Hertha BSC verpasst wohl erneut den Aufstieg. CEO Peter Görlich kündigt tiefe Einschnitte an. Die Arbeit mit Trainer und Sportdirektor soll fortgesetzt werden.
Auf der Zielgeraden einer Saison kann manchmal schon ein einziges Tor über Wohl und Wehe entscheiden: Eine Woche zuvor etwa hatte die 0:1-Heimniederlage gegen Kaiserslautern die Chancen von Hertha BSC auf den Aufstieg in die Bundesliga zwar angesichts von sechs Punkten Rückstand zum Relegationsplatz geschmälert – bei damals noch ausstehenden fünf Partien aber noch nicht endgültig vernichtet. Als Fabian Reese dann am vergangenen Sonntag in Braunschweig früh einen Elfmeter im Nachschuss verwandelte, schien es so möglich, an den Top-Teams dranzubleiben oder eventuell sogar den Rückstand zu verkürzen. Den Hertha-Kennern dürfte allerdings schon angesichts der 1:0-Pausenführung mulmig geworden sein – denn weitere Gelegenheiten, das Resultat auszubauen, blieben ungenutzt.
Hoffnungen sind wohl endgültig begraben
So aber konnte sich die abstiegsbedrohte Eintracht in der Pause noch einmal sammeln und der Partie nach Wiederanpfiff ihren Stempel aufdrücken. Dazu verpasste Luca Schuler mit einem Lattentreffer nach einer Stunde die mögliche Vorentscheidung – mehr aber brachten die Hauptstädter im zweiten Durchgang auch nicht offensiv zustande. Und als Kennet Eichhorn (16) zu Beginn der Schlussviertelstunde zum jüngsten Rotsünder der Geschichte beider Bundesligen avancierte, war das dann wohl des Unguten zu viel. Jedenfalls kassierte die Mannschaft von Stefan Leitl wenige Minuten später den Ausgleich, der letztlich auch den 1:1-Endstand bedeutete. Damit konnte man jedoch angesichts von nun sieben Punkten Rückstand auf Rang drei und der Tatsache, bei vier zu bestreitenden Spielen noch drei Teams überholen zu müssen, die Hoffnung auf die Relegation und einen doch noch unverhofften Aufstieg endgültig begraben.
In den letzten Wochen hatte sich dabei die Gerüchteküche um die Personalplanung bekanntlich analog der jeweiligen sportlichen Situation bei der Alten Dame orientiert. Vom Abschreiben des Aufstiegs Ende Februar (nach der 2:5-Pleite in Paderborn) über das Aufkeimen neuer Hoffnungen bis hin zur Heimniederlage gegen den 1. FC Kaiserslautern änderten sich Nachrichten über Abwanderung oder Verbleib gerade einiger wichtiger Spieler entsprechend. Vielleicht war auch das einer der Beweggründe, weshalb sich Peter Görlich vergangene Woche gegenüber der „FAZ“ in einem Interview eingehender zur näheren Zukunft von Hertha BSC äußerte. Dabei bekräftigte er zunächst die Fortsetzung der Zusammenarbeit mit Trainer Stefan Leitl sowie Sportdirektor Benjamin Weber. „Es ist meine Führungsverantwortung, zu fragen: ‚Was ist es wert, das Alte zu ersetzen?‘“, erklärte der CEO der Hertha BSC & Co. KGaA gegenüber der Zeitung den Prozess seiner Entscheidungsfindung. „Diesem Verein tut in seiner Wankelmütigkeit Kontinuität gut“, so der 59-Jährige.
