Geplant war er als Interimslösung. Doch nun mausert sich Dan Twardzik als echte Dauerlösung für die VSG Altglienicke. Startet er in die neue Saison, in der dann auch das Thema Aufstieg wieder eine Rolle spielen soll?
Nach Abpfiff sah sich Dan Twardzik plötzlich von seinen Spielern unter Druck gesetzt: „Zwei Tage frei!“, skandierten sie im Teamkreis – der 35-Jährige schaute kurz ein wenig verlegen und fragte dann bei Assistent Björn Brunnemann nach, der zustimmend nickte. Wer hart und erfolgreich arbeitet, der darf eben auch mal „blau“ machen respektive kecke Forderungen diesbezüglich von sich geben. Denn gerade hatte die Mannschaft der VSG Altglienicke den 1. FC Magdeburg II in der Regionalliga Nordost dank Treffern von Jonas Nietfeld, Erik Tallig (je zwei) und Mehmet Ibrahimi 5:1 geschlagen – und damit die Serie der Ligaspiele ohne Niederlage seit Twardziks Start als Übergangsleiter auf sechs Partien ausgebaut. Der Aufstieg auf Platz sechs ist aktuell zwar trotzdem kein Thema – das war nach dem Umbruch im vergangenen Sommer aber auch nicht das Ziel.
Verdiente Pause nach starker Partie
Mit dem vor dieser Saison neu verpflichteten Trainer Ersan Parlatan war es dabei zunächst angesichts von 15 Zu- und 18 Abgängen im Sommer 2025 auch erstaunlich gut gelaufen. Mitte Dezember standen die Altglienicker sogar auf Platz vier, wenn der Rückstand auf Spitzenreiter Lok Leipzig auch bereits neun Punkte betrug. So wurde das Aufeinandertreffen mit dem Primus am 12. Dezember zum „Wahrsager“, ob das Team vielleicht sogar im neuen Jahr ernsthaft in der Spitzengruppe bleiben kann. Doch die Leipziger präsentierten sich kaltschnäuziger und hatten mit dem 3:2 das bessere Ende für sich. Die Niederlage zum Jahresabschluss sollte dabei nachwirken, denn auch 2026 stimmten die Ergebnisse plötzlich nicht mehr – insgesamt blieb man sechsmal ohne Sieg, holte dabei nur drei Punkte. Unter den Niederlagen waren obendrein auch „Ohrfeigen“ wie das 0:4 in Meuselwitz oder die 0:2-Heimniederlage drei Tage später gegen Luckenwalde. Als man dann zu Hause gegen den abstiegsbedrohten SV Babelsberg 03 auch nur spät einen Zähler retten konnte, sahen sich die Verantwortlichen zum Handeln gezwungen. So entschied man sich zur Trennung von Parlatan und für Twardzik, der seit Jahren im Trainerteam tätig ist, als vorläufigen Nachfolger bis zum Saisonende.
Woran aber lag die plötzliche Ergebniskrise – hatte das Team durch den großen Rückstand zu Rang eins ein Ziel aus den Augen verloren, stimmte die Mischung im Kader vielleicht gerade charakterlich doch nicht? Dafür gibt es keinen Anhaltspunkt, schließlich hatte man sich eine Saison Zeit zum Zusammenwachsen gegeben, um dann 2026/27 – wenn in der Nordost-Staffel der Meister wieder direkt aufsteigen darf – auf Angriff zu setzen.
Trotz einiger gestandener Fußballer im Alter von über 30 Jahren bei den Sommerzugängen konnte man dazu keinen von ihnen als „satt“ bezeichnen oder verdächtigen, bloß die Karriere langsam ausklingen lassen zu wollen. Die beiden Unentschieden zu Beginn des Jahres 2026 – in Zwickau, wo man (wieder) zwei Rückstände ausgleichen konnte, und Jena (0:0) – waren dazu respektabel. Die erwähnten bitteren Niederlagen kamen dabei auch zustande, weil man jeweils bereits in der ersten Halbzeit durch einen Platzverweis in Unterzahl geraten war. Alles Indizien, die nicht für eine etwaige „Charakterschwäche“ im Kader sprechen. So durfte trefflich spekuliert werden. Der für diese Spielklasse verhältnismäßig kleine Verein fernab des Berliner Zentrums – im Südosten nur etwa 15 Autominuten vom Flughafen BER entfernt – hält sich nach außen traditionell eher bedeckt, was den Tuscheleien an den Stammtischen natürlich Nahrung liefert. Die derzeitige Heimspielstätte der Treptower befindet sich sogar nicht mal in der Hauptstadt – mangels einer passenden Arena dort trägt man seit dieser Saison die Heimspiele im 50 Kilometer entfernten Fürstenwalde aus. Die Konkurrenz hat mittlerweile jedoch akzeptiert, dass der unaufhaltsame Aufstieg – Anfang des Jahrtausends spielte die VSG noch in der 10. Liga – zwar mit finanziellem Aufwand verbunden sein muss. Offenbar wird dieser aber auch mit einer gewissen Nachhaltigkeit betrieben.
Schon einmal als Interimslösung da
Eines der (weiteren) Gerüchte: Das Binnenverhältnis zwischen Trainer Parlatan und Mannschaft habe zuletzt nicht mehr gestimmt – was allerdings eine Spekulation ist, die in vergleichbaren Fällen ohne nähere Informationen stets naheliegt. Zu denken gibt aber schon, dass die Verantwortlichen durch die Trennung den mit Parlatan auf zwei Jahre ausgelegten Plan nun aufs Spiel setzen –
zumal man nun mit Twardzik offiziell auf eine Interimslösung bis zum Sommer setzt, wodurch einem Nachfolger einige Monate Einarbeitung fehlen und dieser quasi aus dem Stand ins Titelrennen 2026/27 eingreifen müsste. Möglich aber auch, dass die Übergangslösung sich momentan bewähren darf – Dan Twardzik hatte seine aktive Karriere im Sommer 2021 verletzungsbedingt bei der VSG beendet und gilt dem Verein als sehr verbunden. Schon letzte Saison war der frühere Torwart auf der Zielgeraden als Nachfolger von Semih Keskin eingesprungen, verfügt aber mittlerweile auch über die erforderliche A-Lizenz. Spekuliert wurde auch über den neuen Co-Trainer Björn Brunnemann als weiteres Motiv für die Trennung von Ersan Parlatan: Der Ex-Profi war fünfeinhalb Jahre für die Zweite Mannschaft der VSG als Assistent und Chef tätig, ehe diesen Winter die Trennung bekannt gegeben wurde – auch hier ohne nähere Erläuterungen seitens des Vereins. „Brunne“ gilt dabei als Intimus des aktuellen Sportchefs Torsten Mattuschka, mit dem er schon gemeinsam in der 2. Liga beim 1. FC Union gespielt und später in Altglienicke seine Karriere hatte ausklingen lassen. Angesichts des ungewöhnlichen Verlaufs der letzten Monate – erst Trennung von Brunnemann bei der Reserve, dann seine „Beförderung“ zum Assistenten des Interimstrainers Twardzik bei der Regionalligamannschaft – könnte die Spur dahin führen, dass man bei der Besetzung des Trainerpostens auf eine interne Doppel-Lösung über den Sommer hinaus setzt. Die Chemie zwischen dem Trainergespann und dem Team scheint jedenfalls zu stimmen – erst recht, wenn die Spieler liefern und das Duo dann auch mal zwei freie Tage verordnet.