Julia Weigl aus München ist selbst schon über 40-mal allein verreist und unterstützt durch ihr Reisebüro Alleinreisende mit individueller Beratung. Im Interview verrät sie, welche Reisemodelle sich anbieten, was es zu beachten gilt und was das Schöne am Alleinreisen ist.
Liebe Julia, wie kamst Du dazu, allein zu verreisen?
Das war eigentlich aus der Not heraus, ich hatte eine große Sehnsucht, zu reisen und Neues zu entdecken, aber mir hat die passende Reisebegleitung gefehlt. Da muss ja vieles zusammenpassen: gleiche Vorstellungen über Ablauf, Budget und favorisierte Unterkunft, aber auch, ob man zur gleichen Zeit Urlaub nehmen kann. Davon mal abgesehen, dass es auch persönlich passen muss. Ich wollte nicht zu Hause bleiben, habe aber auch gemerkt, dass es oft eben nicht gepasst hat und ich dann super viele Abstriche und Kompromisse gemacht habe. Also trotzdem viel Geld für einen Urlaub ausgegeben habe, den ich mir eigentlich anders vorgestellt hatte. Und dann dachte ich mir irgendwann: So kann es nicht weitergehen, ich probiere das jetzt doch mal und ziehe alleine los.
Wie oft bist Du schon alleine verreist?
Ich war mittlerweile in 55 Ländern, natürlich nicht in allen allein, aber ich würde sagen, ich bin mittlerweile über 40 Mal alleine verreist.
Wie lange bleibst Du in etwa und wie genau sieht Dein Programm aus, wenn Du allein auf Reisen bist?
Das ist ganz unterschiedlich. Das ist ja das Schöne, ich bin super flexibel und kann das alles selbst bestimmen, ganz nach Lust, Laune und Budget. Ich mache viele unterschiedliche Reisen, mal eine Städtereise nur übers Wochenende oder einen Trip in die Berge mit Wellness, aber auch einen Roadtrip oder eine Rundreise.
Übernachtest du immer in Hotels beziehungsweise Pensionen und mischst Du Dich auch mal unter die Einwohner und führst für einige Zeit ein dort typisches Leben?
Ich übernachte tatsächlich am liebsten in Hotels oder kleinen Pensionen. Mir ist ein gewisser Komfort wichtig – ein Ort, an den ich mich nach einem erlebnisreichen Tag zurückziehen und wirklich zur Ruhe kommen kann. Das hat für mich viel mit Wohlbefinden, aber auch mit Sicherheit zu tun. Besonders wenn ich allein unterwegs bin, dann ist die richtige Unterkunft essenziell.
Ich war nie der klassische Backpacker-Typ mit Rucksack und Hostelbett, aber ich liebe es, besondere Unterkünfte zu entdecken. In Costa Rica habe ich zum Beispiel in einem Tipi-Zelt übernachtet, in Irland in einem Tiny House mit Schafen direkt vor der Tür und in Kenia in einem Baumhaus-Hotel, in dem man morgens vom Vogelgezwitscher geweckt wird. Solche Orte machen für mich das Reisen besonders, weil sie Komfort mit einem Hauch Abenteuer verbinden.
Und auch wenn ich mich gerne in mein gemütliches Zimmer zurückziehe, suche ich unterwegs immer den Kontakt zu den Menschen vor Ort – beim Frühstück, auf dem Markt oder einfach im Gespräch unterwegs.
Handelt es sich immer um selbst organisierte Reisen komplett in Eigenregie oder sind auch Gruppenreisen für Alleinreisende darunter? Welche Modelle hast Du da schon ausprobiert und welche Vor- und Nachteile hat das jeweilige?
Auch das ist gemischt, je nachdem, worauf ich Lust habe, oder was abhängig vom Zielgebiet sinnvoller ist. Ich war schon auf Gruppenreisen für Alleinreisende, zum Beispiel auf Sardinien, und fand es toll, dass man sich dort den Mietwagen geteilt hat, aber auch auf einer klassischen Gruppenreise in Mexiko, und habe im Anschluss noch am Strand verlängert und von dort aus Tagesausflüge alleine gemacht. Auf den Philippinen habe ich alles individuell gemacht, aber immer wieder Tagesausflüge in der Gruppe gebucht.
