Als Ex-Kanzler Olaf Scholz vor wenigen Jahren die Zeitenwende ausrief, konnte niemand ahnen, dass daraus binnen Kurzem ein Zeiten-Windrad werden würde. Die Welt ist im Chaos – so der Eindruck des ordnungsliebenden Bürgers. Ein Zustand, in dem kein Stein auf dem anderen bleibt, Kriege und deren Folgen Angst und Schrecken verbreiten und die Welt unablässig nicht prognostizierbaren politischen und wirtschaftlichen Veränderungen unterworfen ist.
Energie droht wieder knapp zu werden: An den Tankstellen sind die Preise für Benzin und Diesel sprunghaft gestiegen und haben die Zwei-Euro-Marke bereits deutlich überschritten. Die Vorstellung der Grünen in den 1980er-Jahren, Benzin müsse aus Umweltgründen fünf D-Mark pro Liter kosten, hat sich damit erfüllt – nur zufrieden darüber äußert sich heute keiner; selbst Lastenrad-Fahrer nicht.
Autofahrer geraten in Panik oder sind heftig verärgert über die Politik. Der einzige Trost ist, dass die Treibstoff-Preiswellen ebenso rasch wieder zu Ende gehen mögen – wie in der Vergangenheit, als man in den Siebzigern und Achtzigern schon öfters mit solchen Teuerungsschocks an der Tanke (und im Supermarkt) zu tun hatte. Erinnerungen an Sonntagsfahrverbote und leere Autobahnen werden wach. Aber auch an Züge, die damals pünktlich fuhren.
Furcht kommt auf, dass Autofahren für den kleinen Mann nicht mehr bezahlbar bleiben könnte. Die Frage ist: Haben wir bereits den Höhepunkt der Automobilität erreicht? Oder jetzt aufgrund der neuerlichen Treibstoffverknappung bereits überschritten? Könnten Elektroautos, die keine fossilen Treibstoffe brauchen, also Batterie-Elektroautos, ein Ausweg sein?
Um mit Letzterem zu beginnen: Dagegen spricht alles. Mit Elektroautos lässt sich in Deutschland eine Massenmobilität mit 49 Millionen Verbrenner-Pkw – wie vom Kraftfahrt-Bundesamt (KBA) registriert – nicht aufrechterhalten. Zum einen werden Elektroautos in der Anschaffung wegen der teuren Speicherbatterien dauerhaft zu teuer bleiben für Herrn Hinz und Frau Kunz. Zum anderen wird trotz aller Anstrengung durch die Politik die Ladeinfrastruktur dauerhaft lückenhaft bleiben. Sie kann und wird nicht auf das Niveau des Massenverkehrs ausgebaut werden können.
Kurz: Elektroautos können auf Dauer nur für Privilegierte als Ersatz für Verbrenner infrage kommen, nicht für alle Autonutzer. Ein Großteil der heutigen Autonutzer muss seine Mobilitätsbedürfnisse anderweitig decken. Mit dem Deutschlandticket zum Beispiel, wenn der Staat dabei behilflich ist.
Aber es gibt auch noch einen subtileren Grund, weswegen die individuelle Mobilität per Auto in Deutschland ihren Höhepunkt überschritten hat und in Zukunft strukturell sinken wird. Die Anschaffung eines Autos, egal ob Verbrenner oder Elektro, hat sich in den vergangenen Jahren überdurchschnittlich verteuert, erheblich stärker, als die allgemeine Einkommensentwicklung zugenommen hat. Seit 2019 sind die Autopreise drastisch gestiegen, teilweise über 40 Prozent, die Bruttoverdienste im Durchschnitt bis 2025 dagegen nur um rund 25 Prozent.
Das heißt, dass im Durchschnitt die Auto-Realeinkommen in Deutschland drastisch gesunken sind, ein Umstand, den nur sogenannte Besserverdiener ohne Weiteres auffangen konnten – aber nicht Otto Normalverbraucher.
Die Statistik des KBA spricht Bände. Seit 2019 mit einem Höchststand der Neuzulassungen mit 3,6 Millionen lag der Absatz von Neuwagen jeweils bis zu einer Million Neuwagen pro Jahr niedriger. Gleichzeitig ist das Durchschnittsalter des deutschen Pkw-Bestands deutlich um rund zwei Jahre auf inzwischen elf Jahre angestiegen. Das lässt den Schluss zu, dass viele Bürger sich einen Neuwagen nicht mehr leisten können und „ihren Alten“ bis zur Verschrottung weiterfahren.
Zurück zu den Fünfzigern! Autofahren wird langsam, aber sicher wieder zum Luxus! Die politisch gewollte Transformation hin zur Elektromobilität ist dabei nolens volens hilfreich.