Drei Fragen
„Anstieg über das normale Maß hinaus“
Es wird kontinuierlich wärmer. Auch für dieses Jahr rechnet Tobias Fuchs, Leiter Klima und Umwelt beim Deutschen Wetterdienst DWD, mit weiter steigenden Temperaturen. Offen ist, ob es für die „Top drei“ reicht.
Der letzte Sommer war sehr durchwachsen, der Temperaturanstieg eher moderat, erstes Anzeichen, dass sich der Temperaturanstieg abschwächt?
Naja, das kann man auf keinen Fall sagen: Wir gehen schon davon aus, dass es weiter kontinuierlich wärmer wird. Es ist richtig, wir hatten in diesem Jahr zum ersten Mal seit drei Jahren wieder einen zu kalten Monat. Das war der Januar, der etwas kälter war als in den Vorjahren. Dafür waren aber der Februar und der März auch wieder deutlich zu warm gewesen. Den März haben wir gerade abgeschlossen, wir erwarten, dass wir im letzten Monat eher wieder einen Temperatur-Anstieg haben. Das wird sich das ganze Jahr fortsetzen, wenn vielleicht auch mal mit Dellen in einzelnen Monaten. Grundsätzlich sehen wir in diesem Jahr wieder einen weiteren Anstieg über das normale Maß.
Der könnte sich dann um 0,2 bis 0,3 Grad bewegen?
Das kann man ganz schwer vorhersagen, das wäre mehr als unseriös. Dazu müsste ich ja jetzt schon die Daten der kommenden neun Monate kennen, und das ist schier unmöglich. Wir können aber zum Beispiel anhand der gemessenen Bodenfeuchte Prognose-Modelle erstellen. Feuchter Boden heißt, langsame Erwärmung bei Sonnenschein; sind Böden dagegen sehr trocken, wird es schneller warm. Letzteres haben wir momentan, darum rechnen wir auf jeden Fall damit. Ob das dieses Jahr für eine Platzierung unter den Top drei reicht, das hängt dann tatsächlich vom Wetter ab (lacht) …
Wie unsicher das ist, konnten wir im letzten Jahr sehen, als der prognostizierte „Hitze-Dom“ ausgeblieben ist. Warum eigentlich?
Die prognostizierte Hitzewelle war gar nicht so weit hergeholt. Es gab eindeutige Indizien dafür. Wir hatten letztes Jahr einfach Glück, muss man sagen. Alles deutete im Juni darauf hin, wir hatten immerhin fünf Monate Trockenheit vorher. Dann hat sich Anfang Juli die Wetterlage überraschenderweise umgestellt auf feuchtere und kühlere Luft. Dafür litten die Menschen in Spanien, in Portugal, in der Türkei unter neuen Hitzerekorden. Nicht zu vergessen: In Nordeuropa war es zeitweise wärmer als bei uns.
Interview: Sven Bargel
Klare Reaktion auf Energiekrise
Drei Viertel der Deutschen spricht sich angesichts der aktuellen Energiekrise für den Ausbau erneuerbarer Energien aus. Das ist das Ergebnis einer repräsentativen Umfrage von YouGov im Auftrag der European Climate Foundation und des Deutschen Caritasverbandes. „Die Menschen in Deutschland verstehen das Preissignal des Iran-Kriegs richtig: Abhängigkeit von fossilen Energieträgern ist in einer friedlosen Welt ein Wohlstandsrisiko. Gerade auch Menschen mit niedrigem Einkommen erkennen schmerzlich, wie sehr ihr Lebensstandard vom Ölpreis abhängt, denn in jedem Brötchen stecken Energiekosten“, kommentiert Eva Welskop-Deffaa, Präsidentin des Deutschen Caritasverbandes. Deshalb brauche der Umstieg auf erneuerbare Energien „dringend politische Priorität“. Denn „nur durch den Ausbau erneuerbarer Energien wird Deutschland dauerhaft krisenresilient“. Zugleich forderte die Caritas-Präsidentin eine zeitnahe Entlastung einkommensarmer Haushalte, etwa durch eine befristete Preisreduktion des Deutschlandtickets.
Mehr Milliardäre
Die Zahl der Milliardäre ist im vergangenen Jahr erneut gestiegen. Die Forbes-Liste der reichsten Menschen ist um 400 auf jetzt 3.428 Milliardäre weltweit gestiegen. Dabei ist deren Vermögen dreimal so stark gestiegen wie im Durchschnitt der drei Jahre zuvor. Alleine die zwölf reichsten Milliardäre haben mehr Vermögen als die ärmere Hälfte der Menschheit, also vier Milliarden Menschen. Die Liste der reichsten Menschen führt Elon Musk an. Auf den Plätzen zwei und drei folgen die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin, die damit an Jeff Bezos (Amazon, Blue Origin), Larry Ellison (Oracle) und Mark Zuckerberg (Meta mit Facebook, Instragram, Whatsapp) vorbeizogen. Die meisten Milliardäre (989) leben in den USA. US-Päsident Trump hat laut Forbes sein Vermögen innerhalb eines Jahres um 1,4 Milliarden auf jetzt 6,5 Milliarden US-Dollar erhöht. Damit hat er sich von Rang 700 auf 645 gesteigert.
