Berliner Ensemble
„Marzahn Mon Amour“
Wer Aufführungen des Berliner Ensembles (BE) besuchen will, muss sich frühzeitig um Karten kümmern. Das gilt auch für die Lesungen. Die meisten Veranstaltungen sind Wochen, bevor sich der Vorhang hebt, ausverkauft. So gibt es für den Abend mit Matthias Brandt, der am 28. April sein Buch „Nein sagen – Über den 20. Juli 1944, meine Eltern und persönliche Verantwortung heute“ vorstellt, mit viel Glück noch die ein oder andere Restkarte an der Abendkasse. Für die Lesung mit Christiane Paul am 28. Mai gibt es noch Karten im Vorverkauf. Die Schauspielerin liest aus Katja Oskamps Berlin-Roman „Marzahn Mon Amour“. Marzahn ist für viele gleichbedeutend mit Brennpunkt, Abstieg und sozialer Unsichtbarkeit. Doch die einst größte Plattenbausiedlung der DDR, die ein sozialistisches Prestigeprojekt war, ist so viel mehr als ihr medialer Ruf. In den „mittleren Jahren“ entschied sich die Autorin Katja Oskamp, hier noch mal neu anzufangen: Sie wird Fußpflegerin. Bei der Arbeit hört sie den Menschen zu, die zu ihr kommen, und beginnt, ihre Geschichten aufzuschreiben – Geschichten voller Stärke, Witz und Wärme. Die Ost-Berlinerin Christiane Paul bringt den Roman als Lesung auf die große Bühne – „und stellt dabei das Bild, was wir von Marzahn haben, vom Kopf auf die Füße“, kündigt das BE an.
Karten und Informationen: www.berliner-ensemble.de
Schwerer Stoff
„Schwerer Stoff. Frauen – Trachten – Lebensgeschichten“ heißt die Ausstellung, die das Museum Europäischer Kulturen (Arnimallee 25, 14195 Berlin) gerade eröffnet hat und bis zum 29. März kommenden Jahres zeigt. Die Ausstellung in Dahlem präsentiert Objekte aus der Textilsammlung des Donauschwäbischen Zentralmuseums: Frauen- und Mädchenkleidung von 1880 bis 1990. Sie will Brücken schlagen zwischen Tradition und Moderne, Ideologie und Realität, einstigem und heutigem textilen Upcycling. Sie vermittelt Einblicke in das Leben von Donauschwäbinnen, den Nachkommen deutschsprachiger Auswanderer, die sich vom späten 17. bis zum 19. Jahrhundert in Ungarn niederließen. 20 Kleiderensembles, Fotografien, Zeichnungen von Erna Piffl und weitere Objekte machen deutlich: Erinnerungen sind in Textilien eingewebt, Lebensgeschichten untrennbar mit ihnen verbunden. Sie laden ein, in europäische Geschichten über Ankommen, Existenz, Abgrenzung und Integration, Ver- und Entwurzelung einzutauchen.
Kulturverführung vom 24. April 2026
Theater: Das Deutsche Theater wirft wieder spannende Fragen auf: „Stellen Sie sich vor, Sie entdecken die Weltformel. Eine Erkenntnis, die in den falschen Händen den Untergang der Menschheit bedeuten könnte. Was tun? Verkünden? Verbergen? Oder den Wahnsinn vortäuschen, um die Welt zu retten?“ Der große Schweizer Autor Friedrich Dürrenmatt hat seinen Protagonisten einen vermeintlichen Ausweg eröffnet: Der Physiker Möbius entscheidet sich für den inszenierten Wahnsinn. Um diese Formel vor Missbrauch zu schützen, zieht er sich in ein Sanatorium – unter der Leitung von Dr. Mathilde von Zahnd – zurück. Dort kommt es zu zwei mysteriösen Morden an Krankenschwestern. Die Täter scheinen schnell gefunden. Doch bald zeigt sich: Nichts ist, wie es scheint. „Die Physiker“ heißt das Stück, das Dürrenmatt im Schatten des Kalten Krieges und der atomaren Bedrohung geschrieben hat. Das Deutsche Theater spielt es an mehreren Abenden im Mai. Auf der Bühne stehen unter anderem Anja Scheider und Ulrich Matthes. Deutsches Theater, Schumannstraße 13a, 10117 Berlin, Informationen und Karten: www.deutschestheater.de
Kabarett: In Österreich wurde er mit den höchsten Kabarettauszeichnungen geehrt, in Wien präsentierte er gerade mit „Monster“ sein fünftes Programm – am 4. Mai ist er nun auch wieder in Berlin: Berni Wagner. „Sein verzottelter Look täuscht“, warnen die Veranstalter und versprechen: „Das ist mehr als nur Comedy, das ist politisches Theater mit vielen Facetten. Und viel schwarzem Humor.“ Ganz so, wie man es aus Wien kennt. Bar Jeder Vernunft, Schaperstr. 24, 10719 Berlin, Tickets und Informationen: www.bar-jeder-vernunft.de.
Lesung: Lea Streisand hat eine Kulturgeschichte des Berlinerischen geschrieben, nachdenklich und mit leiser Komik – so wie ihre Hörkolumne „war schön jewesen“ auf Radioeins. Lea Streisand schreibt darüber, dass Berlin mit dem Bären nichts zu tun hat, dass das vermeintlich berlinerische Wort „Telespargel“ für den Berliner Fernsehturm Kokolores ist und dass der Vorwurf die Liebeserklärung des Berliners ist: „Kannmannichtmeckan!“ Im Gespräch mit Adriana Altaras präsentiert Lea Streisand ihr neues Buch am 5. Mai und 1. Juni auf der Bühne. Wer das Ganze nachlesen möchte: „Berlinerisch“ ist im Duden Verlag erschienen und hat 128 Seiten. Pfefferbergtheater, Schönhauser Allee 176, 10119 Berlin, Informationen und Karten: www.pfefferberg-theater.de
Konzert: Jeden Freitag gibt es in der Nikolaikirche um 17 Uhr ein Konzert mit Orgelmusik historischer Komponistinnen. Am 1. Mai spielt Kirstin Gramlich Werke von Anna Bon. Gramlich studierte Kirchenmusik in Köln und absolvierte in Den Haag ein Masterstudium. Museum Nikolaikirche, Nikolaiplatz, 10178 Berlin, Informationen: www.stadtmuseum.de/museum/museum-nikolaikirche Martin Rolshausen