Die persönliche Liste guter Adressen unseres Gastro-Testers ist um eine reicher. Anfang März hat im benachbarten Tenteling „Le Moulin“ eröffnet. Die renovierte Mühle beherbergt eine Brasserie und ein Restaurant.
Ich fahre gern übers Land, stets auf der Suche nach etwas Neuem. Das mache ich das ganze Jahr über. Und nicht nur im Saarland. Ich fahre ebenso durch Rheinland-Pfalz, Luxemburg, das Elsass und durch Lothringen, denn Heimat bedeutet für mich: Dort, wo ich mich wohlfühle, bin ich zu Hause. Ich bin dieses Mal wieder in Lothringen unterwegs und auf dem Weg zu einer ganz neuen Adresse, an der man gut essen kann. Zwischen Forbach und Großblittersdorf gelegen, im schmucken Dörfchen Tenteling: „Le Moulin“, die Mühle.
Eröffnung war am 5. März
Anfang der 1970er-Jahre bauten zwei Brüder des Ortes, Oscar und Albert Lauer, die Mühle. Damals war darin allerdings kein Restaurant vorgesehen, sondern eher ein sympathischer Ort, um lokalen Künstlern eine Heimat zu geben. Doch irgendwann lag das Gelände brach, und 18 Bürger von Tenteling versuchten, das Gebäude nicht verfallen zu lassen, und begannen, es zu renovieren. Zwei lange Jahre harter Arbeit brauchte es, um daraus Räume für zwei gastronomische Betriebe zu machen – unten eine Brasserie und oben ein Restaurant. Ich besuche heute die Brasserie, werde mich aber bald auch einmal im Restaurant umsehen. Denn eines fällt mir bei meinem Besuch sofort auf: Sowohl in der Brasserie als auch im Restaurant essen an diesem Mittag viele Menschen.
Das Restaurant wurde rund um den alten Mühlenstandort aufgebaut und bewusst als Treffpunkt gestaltet. Betreiber sind Angèle, Denis und Tochter Sarah Muller. „Mein Bruder hatte ein Restaurant in Südwestfrankreich mit seiner Frau. Der Name war ‚57‘, also die Zahl des Namens des Départements Moselle in Lothringen“, erzählt Denis Muller. „Sie betrieben es einige Jahre, doch dann gingen sie zurück nach Lothringen. Als sie durch Tenteling spazierten, sahen sie das Gebäude. Sie beschlossen, hier ein Restaurant zu bauen, fanden Hilfe in der Familie. Und nach zwei Jahren kann es endlich losgehen.“
Seit 5. März betreiben es jetzt allerdings Bruder Denis und dessen Familie. Denis’ Bruder Yves kommt ab und zu vorbei, um einen Flammkuchenabend zu veranstalten. Für die Küche verantwortlich ist ein junger Mann, der bereits über große Erfahrung verfügt: Florian Calisse arbeitete früher bereits in der „Auberge Saint Jean“ in Spichern. Dort machte er mit seiner Küche auch viele Saarländer glücklich, die gerne und regelmäßig zu ihm pilgerten, um gut zu essen. Jahrzehntelang waren viele Saarländerinnen und Saarländer als zufriedene Gäste dort. Doch der Tod des ehemaligen Chefs führte dazu, dass das Restaurant geschlossen wurde.
Aber zurück zu „Le Moulin“. Die Mühle in Tenteling hat einige gute Argumente, um hier einzukehren. Neben dem Wohlfühlambiente liegt es direkt an einem Fahrradweg, dem „EuroVelo“. Es gibt eine Terrasse, von der man weit blicken und beispielsweise den Sonnenuntergang genießen kann. Außerdem gehen viele Menschen in dieser Gegend sehr gerne spazieren.
Die Stimmung in der Brasserie im Erdgeschoss ist locker, gesellig, viele hier sind Stammgäste. Es gibt eine Tageskarte, aber auch Tapas und kleinere Gerichte. Mein Blick auf die Speisekarte verspricht sogar noch weit mehr: Burrata mit Gemüse und Tomaten etwa, Fisch- oder Meeresfrüchte-Vorspeisen, aber auch Suppen oder saisonale Starter. Dazu noch Rindersteak und -filet mit Pfeffersauce oder auch Sauce béarnaise. Ergänzt wird das Ganze durch Fischgerichte wie Lachs oder Wolfsbarsch mit Gemüse und Entengerichte – natürlich klassisch französisch – wie Confit. Ich entdecke aber auch Risotto mit Garnelen oder Gemüse und saisonale Fleischgerichte, etwa mit Lamm.
