Gewerkschaften geht es wie allen großen Institutionen im Land. Warum auch nicht? Alle klagen über einen kontinuierlichen Rückgang der Mitgliederzahlen.
Bei Gewerkschaften steigen die gelegentlich etwas, vor allem bei Tarifverhandlungen. An den markigen Sprüchen der Verhandlungsführer kann es kaum liegen. Dafür sind die zu sehr ritualisiert. Wie in der Kirche auf das „Amen“ kann man sich da getrost auf Sätze verlassen wie: „Wir fordern ein verhandlungsfähiges Angebot.“
Von wegen Rituale: Der „Tag der Arbeit“ (1. Mai) ist auch so eines. Da kann nicht schaden, wenn es im Vorfeld kräftig Werbung gibt. Auch wenn die von unerwarteter Seite kommt.
Wenn der Kanzler persönlich die Rente künftig nur als Grundabsicherung sieht, kann das schon mal mobilisieren. Selbst wenn er ein paar Tage später sagt: Die Rente wird nicht gekürzt. Ausgerechnet bei der CDA, jenem Arbeitnehmerflügel der Union, dem auch ein gewisser Norbert Blüm entstammte, jener unvergessliche Erfinder von „Die Rente ist sicher“.
Sicher ist eigentlich nur, dass regelmäßig darüber gestritten wird. Durchaus aus guten und allseits bekannten Gründen.
Was der vielstimmige Chor aus Politik und Verbänden kundtut, klingt meist wenig erbaulich. Was Menschen im Land darüber denken, hat einmal mehr der „Sozialstaatsradar 2026“ (s. Bericht S. 38) bestätigt. Kurzfassung: Menschen sind sogar bereit, etwas höhere Beiträge zu bezahlen, wenn dafür die Leistungen stimmen (schnelle Arzttermine, verlässliche Rente). Dabei gelten doch höhere Beiträge als Teufelszeug. Dann doch lieber Leistungen kürzen.
Wieso klaffen eigentlich politische Diskussion und nachvollziehbare Bürgermeinung so auseinander? Und das nicht nur bei diesem Thema?
Als gäbe es nicht schon genug, was da auseinanderklafft zwischen Rentnern und Pensionären, gesetzlich und privat Versicherten und noch so manch anderem.
Alles nur eine „Sozialneiddiskussion“?
Immerhin sind mehr als drei Viertel der Befragten für eine Bürgerversicherung (für alle).
Ja, es ist eine Studie von DGB und Arbeitskammern. Und nicht zufällig kurz vor dem 1. Mai.
Abgesehen davon klingen die Ergebnisse ziemlich plausibel. Kann jeder gerne mal im eigenen Bekanntenkreis testen.