„Warn-Apps“ auf dem Smartphone funktionieren im Ernstfall nur mangelhaft. Cell-Broadcast funktioniert besser, doch wer nachts gut schlafen und sein Handy nicht am Bett haben will, kann zu einem DAB+-Radio mit ASA-Warnfunktion greifen.
Die unterschiedlichen Notfall-Warnsysteme hatten wir im Februar 2023 an dieser Stelle besprochen. Doch was helfen diese im zum Glück seltenen Notfall, wenn man eigentlich generell zugunsten eines erholsamen Schlafs aufs Handy am Bett verzichten sollte? Um dennoch mögliche nächtliche Alarmmeldungen mitzubekommen, ist ASA die sinnvollste Option. ASA steht für Automatic Safety Alert (automatische Sicherheitswarnung) und ist eine Funktion, die manche DAB+-Radios inzwischen haben, die als Radiowecker ohnehin am Bett stehen. Leider sind zurzeit erst ein Dutzend DAB+-Radios ASA-alarmfähig, doch wer sich ohnehin ein Gerät neu anschaffen möchte, sollte auf ASA-Fähigkeit achten – und als Radiowecker am Bett gibt es bereits bezahlbare Modelle.
Ortsbezug dank Weiterentwicklung
Vor nicht allzu langer Zeit war EWF – „Emergency Warning Functionality“ – der Standard für solche Warnfähigkeiten: eine deutsche Entwicklung, doch hoffte man auf internationale Anwendung. EWF kann DAB+-Radios auf einen Warnkanal um- und aus dem Stand-by einschalten, eine kurze Sprachmeldung wiedergeben und als EWF+- Text im vom Fraunhofer-Institut entwickelten Journaline-Format auch in Fremdsprachen und für Hörbehinderte angezeigt werden. Was EWF allerdings nicht konnte: Es fehlte der Ortsbezug. Bei EWF konnten nur alle Empfänger im Sendebereich mit einer Warnung beschickt werden – ein Fabrikbrand in Wanne-Eickel ist aber in Berchtesgaden nicht relevant und kein Grund, um zwei Uhr nachts aus dem Schlaf gerissen zu werden, um die Fenster zu schließen. Das wurde nun ergänzt.
Doch heißt das neue System nun nicht EWF 2.0, sondern eben ASA. Ältere verbinden mit der Abkürzung möglicherweise noch die Angabe der Empfindlichkeit von Filmen, aber das ist natürlich nicht gemeint. ASA-Alarmmeldungen können nun also standortbezogen ausgewertet werden. Damit das Radio seinen Standort kennt, muss man ihm diesen nur einmalig eingeben, sofern man mit dem Radio nicht verreist. Dies klingt kompliziert, doch kann der Code des eigenen Standorts über die Website www.asa.radio ermittelt werden.
Autoradios mit ASA gibt es nicht – hier wäre dann vermutlich eine Kopplung mit GPS vonnöten, um immer den aktuellen Standort zu kennen. Bei einem tragbaren Gerät wie dem Technisat Digitradio 1A oder dem Kenwood CR-M25DAB müsste dann der Standort eigentlich je nach Einsatz zu Hause, im Büro oder unterwegs angepasst werden. Allerdings dürfte aktuell die Standorteinstellung weit genauer sein als die Lokalisierung der möglichen Warnmeldungen – während eines Spaziergangs muss der Standort sicherlich nicht aktualisiert werden.
Bei bundesweiten Warntagen, um die Funktionen von Sirenen und Warn-Apps zu testen, wird neben den anderen Systemen künftig auch ASA ausgelöst. Es gibt jedoch auch regionale Testkanäle – in Bayern beispielsweise den DAB-Testkanal 10D, auf dem auf einem Programm nur von den beiden Senderstandorten Wendelstein in Oberbayern und Büttelberg bei Nürnberg mehrmals die Stunde eine Testwarnung kommt. Mit dieser kann man im Empfangsbereich sein Gerät testen.
