Bilder der Woche ausblenden
Bilder der Woche einblenden

WAS MACHT EIGENTLICH...

Das US-amerikanische Gesangsduo und Ehepaar Sonny und Cher Bono im März 1973 in Los Angeles
Foto: picture-alliance/ dpa

Cher?

Mit über 200 Millionen verkauften Tonträgern als Solistin und Teil des Pop-Duos „Sonny and Cher“, mehreren Musik- und Filmpreisen und ausverkauften Las-Vegas-Shows wurde sie ab den 60ern zu einer der reichsten Künstlerinnen weltweit. Am 20. Mai wird sie 80.

Cher gilt als Göttin der Popmusik, hat über 260 Millionen Platten verkauft, bekam für ihre Rolle in dem Film „Mondsüchtig“ den Oscar und wird auf ein Vermögen von 620 Millionen Dollar geschätzt. Allein ihre Kunstsammlung soll rund 200 Millionen US-Dollar wert sein: Man könnte meinen, dass all dies für Cher  Grund genug wäre, ihre überaus erfolgreiche Karriere nach ihrem 80. Geburtstag im Mai zu beenden. Aber sie ist seit zwei Jahrzehnten auch dafür bekannt, Abschiedstourneen anzukündigen und danach doch weiterzumachen.

„Man muss auch Glück haben“

Nachdem 2018 das ihr gewidmete Musical „The Cher Show“ am Broadway veröffentlicht wurde und im Vorjahr auch in Deutschland auf Tournee ging, brodelt es bei ihren Fans in der Gerüchteküche, dass es bald wieder neue Songs und Konzerte der Pop-Queen geben könnte. Angeblich soll Cher mit ihrem Team derzeit an neuen Musikprojekten wie einer Las-Vegas-Show oder ausgewählten Festival-Auftritten arbeiten. In Interviews hat sie darüber hinaus angekündigt, dass sie auch mit 80 noch weiterarbeiten will, aber eben zu ihren Bedingungen: also eher einzelne Konzerte in großen Städten statt strapaziöse Welt-Tourneen. Bei der Präsentation ihres jüngsten Albums „Christmas“ 2023 kündigte Cher an, dass sie „eigentlich noch nicht fertig“ sei und weiterhin im Studio an neuen Songs arbeite, „einfach weil ich es liebe.“ Sie müsse niemandem mehr etwas beweisen, habe aber einfach Spaß daran, immer wieder neue Seiten zu zeigen. Chers siebte und bisher letzte Solo-Tournee „Here we go again“ deutete 2018 bereits an, was von einer neuen Konzertreise zu erwarten wäre: kein reines Nostalgie-Programm, sondern eine Art musikalischer Lebensfilm in drei Blöcken mit maximalem Entertainment-Charakter. Neben den großen Hits der 80er- und 90er-Jahre wie „If I Could Turn Back Time“ oder „Shoop Shoop Song“ im ersten Teil, folgen Songs der Dance-Ära wie „Believe“ oder „Strong Enough“, bevor im dritten Teil neuere Titel, etwa aus ihrem Abba-Cover-Album in der Folge ihrer Mitwirkung 2008 beim Abba-Musical-Film „Mama Mia“ und neueste Produktionen zu hören sind.

Cher bei der 77. Bambi-Verleihung 2025 in den Bavaria Filmstudios München
Cher bei der 77. Bambi-Verleihung 2025 in den Bavaria Filmstudios München - Foto: picture alliance / Geisler-Fotopress

Einblick in Chers schillerndes Leben gibt ihre 2024 erschienene Autobiografie, die seit gut einem Jahr auch in einer deutschen Fassung „Cher – Die Memoiren Teil 1“ erhältlich ist. In einem „taz“-Interview im Vorjahr bezeichnet Cher es als großes Glück, dass sie als Sängerin überhaupt entdeckt worden ist. „Talent ist das eine, aber wenn man kein Glück hat, wird es nie jemandem auffallen.“ Ihre Karriere habe ihr damaliger Freund Sonny Bono ins Rollen gebracht, als er sie zufällig im Schlafzimmer singen hörte und ihr dann Jobs als Backgroundsängerin im Studio des Produzenten Phil Spector verschaffte. So ist Cher beim Ronettes-Hit „Be My Baby“ und bei „You’ve Lost That Lovin’ Feeling“ der Righteous Brothers zu hören.

Neben all ihren großen Erfolgen gab es für Cher auch weniger gute Zeiten: „Ich hatte so viele Höhen und Tiefen in meiner Karriere. Bevor ich 1998 ‚Believe‘ veröffentlichte, haben mich drei Plattenfirmen fallen gelassen.“ Mit einer gewissen Sturheit habe sie aber weiter ihre Musik gemacht und letztendlich wieder Erfolg gehabt. „Wenn man aufgibt, wird man nie irgendwohin kommen.“ Der 98er-Hit „Believe“ wurde einer der erfolgreichsten Cher-Songs und schrieb zudem wegen des erstmals verwendeten Autotune-Effektes Musikgeschichte. „Es war ein Unfall“, gesteht Cher heute. Durch das „Herumspielen“ an einem Gerät zur Tonhöhenkorrektur („Pitch Shifter“) sei eher zufällig ein roboterartiger Klang entstanden, den zuvor noch niemand erzeugt oder gehört hat. Mithilfe des Pitch Shifters konnte man eine zu hoch oder zu tief gesungene Note hinterher technisch korrigieren. Was damals zufällig entdeckt worden ist, wird heute bei Musikproduktionen häufig eingesetzt.

Eine modische Leitfigur

Von der Musik begeistert war Cher, seit ihre Mutter Giorgia Holt, ebenfalls Sängerin und Schauspielerin, sie zu einem Elvis-Konzert mitgenommen hatte: Sie sei nicht wie andere Mädchen in Elvis verliebt gewesen, sondern: „Ich wollte er sein.“ Als andere Vorbilder nennt sie Eartha Kitt, Diana Ross und die „einzigartige“ Tina Turner, mit der sie in Shows dreimal zusammen gesungen hat: „Wenn man neben ihr steht und singt, wünscht man sich wirklich den Tod“, drückt Cher ihre Bewunderung aus. Von den aktuellen Künstlerinnen liebt sie besonders Pink und Beyoncé, findet aber auch Billie Eilish „wirklich talentiert“.

Die „Pop-Göttin“, die wegen ihrer selbst geschneiderten und oft erotischen Outfits zu einer modischen Leitfigur wurde, gilt heute auch als Ikone in LGBTQ-Kreisen: Seit ihre Tochter sich in einen Mann umwandeln ließ, setzt sich Cher für die Rechte der Community ein. Sie engagiert sich auch gegen das Abtreibungsverbot und gegen Rassismus und bedauert, dass die derzeitige US-Administration tolerantere Entwicklungen wieder rückgängig machen will. 

MEHR AUS DIESEM RESSORT

FORUM SERVICE