Als hätte ich es nicht geahnt. So also sieht sie aus, die „Tierliebe im Anthropozän“. Meint zumindest ein Kollege, der sich mit einem gehörigen intellektuellen Aufwand dem Fall von „Timmy“ alias „Hope“ genähert hat. Ansonsten war in den Debatten nicht gerade viel Geistreiches zu vernehmen. Ich stelle mir vor, „Timmy“ hätte auch nur einen Bruchteil von dem mitbekommen, was Teile der Menschheit von sich gegeben haben.
Dabei ist alles ganz einfach, wie schon der Kinderbuchautor James Krüss notiert hat:
„Der Walfisch ist kein Schoßtier.
Er ist ein viel zu groß Tier.
Er misst 300 Ellen
und macht gewaltige Wellen.“
In dem Sinne: Zeig’s ihnen, Timmy!
Und wir können uns wieder wirklich ernsten Problemen zuwenden, etwa Fragen der Orientierung. In diesen Zeiten, wo alte Gewissheiten so gar nicht gelten wollen, alles nicht so leicht. Manchmal hilft ja eine kleine Radtour, um den Kopf wieder frei zu kriegen. Aber auch da droht neues Ungemach.
Die schönen grünen Radwegeschilder sollen durch schnöde weiße Wegweiser ersetzt werden. Damit es einheitlich ist – und zur besseren Orientierung. Als wäre das Hauptproblem im Land die ständige Suche nach verirrten Radfahrern, die mit den grünen Schildern nicht klarkommen.
Die Sache erfordert intensive Debatten.
Die CDU-Opposition stellt immerhin fest: Das Saarland hat „kein Farbproblem“, dafür aber ein Umsetzungsproblem im Radverkehr. Die Grünen protestieren bemerkenswerterweise nicht gegen die Abschaffung grüner Schilder, im Gegenteil: Ein Tausch wäre „zwar richtig“, auch wenn damit kein Problem gelöst wäre. Die FDP entdeckt gar im Verkehrsministerium eine „Abteilung für schrägen Humor“. Dabei stammte die Meldung gar nicht vom 1. April.
Wie auch immer: „Timmy“ ist weg, „Nessie“ nicht in Sicht, dafür ist das Schilderthema gut für mehr oder minder lustige Kalauer.
Dabei ist die entscheidende Frage noch gar nicht gestellt: Was passiert dann eigentlich mit den grünen Schildern? Vorschlag zur Rettung: Wir erklären die einfach zum materiell-immateriellen Kulturerbe saarländischer Provenienz. Das gesparte Geld stecken wir ins touristische Marketing.