Terese spürt es sehr deutlich. Auf sie wartet noch ein anderes Leben. Ein Leben, in dem sie vor allem sie selbst sein kann, mehr als jemals zuvor. So wie es ihr früherer Liebhaber zu ihr sagte. Ein Leben ohne Vigo, mit dem sie seit 50 Jahren verheiratet ist. Vigo, der nichts anderes im Kopf hat als seine Vision von einer waffenfreien Welt. Jetzt will er sogar ein Buch darüber schreiben. Viel zu lange hat Terese für ihn gelebt und versucht, ihm zu gefallen. Bis sie schließlich das Gefühl für sich selbst verlor.
Vielleicht liegt ihr Glück in Indien, wo sie den deutlich jüngeren Rana kennenlernt, nachdem Terese ihrem Mann nach Mumbai hinterhergereist ist. Um zu klären, wie es mit ihnen beiden weitergehen soll und ob sie zusammen alt werden wollen. Rana begegnet ihr voller Achtsamkeit und Wertschätzung. Terese verliebt sich, und doch bleiben ihr Zweifel. Immer wieder holen sie Erinnerungen an die gemeinsamen Jahre mit Vigo ein, das Gefühl von Verbundenheit und Gedanken an ihre gemeinsame Tochter Ava.
Soweit die Geschichte, von Autor Bodo Kirchhoff brillant und emotionsstark erzählt. Überzeugend erscheinen vor allem die ambivalenten Gefühle, die Terese umtreiben, bis sie eine klare Entscheidung trifft. Ein spannender, sehr lesenswerter Roman über eine starke Frau. Die Begeisterung über den Roman erhält dennoch einen Dämpfer. Tereses Erleben ist nur von Vigo erdacht, um seinen Schmerz über die Trennung zu bewältigen. Dadurch verliert der Roman jedoch an Kraft einer lebendigen Auseinandersetzung. Die Begründung des Autors, warum er dieses Erzählkonstrukt verwendet, wirkt wenig überzeugend. Er habe den literarischen Kunstgriff gewählt, weil er niemals als Ich-Erzähler derart intim über das Erleben einer Frau schreiben würde. Der Preis ist hoch. Allein aus Vigos Sicht betrachtet, bleibt Terese als Person unvollständig. Als eine Frau, die sich zunehmend in die Selbstbestimmung entwickelt, hätte Terese in diesem Roman auf jeden Fall ihre eigene kraftvolle Stimme verdient.