Trump „kein Fan von Leo“
US-Präsident Donald Trump hat Papst Leo XIV. außergewöhnlich scharf angegriffen. Das Oberhaupt der Katholischen Kirche hatte bei einem großen Friedensgebet gewarnt „vor „Allmachtsfantasien, die um uns herum immer unberechenbarer und aggressiver werden“ und appelliert: „Haltet ein! Es ist Zeit für den Frieden!“ Trump bezeichnete den Papst als „schrecklich“, außerdem sei er „politisch sehr links“, deshalb sei er auch „kein Fan“ von Leo. Der Papst wiederum erklärte: „Die Botschaft des Evangeliums ist ganz klar: Selig sind die Friedfertigen.“ Und ergänzte: „Ich will mich nicht auf eine Debatte mit ihm einlassen. Ich glaube nicht, dass die Botschaft des Evangeliums so missbraucht werden soll, wie es einige Leute tun.“ Das kann als erneute Kritik an der Rhetorik des US-Präsidenten und seines Kriegsministers Hegseth im Zusammenhang mit den Angriffen auf den Iran verstanden werden. Der Münchner Kardinal Reinhardt Marx hatte von einer „schamlosen Gotteslästerung“ gesprochen und vor einer Instrumentalisierung der Religion gewarnt.
Qualvoller Kampf von Buckelwal Timmy
Das Drama um den riesigen Säuger mit 15 Metern Länge und gut 13 Tonnen Gewicht hat sich gut drei Wochen hingezogen. Zweimal konnte Timmy sich in dem flachen Ostseewasser von einer Sandbank von selbst befreien. Doch die dritte Sandbank vor Wismar war dann sein Verhängnis. Wieder rätseln Meeresbiologen darüber, warum der Buckelwal überhaupt in die Ostsee geschwommen ist und warum er nach seiner ersten Befreiung nicht umgehend wieder in die Nordsee zurückgekehrt ist. „Wale haben einen sehr guten Orientierungssinn und müssten von sich aus wieder zurückfinden“, erklärt die Meeresbiologin Bianca König von der Tierschutzorganisation Whale and Dolphin Conservation (WDC) Deutschland. Hauptproblem für den dann geschwächten Wal auf der dritten Sandbank vor Wismar waren das Gewicht des Tieres und die geringe Wassertiefe: „Wale brauchen die Schwerelosigkeit im Wasser, das Gewicht hat immer weiter auf die Organe gedrückt, das führte zum Organversagen und Kreislaufkollaps“, erklärte König.
Sicherheit
Terror-Gefahr gestiegen
Angesichts der gestiegenen Gefahr iranischer Terroranschläge in Deutschland fordert Nordrhein-Westfalens Innenminister Herbert Reul (CDU) mehr Befugnisse zur Überwachung verdächtiger Personen. „Bei terroristischen Bedrohungen gibt es immer eine große Unsicherheit.“ Deshalb sei es wichtig, Sicherheitsbehörden sowohl technisch als auch juristisch besser auszustatten, fordert Herbert Reul und will das Thema auf jeden Fall auf die Tagesord-nung der nächsten Innenministerkonferenz setzen. Konkret fordert Reul einen „klaren rechtlichen Rahmen“, um Täter verfolgen zu können. Wenig überraschend gehört die seit Langem geforderte erweiterte Telefonüberwachung zur Auswertung von Messenger-Diensten dazu. Auch die seit Langem von den Innenministern oder Polizeigewerkschaften geforderte Speicherung von IP-Adressen steht in Reuls Forderungskatalog. Bislang gab es bei entsprechenden Gesetzesinitiativen keine Mehrheiten dafür im Bundestag.
Klarstellung zu Reisebeschränkungen für Männer
Das hat für Aufregung gesorgt: „Männliche Personen haben nach Vollendung des 17. Lebensjahres eine Genehmigung des zuständigen Karrierecenters der Bundeswehr einzuholen, wenn sie die Bundesrepublik Deutschland länger als drei Monate verlassen wollen.“ So steht es im neuen Wehrdienstgesetz. Nun ist die Wehrpflicht allerdings weiter ausgesetzt, also greift dieser Passus nicht. Doch diese logische Konsequenz – nämlich ohne Wehrpflicht keine Meldepflicht – musste Bundesverteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) höchstpersönlich der Öffentlichkeit erklären. Offenbar auch seinen eigenen Mitarbeitern, die daraufhin dann eine entsprechende Verwaltungsvorschrift erließen.
Damit ist klar, dass die alte Vorschrift, die bis zur Aussetzung der Wehrpflicht 2011 galt, aktuell keine Relevanz hat und nicht zur Anwendung kommt.
Großspende
Arcelor Stahl für Trump?
Der luxemburgische Stahlkonzern Arcelor Mittal hat offenbar Stahl für den Bau des umstrittenen Ballsaals von US-Präsident Trump gespendet. Nach einem Bericht der „New York Times“ soll die Stahl-Spende einen Wert von 37 Millionen Dollar haben.
