Hohe Benzinpreise steigern die Nachfrage nach Elektroautos. Doch sie sind nicht das einzige Argument, das aktuell für einen Umstieg spricht.
Der Frust über gestiegene Öl- und Benzinpreise macht sich auf dem Automarkt bemerkbar: Bereits im März dieses Jahres stiegen die Verkäufe von Elektroautos rasant an, wie das Kraftfahrtbundesamt mitteilt. Insgesamt wurden 70.663 E-Autos verkauft – ein Plus von 66 Prozent im Vergleich zum März 2025. Der Tankstellen-Frust ist jedoch nicht der einzige Grund, der die Elektroauto-Lust beflügelt. Gleich mehrere Argumente sprechen dafür, jetzt den Umstieg zu wagen. Dies sind die wichtigsten.
Strom für E-Autos kostet weniger als Benzin
Seit Beginn des Iran-Krieges haben sich Benzin und Diesel deutlich verteuert. Literpreise jenseits von zwei Euro gehören zur neuen Normalität. Umgekehrt schlagen sich die hohen Energiepreise bislang nicht auf den Ladestrom durch. Das Unternehmen Vattenfall senkte im März sogar seine Tarife, sodass an den dortigen Ladestationen nun 44 bis 49 Cent pro Kilowattstunde fällig sind. Am günstigsten wird es für alle, die zu Hause laden können. Mit dem heimischen Stromtarif liegen die Verbrauchskosten um bis zu zwei Drittel niedriger als bei Verbrennern, wie aus einer Analyse des Vergleichsportals Verivox hervorgeht. Demnach kostete der Haushaltsstrom im März durchschnittlich 31,2 Cent pro Kilowattstunde. Ein E-Auto mit einem Verbrauch von 16,9 Kilowattstunden komme bei 1.000 Kilometer Fahrleistung auf Stromkosten von etwa 53 Euro. Bei einem vergleichbaren Verbrenner wären es 160 Euro (Super E10) beziehungsweise 113 Euro (Diesel) gewesen.
Die Preise für Elektroautos sinken
Es stimmt: E-Autos sind in den meisten Fällen noch immer teurer als vergleichbare Fahrzeuge mit Benzin- oder Dieselmotor. Dies liegt vor allem an den hohen Kosten der Hochvoltbatterie. Doch der Preisunterschied schmilzt schnell ab. Betrug er im September 2024 noch durchschnittlich 7.500 Euro, waren es ein Jahr später nur noch 1.600 Euro. Zu diesem Ergebnis kommt der Wirtschaftswissenschaftler Ferdinand Dudenhöffer in einer Studie, bei der er die Durchschnittspreise der 20 beliebtesten Verbrenner- und Elektromodelle verglichen hat. Verstärkt wird dieser Trend durch die neue Elektroauto-Förderung der Bundesregierung. Abhängig vom Jahreseinkommen gewährt der Staat einen Zuschuss bis zu 6.000 Euro. Die Kaufprämie gilt rückwirkend für E-Autos, die ab dem 1. Januar 2026 gekauft wurden. Voraussichtlich im Laufe dieses Monats soll das entsprechende Antragsportal der Bundesregierung freigeschaltet werden.
Im laufenden Betrieb sind Elektroautos ohnehin günstiger als Verbrenner. Sie sind bis 2035 von der Kfz-Steuer befreit, müssen seltener in die Werkstatt (kein Ölwechsel und weniger Verschleißteile) und nehmen über die Treibhausminderungsquote (THG) am Emissionshandel teil: Wer ein E-Auto hat, erhält wegen der CO2-Einsparungen vom Umweltbundesamt jedes Jahr eine Erstattung.
„Reichweiten-Angst“ war gestern
Ein Elektroauto-Mythos, der sich am hartnäckigsten hält, ist die sogenannte Reichweiten-Angst – also die Sorge, mit leerem Akku liegen zu bleiben. In der Anfangszeit der Elektromobilität waren solche Bedenken durchaus berechtigt, da es weder ausreichend Ladestationen noch alltagstaugliche Akkus gab. Heute stellt sich die Lage komplett anders dar. Spitzenmodelle wie der Mercedes EQS kommen selbst im Winter auf reale Reichweiten von über 600 Kilometern, wie der ADAC bei einer simulierten Autobahnfahrt herausfand. Doch auch kleinere Modelle schaffen problemlos zwischen 200 und 300 Kilometer am Stück. Dass unterwegs der Strom ausgeht, muss ebenfalls niemand mehr befürchten. Das Ladesäulenregister der Bundesnetzagentur verzeichnet rund 149.000 Normalladepunkte sowie rund 51.250 Schnellladepunkte in Deutschland (Stand: 1. April 2026). Das sind 18 Prozent mehr als ein Jahr zuvor.