Ich finde, man muss sich nicht festlegen. Manchmal ist einem nach einer Gruppenreise, oder es ist die bessere, sichere Wahl, und manchmal macht man alles in Eigenregie. Mein Tipp ist allerdings, darauf zu achten, dass man für Notfälle, wie es ja gerade die politische Lage zeigt, abgesichert ist und idealerweise eine Pauschalreise bucht. Das geht für Gruppenreisen, aber auch individuelle Reisen, Roadtrips und Rundreisen.
Entstehen bei selbst organisierten Reisen manchmal Bekanntschaften, mit denen man etwas zusammen unternimmt?
Wenn man dafür offen ist und nicht zu verbissen dabei vorgeht, dann findet man auf einer Reise super leicht Anschluss. Ich habe in Mykonos beispielsweise ein Pärchen beim Abendessen kennengelernt und danach sind wir noch zusammen in einen Club zum Feiern. In Mexiko habe ich eine meiner mittlerweile besten Freundinnen kennengelernt, und in Irland bin ich mit Amerikanern spontan von Pub zu Pub gezogen.
Wichtig ist, dass man sich vor so einer Reise überlegt, was einem wichtig ist und wie man selbst beeinflussen kann, dass es dann auch so kommt. Wenn einem Anschluss wichtig ist, dann vielleicht kein abgelegenes Apartment buchen, sondern etwas Zentrales, und auch Gruppenaktivitäten oder Ausflüge sind ideal, um neue Bekanntschaften zu knüpfen. So was plane ich dann eher am Anfang einer Reise ein, weil sich dadurch eben was Schönes für die restliche Zeit ergeben kann.
Wer fotografiert Dich für Deinen Blog?
Das mache ich tatsächlich selbst. Ich bin mit Stativ, Handy und Smartwatch unterwegs. Aber es geht auch, wenn man nicht so professionell ausgestattet ist. Einfach beobachten und anderen erst mal anbieten, dass man ein Foto von ihnen macht, und dann wird man oft gefragt, ob man auch eins von sich möchte, oder man fragt einfach. Das ist auch ein super Icebreaker. Alternativ das Handy irgendwo positionieren und mit Selbstauslöser arbeiten oder aus einem Video später einzelne Bilder ausschneiden.
Worauf sollte man achten, wenn man Reisen alleine plant und allein in fremden Ländern unterwegs ist – auch speziell als Frau?
Es ist wichtig, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen: Was will ich? Was ist mir wichtig? Was darf auf keinen Fall passieren? Bitte nicht komplett naiv starten, weil jeder sagt, das sei so toll. Es ist toll, wenn man es sich selbst toll macht, das passiert nicht einfach so, und die Enttäuschung kann groß sein.
Manches sollte man vorher planen wie zum Beispiel Flughafen-Transfers, und manches lässt man auf sich zukommen und macht es spontan vor Ort. Speziell als Frau kommt man, egal, ob auf Reisen oder zu Hause, immer wieder in schwierige Situationen, dann ist es wichtig, auf sein Bauchgefühl zu hören. Aber auch sich an Regeln und Empfehlungen speziell für das Reiseland zu halten und bitte auf Instagram nicht posten, dass man gerade irgendwo allein unterwegs ist, während man noch vor Ort ist, ist wichtig. Ich teile das immer erst, wenn ich schon am nächsten Ort bin.
Was sind die Vorteile, wenn man allein auf Reisen ist?
Du bist komplett frei – kannst spontan entscheiden, worauf du Lust hast, wann du losziehst oder einfach mal einen Tag gar nichts machst. Es gibt niemanden, auf den du Rücksicht nehmen musst, und genau das schenkt dir unglaublich viel Leichtigkeit.
Aber das Schönste ist, wie sehr du dich selbst kennenlernst. Wenn du allein unterwegs bist, hörst du viel stärker auf dein eigenes Bauchgefühl. Du wirst mutiger, unabhängiger und merkst, dass du mit jeder Situation irgendwie klarkommst – egal, ob du dich verläufst, ein Bus ausfällt oder du plötzlich in einem kleinen Café landest, das du sonst nie entdeckt hättest.
