An den Ostertagen 2026 bekamen die Bundesliga-Basketballerinnen der Saarlouis Royals nichts geschenkt. Nach dem Pokal-Aus schieden sie auch im Kampf um die Meisterschaft vorzeitig aus.
Seit etwa zwei Jahren sind die Saarlouis Royals im Aufwind. Mit dem Pokalsieg und der Deutschen Vizemeisterschaft 2025 in der Bundesliga hatten die Royals ihr Comeback in der nationalen Spitze gefeiert. Schon zum dritten Mal in Folge haben sie sich für das Finalturnier der Deutschen Damenbasketball-Bundesliga (DBBL) qualifiziert, dessen Hauptrunde sie auf Platz zwei abgeschlossen haben. „Wir sind in der Liga und im Pokal dort, wo wir gerne sein wollten“, sagte Royals-Sportdirektor Hermann Paar noch vor wenigen Wochen in FORUM.
Inzwischen trüben zwei Dämpfer die Euphorie der vergangenen Monate: Nach dem – allerdings erwartbaren – frühen Aus im Europapokal scheiterte die Mission Titelverteidigung im DBBL-Pokal bereits im Halbfinale. Mit 67:71 nach Verlängerung musste sich das Team von Cheftrainer Matiss Rozlapa dem späteren Pokalsieger Alba Berlin geschlagen geben. „Das hatte schon sehr geschmerzt und war aus meiner Sicht auch unnötig“, gibt Paar zu. Im Spiel um Platz drei war dann deutlich zu spüren, dass die intensive Partie vom Vortag auch mental Kraft gekostet hatte: Gegen Marburg konnten die Royals um die Nationalspielerinnen Emma Eichmeyer und Jessika Schiffer nicht mehr die entscheidende Energie aufbringen, um sich zumindest Rang drei zu sichern. Die 62:73-Niederlage bedeutete letztlich Platz vier. Alba Berlin setzte sich im Finale überraschend, aber durchaus verdient gegen den favorisierten Titelanwärter aus Keltern durch und sicherte sich den Pokalsieg.
„Schlechte Entscheidungen“
Anfang April dann der zweite Nackenschlag: In der Endrunde um die Deutsche Meisterschaft war für den Vizemeister von 2025 sogar schon im Viertelfinale Schluss. Dort hatten die Königlichen gegen den BC Marburg überraschenderweise das Nachsehen. Nach einem souveränen 79:66-Heimerfolg zum Auftakt der „Best-of-Three“-Serie am Gründonnerstag setzte es im zweiten Duell nach langer Führung doch noch eine 80:84-Niederlage am Karsamstag in Marburg. „Wir haben am Ende ein paar schlechte Entscheidungen getroffen – in der Verteidigung wie auch im Angriff. Marburg hat gut gespielt und sehr gut getroffen – deshalb haben wir gegen sie verloren“, sagte Trainer Matiss Rozlapa nach der Partie. Im entscheidenden dritten Spiel am Ostermontag unterlag Saarlouis dann mit 63:68.
„Wir haben eine ordentliche Saison gespielt, aber in der entscheidenden Phase keine Ergebnisse geliefert“, bringt es Hermann Paar auf den Punkt und ergänzt mit Blick auf das verlorene Viertelfinale gegen Marburg: „Ich kann jetzt nicht sagen, die Mannschaft hätte nicht gewollt. Aber es fehlte die letzte Konsequenz. Man war sich nach dem 95:62-Sieg im letzten Ligaspiel wohl schon zu sicher, dass es am Ende schon für uns laufen würde.“ Als das Team dann im entscheidenden Spiel feststellte, dass es doch nicht so locker läuft wie gedacht, setzte eine kollektive Verkrampfung ein: Im Gegensatz zu den Royals hatten die Marburgerinnen nichts zu verlieren. „Wenn man als Tabellensiebter gegen den Zweiten verliert, kann das passieren. Aber der Zweite sollte nicht gegen den Siebten verlieren. Mit diesem Druck konnten wir nicht umgehen“, muss Paar eingestehen: „Wir haben den mentalen Druck unterschätzt und dann verliert man, obwohl man die besseren Einzelspielerinnen hat. Die bessere Mannschaft hatte im entscheidenden Spiel der BC Marburg.“
Die nun vorzeitig beendete Saison wird von den Verantwortlichen intensiv analysiert und in der Folge sollen entsprechende Schlüsse gezogen werden. Klar ist jedoch bereits jetzt: Der eingeschlagene Weg soll konsequent weiterverfolgt werden. Dazu gehört auch die schon länger geplante Umstrukturierung des Kaders. „Das waren jetzt zwei Rückschläge, die wir verarbeiten müssen. Es ist ja nicht so, dass auf einmal alles schlecht ist. Es gibt sehr viele Vereine, die gerne in unserer Situation wären“, merkt Hermann Paar an und ergänzt: „Hätten wir die zwei Spiele gewonnen, dann würden alle von einer geilen Saison sprechen. So war sie ‚nur‘ ordentlich. Aber wir planen eh langfristig und wollen uns in der Spitzengruppe etablieren.“ Nach der zweiten „ordentlichen“ Saison in Folge steht übrigens auch schon die zweite Europacup-Teilnahme in Folge fest. Ein gutes Argument, um neue, starke Spielerinnen nach Saarlouis zu locken. Welche das sein sollen, steht noch nicht fest. „Es wird viele Veränderungen geben und wir befinden uns in Gesprächen“, sagt Paar dazu.
Hat Coach Rozlapa eine Zukunft?
Auch mit Trainer Matiss Rozlapa wird über die Fortsetzung der Zusammenarbeit gesprochen. Nach einigen „offenen oder versteckten Anfeindungen“, insbesondere in den sogenannten Sozialen Medien, stellt sich der Sportliche Leiter vor den 34-jährigen Cheftrainer: „Jeder macht Fehler, auch Matiss hat Fehler gemacht. Aber er ist prinzipiell ein sehr guter Trainer, der letztes Jahr noch von vielen in den Himmel gehoben wurde. Wir wissen, welche Qualitäten er hat und was wir an ihm haben.“ Bevor Entscheidungen fallen, soll das Geschehene erst einmal sacken. „Nach den Gesprächen werden wir sehen, ob es für uns gemeinsam weitergeht oder ob sich unsere Wege trennen. Der Ausgang ist offen“, betont Paar.
Fest steht: Am 1. September startet die dann neu formierte Mannschaft der Saarlouis Royals in die Vorbereitung auf die neue Saison. Die wiederum beginnt am ersten Oktober-Wochenende. Das erste Heimspiel wird übrigens erstmals auf einem Glasboden stattfinden, der im Sommer in der Stadtgartenhalle verlegt wird. „Das ist ein großer Fortschritt für uns – auch, wenn wir dadurch im Sommer nicht dort trainieren können“, freut sich Hermann Paar. Weitere Veränderungen sollen sich neben dem Spielfeld ergeben: So will der Verein im Kreis Saarlouis neue Kooperationen aufbauen. „Es geht voran und wir wollen alles auf eine breitere Basis stellen, um unser Ziel zu erreichen und uns mittelfristig in der deutschen Spitze zu etablieren“, kündigt Paar an und nennt ein prominentes Beispiel aus dem Fußball als Vorbild: Zweitligist SV Elversberg. Auch hier habe man die langfristige Entwicklung im Blick gehabt und sich nicht von kurzfristigen Rückschlägen, schlechten Ergebnissen oder personellen Veränderungen vom eingeschlagenen Weg abbringen lassen.