Schon erstaunlich. Da beschließt eine Regierung mal Erleichterungen – und statt artig Danke zu sagen, gibt es so was wie Höchststrafen: Die Umfragewerte sinken weiter, und die Menschen gehen mal wieder auf die Straße und demonstrieren ausgerechnet gegen diese Wohltaten.
Und dann sinken auch noch die Spritpreise an den Tankstellen, obwohl die geplante 17-Cent-Steuererleichterung noch gar nicht alle Hürden genommen hat, um überhaupt wirken zu können.
Nun gut, die Preise sind trotzdem immer noch hoch, und sie werden auch kaum wieder nennenswert sinken.
Die Hüter der reinen Marktlehre sagen, dass hohe Preise eigentlich zum Energiesparen führen müssten. Was auch sinnvoll wäre, um die Abhängigkeiten von Fossilen zu reduzieren –
und fast schon als Kollateralnutzen würde das auch noch das Klima schonen. Mehr erneuerbare Energie würde dabei auch nicht schaden. Und schon hätten wir einen schönen Schulterschluss von Experten und Bürgern.
Gäbe es da nicht ein paar Leute, die lieber neue Gaskraftwerke und daneben gleich noch ein paar Klein-AKWs bauen wollten.
Ich dachte, wir hätten diese jahrelangen Diskussionen hinter uns.
Mein Kopfschütteln über derart viel Retro habe ich an dieser Stelle zuletzt schon hinreichend geteilt.
Es gibt aber auch Erfreuliches: Es wird investiert, gebaut, saniert, was das Zeug hält. Der ganz viel beklagte Investitionsstau wird allem Anschein nach jetzt auf einen Schlag aufgelöst.
Wer es nicht glauben will, kann sich seit Ende der Osterferien täglich ein Bild davon machen. Zeit genug ist ja. Freundlicherweise haben die Planer alles so ausgetüftelt, dass wir ausreichend lange im Stau begutachten können, was sich so alles tut.
Ärgerlich genug, um Kalauer zu machen nach dem Motto: Tausche Investitionsstau gegen Baustellenstau.
Aber am Ende wird sicher alles gut: super renovierte Straßen, die lange halten, weil weniger Verkehr, denn es gibt attraktive, funktionierende Alternativen zum Auto. Alles mit grünem Strom aus heimischer Produktion. Statt Bauplätzen für neue AKWs haben wir endlich ein Endlager für den alten Atommüll.
Da ist doch ein bisschen Geduld nicht zu viel verlangt.