Der BFC Dynamo ist auf Kurs Klassenerhalt – weil er deutlich seltener verliert als im ersten Halbjahr. Bei manchem ist der Knoten geplatzt.
Sven Körner machte seine eigene Rechnung auf und konnte sich dabei ein Schmunzeln nicht verkneifen: „Ich würde es mal umdrehen: Wir sind jetzt seit vier Spielen ungeschlagen“, konterte der Trainer des BFC Dynamo die Frage eines Medienvertreters auf der Pressekonferenz nach dem 5:1-Heimsieg gegen den FC Hertha 03 am Samstag vor 14 Tagen. Körner selbst hatte zwar in seiner Spielanalyse zugegeben, dass sein Team angesichts von drei Punkten aus den vorangegangenen vier (sieglosen) Partien in der Regionalliga Nordost ein wenig unter Druck gestanden habe – dennoch sieht er seine Schützlinge mittlerweile so gefestigt, dass sie auf dem und abseits des Platzes damit umgehen können.
Trainer sieht einen starken Charakter
„Die Mannschaft hat schon eine enorme Entwicklung genommen: Wir sind in den Spielen zuletzt nie umgefallen, weil die Spieler immer wissen, worum es geht – und das spricht für ihren Charakter.“ Im ersten Halbjahr hatten die Hohenschönhauser noch die Hälfte ihrer 18 ausgetragenen Begegnungen verloren – daraufhin kam es kurz vor Weihnachten zur Trennung von Trainer Dennis Kutrieb. Dessen Nachfolger wurde Körner, der seinem Vorgänger zuvor assistiert hatte – im Jahr 2026 hat der BFC hingegen nur noch drei seiner elf Partien verloren.
Mit dem 1:0-Sieg im Nachholspiel in Meuselwitz am Mittwoch vergangener Woche konnte das Punktekonto gegen einen direkten Widersacher im Kampf um den Klassenerhalt dazu auf 35 Punkte aufgestockt werden – und auch beim Tabellenvorletzten FC Eilenburg am vergangenen Sonntag (Ergebnis siehe Kurzmeldungen) wollte man den nächsten Dreier einfahren und damit auch einen weiteren Schritt aus dem Keller des Klassements vollziehen. Dabei hatte Dynamo beim Dreier in Meuselwitz sogar auch Dusel auf seiner Seite: Zwar fingen die Berliner gut an, ließen zwei Chancen aus und gingen dann durch Joey Breitfeld in Führung – doch spätestens im zweiten Durchgang sorgten die Hausherren für Einbahnstraßenfußball. Noch vor der Pause hatte BFC-Torwart Nicolas Ortegel bereits einen Handelfmeter stark pariert. Danach brauchten sie neben defensivem Können aber auch eine gehörige Portion Glück – schließlich traf der ZFC die Latte und vergab mehrfach aus aussichtsreichen Positionen.
Auch diese Fortune hat man sich, so scheint es, inzwischen jedoch hart erarbeitet – war man doch im ersten Halbjahr neben einer hartnäckigen Verletzungsmisere auch in den Partien vom Unglück verfolgt. Dementsprechend wirkte das vor der Saison auf vielen Positionen neu besetzte Team oft verunsichert, was sich wiederum auch in den Resultaten niederschlug. So hatten die Verantwortlichen zwar beim Findungsprozess der Mannschaft schon mit einer gewissen Zeit gerechnet – Platz 15 zur Winterpause war aber trotzdem nicht das, was man erwartet hatte. Auch die Stimmung bei den Fans, die bei diesem Club von besonderer Bedeutung ist, war zu diesem Zeitpunkt etwa mit „gereizt“ zu bezeichnen.
Personalsituation sorgt für Zuversicht
Der Einzug ins Halbfinale des Landespokals unmittelbar vor Weihnachten – das erste Pflichtspiel von Sven Körner als Cheftrainer – sorgte so vor der Winterpause für eine erste unmittelbare Entlastung hinsichtlich der Stimmung. Der K.-o.-Wettbewerb genießt bei den BFC-Fans eine besondere Wertschätzung, weil es dort einerseits eine Trophäe zu gewinnen gibt, andererseits der Einzug in den DFB-Pokal winkt – wo man sich mal wieder im Kreis der großen Namen als Verein, der auf die Tradition als DDR-Rekordmeister verweist, tummeln kann. Letzte Saison holte man jedenfalls nach einer durchwachsenen Runde zum Abschluss noch den Pokal – und so manch enttäuschender Kick geriet darüber in Vergessenheit. Mittlerweile hat der Titelverteidiger auch wieder das Endspiel 2026 (dort trifft man am 23. Mai auf Ligakonkurrent VSG Altglienicke) erreicht – eine Doppelbelastung also neben dem „Existenzkampf“ in der Regionalliga, die man aber gern in Kauf nimmt.
Dabei fehlen immer wieder auch noch verletzungsbedingt Spieler: Can Karatas und Americo Neves (beide Kreuzbandriss) schon länger, Jamal Rogero (Schambeinentzündung) kehrt dazu gerade nach monatelanger Abwesenheit langsam wieder ins Training zurück. Außerdem verletzte sich Valdemar Sadrifar im März schwer am Ellenbogen, und der vielversprechend gestartete Winterzugang Kevin Lebersorger ist seit seinem zweiten Einsatz auch schon wieder außer Gefecht gesetzt. Am schwersten aber wiegt sicherlich der Ausfall von Rufat Dadashov – der 34-jährige Mannschaftskapitän ist schließlich einer der wenigen Verbliebenen aus der Vorsaison. Schon im ersten Halbjahr konnte er dabei in einigen Spielen nicht mitwirken, nun kam er in fünf Partien wegen eines Überbeins nur einmal 45 Minuten zum Einsatz – inzwischen konnte er jedoch zumindest wieder ins Training einsteigen.
Gut, dass für den Stürmer gerade aber ein anderer in die Bresche springt: Bei Leander Fritzsche jedenfalls ist der Knoten zuletzt richtig aufgegangen. Der 25-Jährige, der vor der Saison von Phönix Lübeck (RL Nord) zum BFC gekommen war, traf ab Mitte März immerhin fünfmal in acht Ligapartien – plus Dreierpack, der Dynamo beim SV Sparta den Einzug ins Pokalendspiel bescherte. „Leander ist ein Junge, der immer alles auf dem Platz lässt“, lobt Körner seinen aktuellen Torjäger, „jetzt trifft er auch noch richtig, deswegen lassen wir ihn gerade auch einfach laufen.“ Mit Leandro Putaro befindet sich dazu ein weiterer Angreifer wieder mit Kurzeinsätzen im Aufbauprogramm – der 25-Jährige, der vor der Saison von Alemannia Aachen nach Berlin wechselte, hatte nach elf Saisonspielen immerhin vier Tore auf dem Konto, musste aber in der Wintervorbereitung und sogar noch zu Beginn des zweiten Halbjahrs einen Monat aussetzen.
Insofern blickt Sven Körner auch hinsichtlich der Personalsituation zuversichtlich Richtung Saisonende – immerhin warten mit den Partien gegen Lok Leipzig (24. April) und bei Carl Zeiss Jena (2. Mai) nun die beiden Top-Teams der Regionalliga Nordost auf den BFC Dynamo. Dass beim deutlichen Sieg gegen den FC Hertha 03 (und dem in Meuselwitz) auch noch Luft nach oben war, konnte der Trainer dabei jedenfalls entsprechend locker und verschmitzt kommentieren: „Wir müssen ja ein bisschen Potenzial nach oben haben, damit ich auch noch was zu tun habe.“