Die Zweifel an der mentalen Verfassung des US-Präsidenten nehmen zu
Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit von US-Präsident Donald Trump gibt es schon lange. Bereits zu Beginn von Trumps erster Amtszeit 2017 schlugen 27 amerikanische Psychiater und Psychologen Alarm. In ihrem Buch „Wie gefährlich ist Donald Trump?“ (Original: „The Dangerous Case of Donald Trump“) äußerten sie ernste Bedenken hinsichtlich Trumps psychischer Verfassung. Sein Verhalten zeige Anzeichen einer Persönlichkeitsstörung, die ihn für den Job des Präsidenten untauglich mache, so die Experten.
Auffällig ist heute, dass Trumps Wut-Kanonaden immer schriller und die Beleidigungs-Zyklen immer kürzer werden. Der Chef des Weißen Hauses beschimpft Nato-Verbündete als „Feiglinge“. Er scheint nicht vor Völkermord und Kriegsverbrechen zurückzuschrecken, wenn er etwa droht, die iranische Zivilisation „auszulöschen“. Er legt sich selbst mit dem Papst an. Leo XIV. hatte gemahnt: „Schluss mit der Selbstvergötterung und der Vergötterung des Geldes! Schluss mit der Zurschaustellung von Macht! Schluss mit dem Krieg!“ Trump fühlte sich durch die Worte so sehr getroffen, dass er den Pontifex als „schwach bei Kriminalität“ und „eine Katastrophe in der Außenpolitik“ abkanzelte. Er steht unter dem obsessiven Zwang, andere herabzuwürdigen.
Nach Ansicht der US-Psychiaterin Bandy Lee sind die Risiken heute größer als 2017. Das mit KI erzeugte Bild von Trump als heilendem Jesus kommentierte sie in der spanischen Zeitung „La Vanguardia“ so: „Als Psychiaterin habe ich oft mit schwer kranken Patienten zu tun, die sich selbst als allmächtigen Gott sehen wollen, um das schmerzhafte Gefühl zu bekämpfen, dass sie den Verstand verlieren. Es ist ein Abwehrmechanismus gegen Gefühle der Hilflosigkeit und Kontrolllosigkeit sowie gegen den Verlust des Realitätsbezugs.“
Trumps Zickzack-Kurs – mal ist der Iran-Krieg seiner Meinung nach fast vorbei, mal droht er mit Total-Bombardierung – erklärt Lee folgendermaßen: „Er ist nicht in der Lage, vor einer Entscheidung die Folgen zu bedenken oder eine Entscheidung konsequent durchzuhalten. Er wechselt wiederholt seine Haltung und schafft es nicht, den Bezug zur Wirklichkeit aufrechtzuerhalten. All dies deutet auf eine geistige Unzurechnungsfähigkeit hin.“ Und: „Die Gefahren müssen jetzt eingedämmt werden, vor allem weil wir einen Präsidenten haben, der sich in einer psychiatrischen Krise befindet, weil niemand handelt und weil er die Kontrolle über 5000 Atomsprengköpfe hat.“
Lee traf sich mit Kongressabgeordneten, um diese von der Notwendigkeit eines Amtsenthebungsverfahrens gegen Trump zu überzeugen. Zudem brachte sie den 25. Zusatz zur US-Verfassung ins Spiel. Demnach können der Vizepräsident und eine Mehrheit des Kabinetts erklären, dass der Präsident unfähig sei, seine Pflichten zu erfüllen. Dies ist angesichts der Kultur des vorauseilenden Gehorsams in der Trump-Regierung derzeit völlig abwegig.
Nach Einschätzung des französischen Neuropsychiaters Boris Cyrulnik leidet Trump nicht an Geisteskrankheit. „Er ist vielmehr ein Psychopath, der durch seine Impulse getrieben wird“, sagte er im Interview mit „France Inter“, einem französischen Radiosender. „Eine verrückte Person ist unverantwortlich. Trump ist hingegen verantwortlich.“
Auch Ty Cobb, der in Trumps erster Amtszeit als Anwalt im Weißen Haus arbeitete, drückt auf den Alarmknopf. Die „Verschlechterung“ des psychischen Zustandes des Präsidenten habe sich „beschleunigt“, betonte er im Interview mit dem US-Nachrichtensender „MS Now“. Die aggressiven Wortschwälle, die er oft mitten in der Nacht auf seiner Plattform Truth Social absondere, folgten einem Muster. „Wir sehen, wie diese Tiraden um vier Uhr morgens gepostet werden. Und wir sehen, wie er bei Kabinettssitzungen am Vor- oder Nachmittag einschläft. Eines der klassischen Symptome für Alzheimer ist die Schlaf-Wach-Umkehr“, so Cobb.
All dies sind beunruhigende Indizien, die den Umgang mit Trump zu einem Lotteriespiel werden lassen. Dabei muss besonders zu denken geben: In Trumps erster Amtszeit wies das Kabinett noch Korrektive auf, die den Präsidenten von schlimmeren Exzessen abhalten konnten: Leute wie Verteidigungsminister James Mattis oder Stabschef John Kelly. In der zweiten Amtszeit ist Trump von Ja-Sagern umgeben. Es gibt niemanden, der ihn einhegen könnte.