Dabei sind gleich eine Reihe von Punkten brisant. So hat das Weiße Haus offenbar die Zölle für Automobilstahl aus dem kanadischen Arcelor Mittal-Werk zwei Tage nach der Spende halbiert. Außerdem würde dann Trumps umstrittenes Prestigeprojekt mit Stahl, der offenbar in Europa produziert wird, gebaut, während Trump gleichzeitig Stahlimporte mit massiven Zöllen belegt hat, um die heimische US-Stahlproduktion zu schützen. Aktuell gilt ein Satz von 50 Prozent auf Importstahl.
Arcelor Mittal wollte die Meldung nicht kommentieren. Bekannt ist, dass hochwertiger Stahl aus dem Werk im luxemburgischen Differdingen weltweit bei Prestigebauten verwendet wird, bislang vor allem bei Hochhäusern.
Mehr Verkehrsunfälle
Im Saarland hat es im vergangenen Jahr deutlich mehr Verkehrsunfälle gegeben. Dabei kamen auch mehr Menschen zu Schaden. Die Zahl der Unfälle mit Personenschäden erhöhte sich von knapp 3.370 auf 3.530, dabei wurden drei Menschen mehr getötet als im Jahr 2024. Hauptunfallursachen waren nicht angepasste Geschwindigkeit sowie Missachtung der Vorfahrt. Bei der Risikogruppe junge Erwachsene (bis 24 Jahre) ist der Anteil derer, die Unfälle verursacht haben, um 6,5 Prozent gestiegen. Die Zahl tödlich verunglückter Senioren (65 plus) war mit 14 Personen höher als ein Jahr zuvor (zehn Personen).
Besonders auffällig: Die Zahl der Unfälle mit E-Scootern hat deutlich zugenommen, von 175 auf knapp 230. Innenstaatssekretär Torsten Lang verwies bei der Vorstellung der Statistiken auf die umfangreichen Präventions- und Kontrollmaßnahmen. Sicherheit im Straßenverkehr sei „kein Selbstläufer“. Ziel bleibe die „Vision Zero“: Kein Mensch soll im Straßenverkehr verletzt oder gar getötet werden.
EU-Außengrenzen kontrolliert
Seit dem 10. April ist ein neues Kontrollsystem an den EU-Außengrenzen voll funktionsfähig. Das neue Einreise-/Ausreise-Sytem (EES) sei ein wichtiger Meilenstein bei der Moderni-
sierung und Stärkung der EU-Außengrenzen, betonte Magnus Brunner, EU-Kommissar für Inneres und Mi-
gration. Mit dem hochmodernen elektronischen System werden Ein- und Ausreise von Nicht-EU-Bürgern, die für Kurzaufenthalte kommen, erfasst. Dabei werden biografische und biometrische Daten erfasst. Damit ist eine umfassende Kontrolle möglich. Das System sei „das digitale Rückgrat des neuen gemeinsamen europäischen Migrations- und Asylrahmens“, hatte der EU-Kommissar bei der Vorstellung des Projektes unterstrichen. Stempel in Pässen gehören damit der Vergangenhheit an.
Wiegand will's wissen
Blickpunkt Europa
In der Europäischen Union reden viele seit Russlands Angriffskrieg gern von „Zeitenwende“. Doch der eigentliche Epochenbruch passiert anderswo – in den improvisierten Werkstätten der Ukraine. Dort entstehen Start-ups unter Bomben, entwickeln Ingenieure in Wochen neue Drohnen, verlagern Firmen ihre Produktion, sobald Russland sie ins Visier nimmt.
Die Ukraine ist zum Silicon Valley militärischer Innovation geworden – schnell, pragmatisch, effizient. Und Europa? Schaut zu.
Zwar versucht Kyjiw, die Drohnenproduktion in die EU zu verlagern. Doch selbst dann vergehen Monate bis zur ersten Lieferung – zuletzt laut „Kyiv Independent“ ganze neun Monate. In diesem Krieg ist das eine Ewigkeit.
Dabei fehlt es nicht an Interesse: Europäische Unternehmen wollen kooperieren, Kapital ist da, der Bedarf enorm, das Partizipieren an ukrainischen Erfahrungen ist für sie hochinteressant. Doch was fehlt, ist Tempo.
Europas Rüstungsindustrie ist immer noch weitgehend auf bürokratische Absicherung, misstrauische Kontrolle und politische Balance ausgelegt – nicht auf Geschwindigkeit. Im Frieden mag das funktionieren. Im Krieg ist es fatal. An der Front der Ukraine entstehen täglich neue Realitäten, während entscheidende Komponenten wie Drohnentriebwerke fehlen, weil europäische Lieferketten nicht Schritt halten.
Das Ergebnis: ein Kontinent, der vom ukrainischen Know-how profitieren könnte, aber industriell hinterherläuft – und damit seine sicherheitspolitische Zukunft verspielt. Denn in diesem Krieg zählt nicht nur, wer die bessere Technologie hat. Sondern ganz entscheidend auch, wer sie schneller produziert.
Wolf Achim Wiegand ist freier Journalist mit EU-Spezialisierung.