Doch welche DAB+-Geräte gibt es derzeit, die das Signal verarbeiten können? Beispielsweise das Technisat Digitradio 3 ASA – ein UKW- und DAB+-Radio mit CD-Player und ganz offiziell ASA-zertifiziert. Es ist auch in der Lage, MP3-CDs abzuspielen oder MP3-Dateien über USB. Auch ein Analog-NF-Eingang sowie die Nutzung als Bluetooth-Lautsprecher sind möglich, Internetradio ist dagegen nicht geboten. Kopfhöreranschluss, Sleeptimer und Wecker ergänzen die Funktionen. Durch seine Größe, einen umfangreichen Equalizer und die Technik des Hi-Fi-Herstellers Elac bietet das Digitradio 3 ASA von Technisat auch einen sehr guten Klang und kostet derzeit (Stand: Anfang April 2026) um die 200 Euro. Der DAB+-Empfang ist gut, ebenso die USB-MP3-Wiedergabe. Für Küche oder Schlafzimmer, wo die ASA-Warnfunktion ja auch gefragt wäre, ist dieses Gerät allerdings zu groß und teuer.
Mit dem Technisat Digitradio 3 IR gibt es auch ein Modell zum ähnlichen Preis, das Internetradio via W-Lan bietet, allerdings kein ASA. Beides in einem Gerät schafft der Chipsatz leider nicht. Ebenso gibt es ein Modell Technisat Digitradio 3 Voice mit Sprachsteuerung und -ausgabe, speziell für Menschen mit Sehbehinderung. Das Modell Digitradio 3 ohne ASA und Internetradio kostet zwischen 200 und 280 Euro. Man muss also aufpassen, die Geräte nicht zu verwechseln, um das Richtige zu erhalten.
Andere Hersteller ziehen nach
Ein weiteres DAB+-Radio mit ASA-Funktion, das wir getestet haben, ist das Telestar Top 250 – ebenfalls ein Stereo-Gerät, allerdings etwas kleiner und mit knapp 100 bis 130 Euro (Stand: Anfang April 2026) deutlich günstiger. Der Klang ist mit zehn Watt aus zwei Lautsprechern mit 7,6 Zentimeter Durchmesser etwas weniger füllig als beim Technisat-Gerät, doch für Küche und Schlafzimmer allemal ausreichend. Zudem enthält es einen sehr umfangreichen Equalizer, der für jene, die sich das zutrauen, neben den üblichen Sound-Wahlmöglichkeiten wie „Rock“ oder „Jazz“ ausgiebige grafische und parametrische Einstellungen auf 18 Kanälen bietet.
Zusätzlich bietet dieses Gerät Internetradio über W-Lan und ebenso wie das von Technisat Bluetooth, Analog-in und MP3 via USB-Stick. Dabei kann es aber auf diesem auch aufzeichnen, ob von UKW, DAB+ oder dem Internet, und bei Bedarf auch noch über eine App gesteuert werden. Die Aufnahmemöglichkeit ist in dieser Form einzigartig. Die ASA-Funktion ist vollwertig, allerdings hatte das Top 250 ebenso wie die Mono-Version Top 200 mit nur einem Lautsprecher und dem Top 300, das etwas größer ist und wie das Technisat-Modell zusätzlich CD-Wiedergabe bietet, zum Testzeitpunkt noch keine offizielle ASA-Zertifizierung durchlaufen. Auch hier gibt es Sleeptimer, Wecker, Kopfhöreranschluss und sogar die Möglichkeit, auch Aufnahmen per Timer zu programmieren. Das Telestar-Gerät kostet dabei nur die Hälfte des Technisat-Modells.
Weitere ASA-Radios gibt es von anderen Herstellern. Erwähnenswert sind beispielsweise Albrecht DR 455 und Kenwood CR-ST55DAB als Radiowecker – der erste mit sehr guter Bedienung über Drehknöpfe, allerdings reinem Radioempfang, der zweite auch mit Bluetooth- und MP3-Wiedergabe, aber kniffligerer Bedienung über Drucktasten. Ebenso interessant ist der Kenwood CR-M70DAB als „Seniorenradio“ mit besonders großem Display, Tasten und Drehknopf und einem vereinfachten Menü ähnlich Seniorentelefonen. In Zukunft werden noch viele weitere Radios mit ASA-Warnfunktion auf den Markt kommen.