab der Golf-Superstar in einem Interview, als ihm folgende Frage gestellt wurde: „Wenn Ihr Golfball sprechen könnte, was würde er sagen?“ Kichernd antwortete Woods: „Nun, er würde wahrscheinlich anfangen zu lachen.“ Damit dürfte der US-Amerikaner auf seine Form angespielt haben, die nach diversen Verletzungen und Operationen weit von seinen besten Tagen als Golfprofi entfernt ist. Dennoch quälte sich Woods von einem Comeback zum nächsten – immer in der Hoffnung, vielleicht doch noch einmal die eine perfekte Runde, das eine perfekte Turnier zu spielen. Vielleicht ja sogar noch einmal einen großen Titel zu gewinnen. Doch jetzt gibt es erhebliche Zweifel, ob der 50-Jährige überhaupt noch einmal aufs Grün zurückkehrt. Sein aufsehenerregender Autounfall zwei Wochen vor dem legendären Masters in Augusta ließ die sportliche Perspektive des Golfstars in den Hintergrund rücken. Alle Fans stellten sich die Frage: Wie steht es um die physische und mentale Gesundheit des 15-maligen Major-Siegers?
Ein Unfall zur falschen Zeit
Der Autounfall ereignete sich nur wenige Kilometer entfernt von seinem Haus auf Jupiter Island in Florida. Woods soll Polizeiangaben zufolge mit seinem Range Rover beim Überholversuch mit überhöhter Geschwindigkeit den Anhänger eines Trucks touchiert haben, woraufhin der Wagen sich überschlug und auf der Seite liegen blieb. Woods machte einen Alkoholtest, der den Wert null ergab. Einen Urintest lehnte er jedoch ab. Das kam den Beamten verdächtig vor, zumal Woods am Unfallort lethargisch gewirkt haben soll. Laut Polizeibericht habe Woods stark geschwitzt, glasige Augen, erweiterte Pupillen sowie Probleme bei den Gleichgewichts- und Koordinationstests gehabt. „Wir glauben, dass das auf die Substanz zurückzuführen war, unter deren Einfluss er stand“, sagte der zuständige Sheriff vom Martin County, John Budensiek. In Woods’ Tasche wurden zwei Tabletten eines verschreibungspflichtigen Medikaments gefunden. Auf die Frage, ob er solche Medikamente einnehme, habe Woods laut Polizeiangaben geantwortet: „Ich nehme ein paar.“
Wegen Drogenverdachts wurde Woods vorläufig festgenommen, erst nach acht Stunden kam er gegen eine hohe Kaution wieder frei. Doch wenig später folgte die offizielle Anklage: Woods wird sich wegen Fahruntüchtigkeit am Steuer und der Verweigerung eines Urintests im Zusammenhang mit dem Unfall vor Gericht verantworten müssen. Woods plädiert auf unschuldig. Die britische Zeitung „Guardian“ berichtete von einer eidesstattlichen Erklärung des Golfstars. Demnach soll dieser angegeben haben, während des Unfalls auf sein Handy geschaut und Einstellungen am Radio vorgenommen zu haben. Deswegen sei der Unfall geschehen.
Das von den Behörden veröffentlichte Polizeifoto von Woods – der sogenannte Mug Shot – schockierte die Fans. Und es erinnerte an ein nahezu identisches Foto vom 29. Mai 2017, als Woods schon einmal wegen des Verdachts auf Drogenmissbrauch am Steuer festgenommen worden war. Damals erklärte der Sportstar seinen Zustand mit einer „unerwarteten Reaktion auf verschriebene Medikamente“ wie Schmerz- und Beruhigungsmittel. Er begab sich später in stationäre Behandlung, nicht wenige Experten prophezeiten ihm damals das Ende seiner aktiven Karriere. Woods aber kämpfte sich zurück ins Leben und auch in den Sport. Und jetzt?
Seit knapp zwei Jahren raus
Eigentlich hatten die Golf-Fans auf der ganzen Welt gehofft, dass Woods beim Masters in Augusta am zweiten Aprilwochenende sein Comeback gibt. Doch dazu wird es nicht kommen. In einer ersten Reaktion nach dem Vorfall kündigte Woods an, sich eine Auszeit zu nehmen. Dauer: unbekannt. „Ich werde mir die Zeit nehmen, die es braucht, um gesünder, stärker und konzentrierter zurückzukommen – sowohl persönlich als auch beruflich“, teilte er über seine Social-Media-Kanäle mit. „Ich weiß und verstehe, wie ernst die Situation ist, in der ich mich heute befinde.“ Ein mögliches Comeback ist auf seiner Prioritätenliste angesichts der prekären privaten Lage deutlich nach unten gerutscht.
Zuvor hatten Spekulationen über einen Start des Topstars beim Masters an Kraft gewonnen, weil angeblich dessen Flugzeug kürzlich in Augusta gesichtet worden war. Außerdem schlug er Trainingsbälle für die neue Indoor-Liga „Tomorrow’s Golf League“. Auch stand plötzlich auf der offiziellen Homepage des Masters in Tiger Woods’ Biografie: „Tiger Woods wird 2026 zum 27. Mal beim Masters antreten.“ Bislang kommt er auf 26 Starts beim Prestigeturnier, das er fünfmal gewinnen konnte und sich danach jeweils das grüne Siegerjackett anziehen durfte. Außerdem tauchte sein Name nicht auf der Liste der ehemaligen Masters-Sieger wie Bernhard Langer auf, sondern in der der vorläufigen Teilnehmer. Viele Fans träumten von einer ähnlich märchenhaften Comeback-Story wie 2019, als der damals schon von etlichen Verletzungen, Operationen und privaten Rückschlägen gezeichnete Woods im Alter von 43 Jahren im Augusta National Golf Club völlig überraschend seinen fünften Titel gewann und selbst Experten verblüffte.
