Ihr Stern schien heller zu strahlen als der aller anderen Ikonen der US-amerikanischen Unterhaltungsindustrie. Doch je greller die Fassade Marilyn Monroes im Lichte Hollywoods erschien, desto dunkler wurde ihre vom Rampenlicht abgewandte Seite.
Mit der Scheidung von Baseballstar Joe DiMaggio 1954 zogen die ersten erkennbaren Wolken am Firmament der nach außen vor Glück strahlenden Schauspielerin auf. In Wahrheit hingen diese schon früh über ihrer Kindheit und Jugend. 1934 wurde ihre Mutter wegen paranoider Schizophrenie eingewiesen, was zur Folge hatte, dass Marilyn zwischen mehreren Familien hin und her gereicht wurde. In diesen Jahren kam es erstmals zu emotionalem und sexuellem Missbrauch, und schließlich landete sie im Waisenhaus. Schließlich lebte sie bei Grace Goddard in Florida, einer engen Freundin ihrer Mutter. Als die Goddards umziehen wollten, heiratete der Nachbar James Dougherty die mittlerweile 16-jährige Norma Jeane Baker, um zu verhindern, dass sie erneut in ein Waisenhaus kommt. Die Scheidung folgte 1946, als ihr die Filmproduktionsfirma 20th Century Fox ihren ersten Zeitvertrag anbot, für den sie unverheiratet sein musste.
Heftige Streitereien mit Joe DiMaggio
Dougherty war von Anfang an gegen ihre Karriere als Model und Schauspielerin. Als der Vertrag auslief, drehte sie für Columbia Pictures. 1950 unterschrieb sie erneut bei 20th Century Fox, hatte aber trotz einiger kleiner Filmaufträge finanziell zu kämpfen. Sie begann mehrere Affären, vornehmlich mit Männern aus der Filmindustrie, die ihr bei der Karriere helfen sollten. 1952 heiratete sie den Baseballstar Joseph Paul „Joe“ DiMaggio. Dieser war im Gegensatz zu seiner Ehefrau nicht sonderlich am Rampenlicht interessiert. Die Ehe, die nur 274 Tage hielt, war geprägt von Auseinandersetzungen, die Monroe in seelische Schwierigkeiten brachten.
Mit ihrer Glanzrolle in „Niagara“ (1953) kam der Durchbruch als Schauspielerin, was natürlich mehr und mehr Druck für den aufsteigenden Star bedeutete. Sie litt an Schlaflosigkeit und begegnete ihr mit der Einnahme von Barbituraten, deren Dosis mit wachsendem Stress stieg. Zugleich machte sie mehrere psychoanalytische Therapien.
Ihre Vermählung mit dem Schriftsteller Arthur Miller 1956 wurde vom sogenannten „Red Scare“, der Angst vor dem Kommunismus, überschattet. Das Federal Bureau of Investigation (FBI) legte eine Akte über beide Ehepartner an. Senator McCarthys „Komitee für unamerikanische Umtriebe“, das House Un-American Activities Committee (HUAC), drohte Miller mit Gefängnis, würde er sich weigern, die Namen anderer Sympathisanten preiszugeben. Monroe, die ihren Ehemann während der Untersuchungen stützte, schien Flecke auf eine bis dahin reine Weste zu bekommen. Ihr Film „Der Prinz und die Tänzerin“ blieb relativ erfolglos, und die Schauspielerin zeigte mehr und mehr Stimmungsschwankungen, wurde unzuverlässig und schien wegen zunehmender Selbstzweifel immer abhängiger von Arthur Miller. Sie musste eine ektopische Schwangerschaft (Befruchtung eines Eis außerhalb der Gebärmutter, Anm. d. Red.) und eine Fehlgeburt durchmachen. Dies führte zu einer ersten Überdosis mit Schlaftabletten. 1959 heimste sie für „Manche mögen’s heiß“ die verdienten Lorbeeren ein, hatte aber eine weitere Fehlgeburt und ernsthafte Schwierigkeiten, am Set des Musicalfilms „Machen wir’s in Liebe“ zu erscheinen.
Mit Beginn der 60er-Jahre verabschiedete sich Marilyns seelische Gesundheit Stück für Stück. Sie litt unter massiver Schlaflosigkeit, Depressionen und Angstzuständen. Sie versuchte, sie mit Tabletten und Alkohol zu bekämpfen. Ihre Dosis war auf ein Maß angestiegen, dass man sie schminken musste, während sie noch schlief – so zumindest lautete das Gerücht, das man sich in Hollywood erzählte. Während der Dreharbeiten zu „Nicht gesellschaftsfähig“ (Misfits, 1961) brachte Regisseur John Huston Monroe schließlich dazu, einen Entzug zu machen. Durch die disruptive Art seiner Ehefrau, die Filmaufnahmen immer wieder zu unterbrechen und das Budget damit in die Höhe schießen zu lassen, geriet die Beziehung zu Arthur Miller aus den Fugen. Dieser begann ein Verhältnis mit einer Set-Fotografin, sodass die Ehe mit Monroe im Januar 1961 geschieden wurde. Der Film selbst wurde zu allem Überfluss auch kein Kassenschlager.
Wiederkehrende depressive Phasen
Im Rückspiegel der Geschichte scheint Marilyns letzter öffentlicher Auftritt im Madison Square Garden 1962 ein Abgesang auf eine beispiellose Karriere. Nachdem sie mehrfach vergeblich aufgefordert worden war, die Bühne zu betreten, und schließlich erschien, wurde die Schauspielerin von Peter Lawford, Schwager des damaligen Präsidenten John F. Kennedy, als die verspätete Marilyn Monroe angekündigt. Da das Adjektiv „late“ je nach Kontext bedingt auch „verstorben“ heißen kann, scheinen Lawfords Worte im Rückblick geradezu wie eine Prophezeiung.
Ihr Erscheinen in einem glitzernden Kleid unterstrich das Geisterhafte der Gesangsdarbietung von „Happy Birthday“, ein gehauchtes Geburtstagsständchen, das sie für ihren wohl heimlichen Liebhaber John F. Kennedy aufführte. Am Ende ihres Auftritts, der motorische Schwierigkeiten offenbarte, machte sie ein paar wackelige Sprünge, bevor sie von der Bühne geleitet wurde. Von den Bildern, die nach dem Auftritt gemacht wurden, überlebte lediglich eines, auf dem auch JFKs Bruder, Senator Bobby Kennedy, zu sehen ist. Mit ihm sollte Monroe gerüchtehalber ebenfalls eine Affäre gehabt haben. Der Zwischenfall führte letztlich zu Schwierigkeiten mit dem Filmgiganten 20th Century Fox, der zuvor versucht hatte, ihr Erscheinen bei diesem Ereignis zu verhindern. Die Dreharbeiten zum Film „Something’s got to give“ wurden wiederaufgenommen, nachdem die Schauspielerin kurzzeitig entlassen worden war. Der Film wurde nie zu Ende gedreht. Marilyn Monroe starb am 5. August 1962 an einer Überdosis Schlaftabletten.
Ihre Ärzte attestierten ihr eine Anfälligkeit für Ängste und regelmäßige depressive Episoden, die wiederum zu einer ganzen Serie von Überdosen führten. Diese erscheinen im Nachhinein als beabsichtigte Selbstmordversuche. Damit erlosch Marilyn Monroes Stern, der so kometenhaft am Himmel Hollywoods erschienen war, aber nur zehn Jahre lang strahlte.