Zwar gibt es auch heute noch Landkreise mit einer gewissen Unterversorgung. Die Anzahl der Ladestationen wächst jedoch stark. Besonders in Autobahn-Nähe schießen große Ladeparks aus dem Boden, in denen gleichzeitig zehn, 20 oder 30 E-Autos laden können. Auch an Raststätten geht es voran: Nachdem der Ausbau wegen eines Rechtsstreits jahrelang ruhte, herrscht seit einem Urteil im März 2026 nun Klarheit. Der Weg für neue Ladesäulen ist also frei.
Elektrische Kleinwagen erobern den Markt
Ob Tesla, Mercedes oder VW: Um möglichst viel Gewinn zu machen, brachten die Hersteller jahrelang vor allem schwere, teure Elektro-SUVs und -Limousinen auf den Markt. Viele Menschen konnten sich ein E-Auto daher schlicht nicht leisten. Mit zunehmender Konkurrenz aus China setzt jedoch ein Umdenken ein. Viersitzer wie der BYD Dolphin Surf oder der Dacia Spring sind inzwischen für unter 20.000 Euro erhältlich. Auch Hyundai, Citroën, Peugeot und Fiat bieten Modelle, die weniger als 25.000 Euro kosten. Zieht man die staatliche Förderung davon ab, sind Preise von unter 15.000 Euro für einen Neuwagen möglich. Natürlich eignen sich die Mini-Stromer vom Komfort und vom Akku her nur bedingt für lange Urlaubsfahrten. Als Zweit- oder Stadtfahrzeug kommen sie aber sehr wohl infrage. Zumal ohnehin nur ein Prozent aller Autofahrten in Deutschland weiter als 100 Kilometer sind, wie die Studie „Mobilität in Deutschland“ belegt.
Die Ökobilanz von E-Autos wird immer besser
Wer ein E-Auto fährt, muss sich nicht selten den Vorwurf der Scheinheiligkeit gefallen lassen. Zwar stoßen die Stromer keine Abgase aus. Aber: „Je nach Energiequelle, Energieeffizienz der Produktion und der Batteriegröße fallen (bei ihrer Herstellung) zwischen 60 und 130 Prozent höhere Treibhausgasemissionen an als bei der Herstellung von Benzin- oder Dieselfahrzeugen“, heißt es in einer aktuellen Fraunhofer-Studie. Dies liegt vor allem an der Herstellung der Batterien. Diese Kritik ist berechtigt, verkennt jedoch das große Ganze: Zum einen hat sich die Ökobilanz in den vergangenen Jahren stetig verbessert. Zum anderen kehrt sich die Situation recht schnell um. Im Laufe ihres gesamten „Autolebens“ stoßen E-Autos zwischen 40 und 50 Prozent weniger Treibhausgase aus als ein vergleichbarer Mittelklasseverbrenner – eben, weil sie keine Abgase produzieren. Mit dem steigenden Anteil erneuerbarer Energien dürfte dieser Vorteil weiter zunehmen.
Dass es viele Hersteller mit der Nachhaltigkeit durchaus ernst meinen, zeigt der aktuelle „Green NCAP“-Autotest, an dem unter anderem der ADAC beteiligt ist. Er betrachtet den kompletten Lebenszyklus eines Fahrzeugs, von der Energieeffizienz über den Schadstoffausstoß bis hin zu Treibhausgasen. Das Ergebnis: Sechs Modelle – allesamt E-Autos – erreichen zwischen 91 und 97 von 100 möglichen Prozentpunkten. Der Dacia Spring kommt sogar auf den Bestwert von 100 Prozent. Zum Vergleich: Der beste Benziner im Test, der Hyundai i20 1.0 T-GDI, schafft 60 Prozent.
Perfekt sind Elektroautos also noch lange nicht – im direkten Vergleich mit Verbrennern schneiden sie trotzdem deutlich besser ab.