Doch dann kam es im Februar 2021 in Los Angeles ebenfalls zu einem Autounfall, bei dem sich sein Auto mehrfach überschlagen hatte. Woods erlitt komplizierte Brüche am Bein, lag drei Wochen im Krankenhaus und war danach weitere drei Monate an ein Krankenbett gefesselt. Seinen eigenen Angaben zufolge habe sogar die Amputation seines Beins im Raum gestanden. Laut Polizei habe es damals keine Anzeichen für den Einfluss von Alkohol, Drogen oder Medikamenten gegeben. Kaum hatte er sich körperlich wieder etwas berappelt, setzte es die nächsten Rückschläge. Im Vorjahr riss er sich die Achillessehne und wurde an der Bandscheibe operiert. Sportlich kam er so nicht mehr auf die Beine. Seit seinem Autounfall 2021 in Los Angeles nahm der Superstar seines Sports an elf Turnieren teil, nur vier davon konnte er beenden. Seit Juli 2024 hat der 82-malige Turniergewinner auf der PGA Tour kein Profievent mehr gespielt.
„Wie gesagt, ich hatte vorher viele Eingriffe, sodass der Körper nicht ganz so heilt wie damals, als ich 24 war“, hatte Woods vor seinem neuerlichen Autounfall gesagt: „Ich habe also gute Tage, an denen ich so ziemlich alles tun kann, und an anderen Tagen, an denen es schwierig ist, sich einfach zu bewegen.“ Er wolle wieder Profigolf spielen und sich mit den besten der Welt messen. „Ich habe daran gearbeitet“, sagte der frühere Weltranglistenerste.
Doch nach dem neuesten Skandal hatte sich ein Start von Woods in Augusta endgültig erledigt. „Ich liebe Tiger, aber er wird nicht da sein“, hatte US-Präsident Donald Trump in einem Telefoninterview mit Fox News gesagt. Als Trump von dem Autounfall hörte, habe er sich „schlecht gefühlt“. Woods sei ein „enger Freund“ von ihm und ein „erstaunlicher Mann“. Aber: „Er hat einige Schwierigkeiten. Es gab einen Unfall, und das ist alles, was ich weiß.“
Immer noch ein Publikumsmagnet
Für Golfprofi Kevin Kisner ist die Nachricht vom nächsten Woods-Eklat „sehr beunruhigend“. Er berichtete über seinen US-Landsmann: „Er hat wirklich hart an seinem Spiel gearbeitet und versucht, zu trainieren und wieder in Form zu kommen.“ Woods habe auch Hoffnungen gehabt, bei seinem Lieblingsturnier, dem Masters in Augusta, aufzuschlagen. Und Brad Faxon gab zu bedenken, dass ein Woods-Ausfall für das Masters eine große Enttäuschung für die Fans und die Veranstalter sei: „Er ist der größte Anziehungspunkt in unserem Sport.“ Zum Beweis: Schon 2025 konnte Woods nicht beim Masters dabei sein – und die Zuschauerzahlen in der ersten Runde gingen im Vergleich zum Vorjahr um 28 Prozent zurück.
Deswegen hätten die Macher des US Masters nur zu gerne den weltweit populärsten Golfer wieder in ihren Kreis aufgenommen – doch dazu kommt es nun nicht. Für den Sieg wäre Woods aber ohnehin nicht infrage gekommen. Als großer Favorit tritt Scottie Scheffler an. Der US-Amerikaner wird bei nahezu allen Wettanbietern ganz vorne gesehen. Das legendäre grüne Siegerjackett, das sich der Turniergewinner am Schlusstag (12. April) überstreifen kann, ist dabei nur ein zusätzlicher Anreiz von vielen. Im Augusta National Golf Club geht es um den wichtigsten Sieg des Jahres, denn das Masters gilt als prestigeträchtigstes Turnier der Welt. Jedes Jahr treten hier die besten Golfer der Welt in einem meist hochklassigen Wettkampf auf einem perfekt getrimmten und satten Grün an. Das Gelände mit den blühenden Azaleen und den sanften Hügeln besticht durch eine natürliche Schönheit, die Spielbahnen gelten als ikonisch – vor allem die berühmte Amen Corner.
In diesem Jahr steht die 90. Ausgabe an, und nur zu gerne hätte Woods daran teilgenommen. Doch stattdessen muss er ein privates Chaos regeln – wieder einmal. Gut möglich, dass es für ihn diesmal nicht so glimpflich ausgeht wie nach seiner Festnahme 2017, als er sich wegen rücksichtslosen Fahrens schuldig bekannte, eine Bewährungsstrafe erhielt und an einem Ersttäterprogramm teilnahm. Ein Ersttäter ist Woods aber nicht mehr, sollte ihm diesmal wieder eine Straftat nachgewiesen werden. Unabhängig vom Ausgang des zu erwartenden Prozesses ist mehr als fraglich, ob Woods jemals wieder auf den Golfplatz zurückkehrt. Den 15. und letzten seiner Major-Titel hatte er beim Masters 2019 gewonnen, als ihm eines der größten Comebacks der Sportgeschichte gelang. Doch Geschichte wiederholt sich eben nur selten.