Was die Zukunft und damit auch den künftigen Kader betrifft, blieb Görlich zwar eher noch im Generellen – ließ mit seinen Worten aber dennoch aufhorchen. Denn Hertha BSC stehe nicht weniger als „die größte Transformation im Fußball bevor“, so der Geschäftsführer – für die Mannschaft bedeute das „eine grundsätzlich andere Zusammensetzung“. Dazu werde man „die Kadergröße reduzieren und die Ausgabenstruktur anpassen“. Was sich noch vor dem Braunschweig-Spiel bereits im Kern nach der endgültigen Planung für den Verbleib in der 2. Liga anhörte. Der erst Anfang September 2025 ins Amt gekommene Görlich tritt so dieser Tage erstmals als Zukunftsplaner ins Rampenlicht, der sich gleichzeitig mit klaren Botschaften positioniert und auch profiliert.
„Wir sind nicht der Verein, der es sich leisten kann, Angebote für Spieler einfach wegzuatmen“, formulierte er nochmals deutlich das, was vielen bei Hertha BSC klar ist – mit Ausnahme derer, die das partout nicht wahrhaben wollen. „Wir wissen, dass wir einen der teuersten Kader der Liga haben und uns die Kaderstrukturen eigentlich nicht leisten können in der Phase der Konsolidierung, in der wir gerade sind.“ Auch Stefan Leitl hieb in diesem Zusammenhang bereits in dieselbe Kerbe: „Es geht zum einen darum, den Verein zu konsolidieren – und anderseits zu versuchen, sportlich erfolgreich zu sein.“ Eine zumindest von den finanziellen Voraussetzungen ähnliche Mission – seiner mit dem Aufstieg gekrönten Station bei der SpVgg Greuther Fürth – hat der 48-Jährige dabei schon einmal erfolgreich gelöst.
Droht eine Machtprobe mit den Fans?
Eine weitere Saison im Unterhaus wird so jedenfalls etwa eine erneute Einbuße bei den TV-Geldern mit sich bringen – schon bislang waren die drei Jahre Zweitklassigkeit in diesem Bereich mit einem schrittweisen Einnahmerückgang in Höhe von sechs Millionen Euro verbunden. Görlichs Botschaft lautet also zwischen den Zeilen wie die Formel „Die fetten Jahre sind (endgültig) vorbei“ – respektive noch lange nicht wieder da. Das dürfte sich eben auch an jene richten, die die Rückkehr in die Bundesliga auch wieder mit erhöhtem finanziellen Risiko anstreben würden. Dazu dürften auch Teile der Fanszene gehören, die im Verein über einen gewissen Einfluss verfügen. Bekanntlich ist Präsident Fabian Drescher auch „ihr Kandidat“ als Nachfolger des früh verstorbenen Kay Bernstein, der früher selbst in der Kurve aktiv war.
An diesem Punkt birgt das Vereinsleben jedoch gerade auch aktuell erhöhtes Konfliktpotenzial – denn CEO Görlich hat in Zusammenhang mit den Ausschreitungen beider Fanlager bei der Partie in Dresden obendrein ein Thema aufgegriffen, das bei den Ultras als absolutes No-Go gilt: nämlich Stadionverbote. Damit müssten ermittelte Täter im Zuge der Aufarbeitung der Krawalle rechnen, doch nicht nur das: „Man wird sicherlich auch darüber diskutieren müssen, wie es mit der Ausübung der Mitgliedschaft aussieht“, kündigte Herthas leitender Angestellter darüber hinaus Konsequenzen für auffällig gewordene Fans mit einem Ausweis der Blau-Weißen gegenüber der „FAZ“ an.
Das könnte allerdings zu einer Machtprobe zwischen Verantwortlichen und Anhängern führen – ein erstes „Muskelspiel“ ergab sich so zuletzt im Fall der fristlosen Kündigung des langjährigen Zeugwarts Hendrik Herzog. Hertha BSC reagierte damit auf den Vorwurf einer Verkehrsstraftat gegen den 57-Jährigen, die die „B.Z.“ jedoch als „Lappalie“ bezeichnete. So wurde nun in Onlineforen die Forderung nach einer Wiedereinstellung des beliebten Mitarbeiters laut – auf die ging die Vereinsspitze zunächst jedoch noch nicht ein.