Der 1. FC Kaiserslautern hat beim 0:3 in Kiel nicht nur ein deutliches Ergebnis kassiert, sondern auch einen Nachmittag erlebt, der alte Fragen wieder aufwarf.
Dabei begann die Partie für die Pfälzer zunächst vielversprechend. Der FCK war in der Anfangsphase die bessere Mannschaft, kam früh zu guten Chancen und schien in der Lage, Holstein Kiel unter Druck zu setzen. Naatan Skyttä verfehlte per Kopf nur knapp das Ziel, wenig später zielte auch Marlon Ritter nach einem hohen Ballgewinn nur hauchdünn vorbei. Es war ein Auftakt, der nach einem mutigen Auswärtsauftritt aussah.
Doch mit dem ersten Kieler Treffer kippte die Partie komplett. Umut Tohumcu traf in der 16. Minute sehenswert aus der Distanz, ein Tor, bei dem Julian Krahl machtlos war. Entscheidend war weniger der Rückstand selbst als die Reaktion darauf. Lautern verlor von diesem Moment an Zugriff, Ordnung und jede Stabilität. Holstein übernahm die Kontrolle, nutzte einen Ballverlust von Jakob Rasmussen zum 2:0 durch Phil Harres und erhöhte noch vor der Pause nach einer Ecke durch David Zec auf 3:0. Schon zu diesem Zeitpunkt war der FCK kaum noch in der Partie.
Kiel blieb auch nach der Pause dominant
Auch nach der Pause, als Torsten Lieberknecht personell und taktisch reagierte und auf eine Dreier- beziehungsweise Fünferkette umstellte, änderte sich am Spielverlauf kaum etwas. Kiel blieb dominant, kam zu weiteren Chancen und hätte den Vorsprung noch deutlicher ausbauen können. Kaiserslautern sendete offensiv nur noch selten Lebenszeichen, etwa durch Semih Sahin, der in der 72. Minute an Timon Weiner scheiterte. Insgesamt war das 0:3 eher schmeichelhaft als zu hoch.
Entsprechend deutlich fiel die Analyse von Geschäftsführer Thomas Hengen aus. „Wenn du auf die Laufleistung schaust und zehn Kilometer weniger gelaufen bist, hast du die Antwort, woran es gelegen hat“, sagte er nach der Partie. Hengen beließ es nicht bei einer sportlichen Einordnung, sondern stellte grundsätzlich die Mentalität seiner Mannschaft infrage. „Bei uns geht keiner vorneweg. Es geht auch um Resilienz. Auch mal die Ärmel hochkrempeln, wenn es nicht läuft. Wenn die Sonne scheint, kann sich jeder nach vorne stellen. Wenn es regnet, muss ich aber auch Gas geben.“
Noch schärfer wurde Hengen, als er die Konsequenzen über dieses Spiel hinaus ansprach. „Wir haben heute viel gesehen, haben schöne Erkenntnisse gewonnen, auch für die Personalplanung“, sagte er und sprach offen von einer „Mentalitätsfrage“. Seine Kritik zielte auf fehlende Eigenverantwortung, mangelnde Gier und eine Komfortzone, aus der die Mannschaft an diesem Abend nicht herausgefunden habe. „Der Druck muss auch von der Kabine kommen, von innen. Und da fehlt mir ein bisschen was“, sagte Hengen.
Damit bekam diese Niederlage eine größere Dimension als nur den verpassten Sprung auf Rang sechs. Nach dem Auswärtssieg bei Hertha BSC hatte Kaiserslautern eigentlich das Gefühl erzeugt, wieder Stabilität zu entwickeln. In Kiel aber brach die Mannschaft nach einem Gegentor bemerkenswert schnell auseinander. Genau das dürfte intern schwerer wiegen als das nackte Resultat. Denn verloren hat der FCK nicht nur Punkte, sondern er hat vor allem jene Widerstandsfähigkeit vermissen lassen, die im Saisonendspurt unverzichtbar wäre.