Stylischer Treff mit viel Flair
Die Karte darf durchaus als etwas gehoben bezeichnet werden, und um es vorwegzunehmen: Mir jedenfalls hat es richtig gut geschmeckt, und auch im Internet kann ich sehen, dass die Bewertungen für Brasserie und Restaurant jeweils sehr gut sind.
Ich entscheide mich für das Tagesgericht mit Eiern, zubereitet in zwei Formen – sehr geschmackvoll. Zudem für eine üppige und wohlschmeckende Lasagne sowie einen gebratenen Apfel aus dem Ofen mit Eis, Sahne und einer Fruchtsauce. Da bleiben keine Wünsche offen. Die mich begleitende Fotografin nimmt Assiette de Crudité, also einen Rohkost-Gemüseteller, und ein Stück Fleisch. Auch sie ist von dem Essen begeistert. Die Karte hat wirklich vielfältige Angebote, die mir auch gefallen würden – etwa Kalbsnierchen, Entenfilet oder Königinpastetchen. Immer wieder bietet Familie Muller zudem Tartes flambées, also Flammkuchen, an: klassisch sowie als Variationen. Auch Platten zum Teilen, etwa Charcuterie und Käse, aber auch kleine Snack- und Bargerichte. Also, wie gesagt: Hier war ich nicht zum letzten Mal.
Die Küche ist klassisch französisch geprägt, aber nicht streng traditionell: Es gibt regionale und klassische Gerichte, ergänzt durch moderne Einflüsse und gelegentlich asiatische Elemente. Insgesamt wirkt das Konzept wie eine Mischung aus französischer Brasserie, Bar und modernem Treffpunkt, den auch viele Einheimische an diesem Mittag besuchen. Für mich ist das immer ein gutes Zeichen.
Gelungene Weinkarte
Die Brasserie „Le Moulin“ ist kein klassisches Dorfrestaurant, sondern eher ein stylischer Treffpunkt mit französischem Flair. Dazu haben sie eine gute Auswahl an Weinen, Bieren und Cocktails. Ein breites Angebot an offenen Weinen ermöglicht es den Gästen, verschiedene Weine zu probieren. Für mich muss die Weinkarte einer Brasserie unkompliziert, zugänglich und essensbegleitend sein, wobei Qualität vor Quantität geht. Sie zeichnet sich durch eine Mischung aus Klassikern (zum Beispiel Burgunder oder Riesling) und zugänglichen Regionallinien aus, idealerweise mit einer guten Auswahl im offenen Ausschank. Klare Struktur, Lesbarkeit und saisonale Anpassung sind essenziell. Für die Speisebegleitung gilt: Die Auswahl sollte direkt mit der typischen, eher rustikalen bis gehobenen Brasserie-Küche harmonieren. Struktur: Weine nach Typ (Weiß, Rot, Rosé) oder Region ordnen, nicht nach Preis. Saisonalität: Anpassung an die Jahreszeit, frische Weißweine im Sommer, kräftigere Rote im Winter. Lokale Weine einbinden, um Verbundenheit zu zeigen. Die Karte muss ordentlich, gut lesbar und passend zum Ambiente gestaltet sein, denn eine gute Brasserie-Weinkarte ist eine Visitenkarte des Hauses, die den Gast nicht einschüchtert, sondern neugierig macht.
Viele Weine gibt es wie gesagt hier auch glasweise, etwa einen Pinot blanc der Cave de Beblenheim, einen Riesling oder einen Pinot gris derselbigen auch. Ebenso die Roten sprechen mich an: etwa ein Côtes du Rhône oder ein Madiran. Auf der Weinkarte sieht man, dass Bruder Yves länger in Südwestfrankreich war und viele Kreszenzen von dort auf der Weinkarte platziert hat. Ein wirklich schöner und genussvoller Ausflug heute. Bemerkenswert!
Viel zu wenige Menschen erkunden unsere Region. Das ist schade, denn es gibt viel zu entdecken. Meine Entdeckungstouren jedenfalls hören niemals auf, denn immer wieder fasziniert mich, wie hier, das Genussvolle. „Le Moulin“ steht ab sofort auf meiner Liste – für weitere Besuche.