In welchen Situationen kann es etwas schwieriger oder gar unangenehm sein, allein auf Reisen zu sein?
Natürlich gibt es auch Momente, in denen das Alleinreisen schwieriger oder einfach ein bisschen unangenehm sein kann. Manches macht zu zweit einfach mehr Spaß – zum Beispiel, wenn man sich im Restaurant durch die Karte probieren möchte. Ich liebe es, verschiedene Gerichte zu teilen, aber allein bestelle ich dann oft viel zu viel, weil ich mich einfach nicht entscheiden kann.
Und auch in Situationen, in denen mal etwas schiefgeht, merkt man, dass man allein unterwegs ist. Es gibt niemanden, der sagt „Ach, das wird schon“, oder der einfach kurz das Steuer übernimmt. Auf Kreta bin ich zum Beispiel mal mitten in der Nacht an einem Olivenhang mit dem Auto stecken geblieben – komplett allein. Zu zweit wäre das wahrscheinlich genauso passiert, aber ich musste dann eben alleine mit der Handytaschenlampe loslaufen, um Hilfe zu finden. Zum Glück endete die Geschichte ziemlich schön: Ich landete auf einer Gartenparty, wurde herzlich aufgenommen – und ein paar Minuten später halfen mir alle gemeinsam, mein Auto wieder flottzumachen.
Solche Momente sind vielleicht nicht immer angenehm, aber sie zeigen mir jedes Mal, wie stark und lösungsorientiert man wird, wenn man allein reist – und dass am Ende fast jede Panne zu einer guten Geschichte wird.
Viele finden es beim Alleinreisen unangenehm, ohne Begleitung im Restaurant zu sitzen und zu essen. Welche Tipps hast Du hier?
Es wird besser! Ist wirklich so, wir sind es einfach nicht gewohnt. Aber da muss man dranbleiben und für sich einen Weg finden, wie es funktionieren kann. Notizen machen, ein Buch lesen, etwas skizzieren, einen Podcast hören … Oder einfach Menschen beobachten und sich Geschichten über sie ausdenken.
Welches waren Deine schönsten Reiseziele und welches Deine schönsten Reiseerlebnisse?
Das ist eine schwierige Frage, weil ich so viel reise – beruflich wie privat – und keine einzige Reise bereue. Jedes Land hat auf seine Art etwas Besonderes hinterlassen. Wenn ich aber meine aktuellen Favoriten nennen müsste, wären das wohl Costa Rica, Mexiko, die Philippinen, Irland, Island und Lappland im Winter.
In Irland hat mich zum Beispiel die Vermieterin meiner Unterkunft abends kurzerhand in die Stadt gefahren, damit ich dort ein bisschen um die Häuser ziehen konnte, ohne das Auto stehen lassen zu müssen! Die Gletscherwanderung in Island war absolut einmalig und in Lappland am Feuer zu sitzen, Würstchen zu grillen und dabei die Nordlichter über sich tanzen zu sehen –
das war einfach magisch.
Jede dieser Reisen hatte ihre eigenen unvergesslichen Momente und genau das liebe ich am Reisen: dass man nie weiß, welcher Augenblick sich für immer ins Herz brennt.
Hast Du Lieblingsländer – welche sind es und warum?
Ja, auf jeden Fall – zwei Länder liegen mir ganz besonders am Herzen: Irland und Griechenland.
Nach Irland zieht es mich immer wieder – ich war inzwischen schon dreimal dort. Ich liebe diese Mischung aus rauer Natur, endlosen grünen Hügeln, dem Atlantik und dieser unglaublich herzlichen, humorvollen Art der Menschen – und Austern.
Und Griechenland, vor allem im Herbst, mag ich total. Wenn es ruhiger wird, die Sonne nicht mehr so brennt und das Meer trotzdem noch warm ist – das ist meine Zeit. Dann hat man die Strände fast für sich, die Gespräche mit den Einheimischen werden länger, und alles läuft ein bisschen entspannter.
Welche Verhaltensweisen, Bräuche oder Traditionen in anderen Ländern haben Dich am meisten überrascht, schockiert, befremdet oder amüsiert?
