In den 90er-Jahren war sie Hollywoods Darling und bezauberte Kinogänger und Kritiker gleichermaßen. Auch später spielte sie in vielen erfolgreichen Filmen mit und gewann einen Oscar. Nach dem Tod ihres Lebenspartners hat sie sich aus dem Filmbusiness zurückgezogen.
Es ist so schade, dass sich Sandra Bullock von der Schauspielerei verabschiedet hat.
Denn die charmante Herzlichkeit, ihre Liebenswürdigkeit und ihren erfrischenden Humor – Qualitäten, die so typisch für ihren Charakter waren und die sie auch in vielen Rollen auf der Leinwand ausstrahlte – findet man heutzutage nur noch selten bei Hollywoodstars.
Grund für ihren Rückzug ins Privatleben war und ist der Tod ihres Partners Bryan Randall, mit dem sie seit 2015 in einer festen Beziehung war. Er sei die Liebe ihres Lebens gewesen, sagte sie einmal im Interview. Er starb 2023 mit 57 Jahren an der unheilbaren Nervenkrankheit ALS (Amyotrophe Lateralsklerose). Zurück blieb Bullock mit zwei Kindern, Sohn Louis und Tochter Laila. Nach seinem tragischen Tod beschloss Sandra Bullock, sich ausschließlich um ihre Familie zu kümmern.
Hilfsbereit und herzlich
Randall war es auch, der Sandra Bullock nach einem vorherigen Schicksalsschlag, der sie völlig aus der Bahn warf, wieder aufrichtete; mit seiner Liebe und Fürsorge gab er ihr neue Lebenskraft. Denn Sandra Bullock war aus beruflich höchsten Höhen in eine private Hölle gestürzt. Dabei hätte 2010 eigentlich ein Glücksjahr für sie werden können. Sie war, wie sie meinte, seit 2005 glücklich mit dem TV-Show-Moderator Jesse James verheiratet und hatte noch im Januar mit ihm zusammen ihren Sohn Louis adoptiert. Zwei Monate später bekam sie für ihre Rolle in dem Drama „Blind Side – Die große Chance“ den Oscar als beste Hauptdarstellerin. Doch dann kamen schockierende Neuigkeiten ans Tageslicht: Jesse James hatte sie jahrelang betrogen. Am Boden zerstört, reichte sie die Scheidung ein.
Sandra Bullock wuchs in einem liebevollen Elternhaus auf und reiste mit ihrer Familie viel in der Welt herum. Ihre ersten zwölf Jahre verbrachte sie in Nürnberg, später auch in Salzburg und Wien, wo ihre deutsche Mutter als Opernsängerin Karriere machte. Mit ihrer jüngeren Schwester sang sie im Kinderchor und war sogar in kleineren Rollen bei den Opernaufführungen ihrer Mutter zu sehen. Bis heute spricht Sandra Bullock noch sehr gut Deutsch. Als sie mit ihrer Familie in die USA umzog, fügte sie sich schnell in den neuen Lebensstil ein. „Das fiel mir leicht. Mein Vater war ja Amerikaner, und vor allem durch ihn bin ich schon früh mit der amerikanischen Kultur in Berührung gekommen. Außerdem bin ich zweisprachig aufgewachsen.“ Sandra Bullock besuchte die Washington-Liberty High School in Arlington, wo sie schnell Anschluss fand und als Cheerleader-Captain schon damals den Jungs den Kopf verdrehte. Durch ihre Hilfsbereitschaft und Herzlichkeit war sie bei ihren Mitschülern und Lehrern sehr beliebt. Während dieser Zeit nahm sie auch sehr gern an vielen Schultheateraufführungen teil.
Mit 22 Jahren ging sie nach New York und nahm dort Schauspielkurse beim berühmten Schauspiellehrer Sanford Meisner, der auch schon Tom Cruise, Diane Keaton und Steve McQueen unter seine Fittiche genommen hatte. Trotz ihrer vielseitigen Ausbildung kam Sandra Bullock zunächst nirgends als Schauspielerin unter. Also schlug sie sich durch als Bedienung, Reinigungskraft und sogar als Hundefriseurin durch. Ihr erstes Engagement bekam sie in einem Off-Broadway-Stück, das heute längst vergessen ist. Unbeirrt zog sie 1989 nach Los Angeles, um dort ihr Glück zu versuchen. Bald besetzte man sie in kleineren Rollen in TV- und Kinofilmen. 1993 hatte sie eine Nebenrolle in dem Thriller „Spurlos“ mit Tate Donovan. Ihren internationalen Durchbruch hatte sie dann als unerschrockene Busfahrerin im Action-Thriller „Speed“, an der Seite von Keanu Reeves.
Seit Kurzem bei Instagram
Mitte der 90er-Jahre war Sandra Bullock – neben Julia Roberts – die bestbezahlte Schauspielerin Hollywoods. Mit einer Reihe romantischer Komödien wie „Während du schliefst“ und „Gestohlene Herzen“ wurde sie zum Sweetheart Amerikas. Leider wurde sie deshalb von den Hollywood-Studiobossen aber nur in Liebesfilmen gesehen, was ihr gar nicht recht war. Mit der Zeit gelang es ihr dennoch, ihr RomCom-Image loszuwerden, und sie spielte auch in Independent-Movies mit, wie zum Beispiel in dem von der Kritik gefeierten Drama „L.A. Crash“ (2004).
Sich als versierte Charakterdarstellerin einzubringen, gelang ihr neben „Blind Side“ dann auch ganz hervorragend mit dem Science-Fiction-Thriller „Gravity“ (2013). Für ihre Rolle als Astronautin, die im Weltall mutterseelenallein in einem Raumschiff um ihr Überleben kämpft, wurde sie noch einmal für den Oscar nominiert.
Im Laufe ihrer Karriere wurden Bullock immer wieder Affären mit Filmpartnern nachgesagt. „Nur weil ich mich mit einigen Kollegen auch nach den Dreharbeiten gut verstanden habe, heißt das noch lange nicht, dass wir Affären miteinander hatten. Im Übrigen habe ich meine Liebesbeziehungen nie versteckt.“ Und so hat sie sich immer zu Dates bekannt. Mit ihrem Traummann Bryan Randall und ihren beiden Kindern wohnte sie bis zu Randalls Tod in New Orleans. Jetzt lebt sie sehr zurückgezogen in Los Angeles und New York.
Darf man vielleicht doch hoffen, dass Sandra Bullock bald wieder ins Rampenlicht zurückkehren wird? Zumindest gibt es das Gerücht, dass sie –
wenn nicht als Schauspielerin, dann doch als Produzentin – wieder ins Filmbusiness einsteigen will. Und das wäre gut so. Mit Sandra Bullock sollte man also auch weiterhin rechnen. Wie sagte sie einmal so treffend: „Ich bin schließlich meine eigene Frau.“