In Irland zum Beispiel liebe ich die Pub-Kultur. Da kann man als Frau ganz entspannt allein hingehen, ein Bier trinken, Livemusik hören, kommt ins Gespräch, aber alles ganz entspannt. In Indien hatte ich ein ganz anderes Erlebnis: Vor dem Taj Mahal hat sich plötzlich eine kleine Schlange gebildet – nicht für das Denkmal, sondern für Fotos mit mir. Mein Guide musste das irgendwann abbrechen, weil es kein Ende nahm. Das war schon ein bisschen befremdlich. In Vietnam war ich die einzige Teilnehmerin einer Fahrradtour –
und mein Guide hat mich kurzerhand in das Café seiner Schwester mitgenommen und mir einen typischen vietnamesischen Kaffee spendiert.
Hast Du auch schon negative Dinge auf Deinen Reisen erlebt?
Natürlich läuft auch auf Reisen nicht immer alles rund. Auf Mykonos wollte ich einmal in einer Bar den Sonnenuntergang genießen. Ich hatte nach einem Platz in der ersten Reihe gefragt, durfte mich dort aber nicht hinsetzen, weil diese Tische nur für zwei Personen vorgesehen waren. Am Ende blieben die Tische leer, Touristen, die gar keine Gäste waren, versperrten mir selbst die Sicht von der zweiten Reihe und wurden nicht aufgefordert, zu gehen, und es hat ewig gedauert, bis ich überhaupt bedient wurde. Heute würde ich in so einer Situation einfach aufstehen und mir eine andere Bar suchen. Man muss nicht bleiben, wenn man sich nicht willkommen fühlt – für sich selbst einzustehen ist wichtig, gerade wenn man allein reist.
Welche Ziele verfolgst Du mit Deinem Blog?
Mit meinem Blog möchte ich andere motivieren und inspirieren, ihre Reiseträume wirklich anzugehen – auch dann, wenn gerade niemand mitkommen kann. Viele lassen sich davon abhalten, loszuziehen, nur weil sie allein reisen müssten. Dabei kann genau das eine unglaublich bereichernde Erfahrung sein.
Ich möchte zeigen, dass Alleinreisen nichts Mutiges oder Außergewöhnliches sein muss, sondern ganz normal sein darf – und dass man auch allein sicher, selbstbestimmt und mit Freude die Welt entdecken kann.
Gleichzeitig unterstütze ich aber auch ganz praktisch: Als Reisebüro plane ich individuelle Reisen, vermittle Gruppenreisen und helfe dabei, aus einer Idee eine konkrete Reise zu machen. Mir ist wichtig, dass sich niemand vom „Wie“ aufhalten lässt – ich möchte zeigen, dass es immer einen Weg gibt, den Traum vom Reisen Wirklichkeit werden zu lassen.
Du hast einen Solo Travel Club gegründet. Wie genau sieht Deine Arbeit hier aus?
Ich begleite und unterstütze Menschen, die gern allein reisen möchten, aber vielleicht noch unsicher sind oder einfach nicht wissen, wo sie anfangen sollen. Dafür habe ich verschiedene Formate entwickelt, die alle ein Ziel haben: Mut machen und praktische Hilfe bieten.
Es gibt meinen Podcast und einen regelmäßigen Newsletter, in dem ich nicht nur Tipps und Tricks rund ums Alleinreisen teile, sondern auch besondere Reiseangebote vorstelle. Außerdem habe ich verschiedene Checklisten entwickelt, die helfen, sich gut vorzubereiten – von der Planung bis zur Sicherheit unterwegs. Gewisse Checklisten erhalten ausschließlich meine Reisebüro-Kundinnen, individuell abgestimmt auf ihre Reise.
Und dann gibt es noch meinen SOS-Call: Das ist für alle, die viele Fragen, Sorgen oder Ängste rund ums Alleinreisen haben, aber noch keine konkrete Reise planen möchten. Da sprechen wir ganz offen über alles, was gerade noch unüberwindbar scheint – und meistens löst sich dabei schon ganz viel.
Für alle, die dann wirklich loslegen wollen, plane ich individuelle Reisen und Gruppenreisen über mein Reisebüro. So kann jeder Schritt für Schritt seinen eigenen Weg zum Alleinreisen finden – mit so viel Unterstützung, wie er oder sie braucht.